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Walter Plasil
Bitte nicht beten!
Satire

In Köln am Rhein bahnt sich Ungewöhnliches an. Die Stadt mit einer Million Einwohnern gibt sich gegenüber Moslems tolerant. Nicht fünfmal am Tag, wie eigentlich im Islam vorschrieben, aber zumindest jeden Freitag zwischen 12.00 und 15.00 Uhr, in diesem Zeitfenster, aber dann nur für die Dauer von fünf Minuten, werden die Rufe des Muezzins, verstärkt über Lautsprecher, über den Dächern der Großstadt erschallen!

Das war der Oberbürgermeisterin, Henriette Reker (65), parteipolitisch unabhängig und von Beruf Rechtsanwältin, mitsamt ihren vier Bürgermeistern wichtig. Sie wird dabei von CDU, den Grünen, der FDP und Kleiparteien unterstützt. „In Köln wird Vielfalt geschätzt und gelebt“, teilte sie der Öffentlichkeit mit.

Unbotmäßige Kritiker aber nehmen ihr das nicht ganz ab und fragen sich, was das Ganze eigentlich soll. Schließlich ist Rieker ja auch Ehrenmitglied des Vereins “Freunde und Förderer des Kölnischen Brauchtums“. Andere verweisen darauf, dass man bedenken müsse, dass Frau Rieker auch Ehrenkommandantin der „Prinzengarde“ ist. Aber damit nicht genug! Sie ist auch in der Karnevalsgesellschaft „Böse Geister“ Ehren-Obergeist.

Nein, ließ sie inzwischen verlauten, es bleibe für die nächsten zwei Jahre dabei und das alles sei kein Ulk!. Die Moslems dürfen rufen!

Was wird denn da gerufen, fragt sich der noch unkundige Kölner, die schunkelnde Kölnerin? Ja, das sollte man tatsächlich wissen. Ganz einfach: Es wird eingeladen zum Gebet in der Moschee. Anstatt einer üblichen Lautsprecherdurchsage, wie zum Beispiel: Hallo liebe Leute, der Imam wäre jetzt da, kommt jetzt bitte alle zum Gebet, wird halt gerufen:

Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Gesandter.

Vermutlich wird der Aufruf nicht auf Deutsch, sondern auf Arabisch vorgetragen. Aber nun weiß man ja, was die Botschaft ist. Und dass das islamische Gebet am Freitag um diese Zeit stattfindet, ist für die Beter nicht gerade überraschend.

Ja, so geht’s, wenn man die Rechte für alle ausbauen möchte. Schließlich läuten die Glocken der christlichen Kirchen auch am Sonntag vor oder auch nach der Messe. Also gleiches Recht für alle! Na ja, ganz stimmts nicht. Die Glocken läuten natürlich wesentlich öfter als nur einmal die Woche. Aber es gibt ja auch viel mehr Christen als Moslems. Das gleicht sich dann wieder aus, wird von Beobachtern kalmierend angemerkt.

Aber dennoch ist einiges aus dem Lot geraten oder war es schon immer. Wer beantwortet nämlich die Frage: Wer oder was läutet oder ruft für die Ungläubigen?

Die Moslems meinten dazu, dass alleine durch die Tatsache, dass sich Religionslose dem Gebetsaufruf des Muezzins gegenüber nicht angesprochen fühlen, diesen sogar völlig negieren (oder überhaupt gleich ablehnen) – dass sich diese Ungläubigen damit ausreichend artikuliert haben. Schön, die Glaubensverweigerer haben ihre Meinung ausgedrückt, meinte ein Imam. Mehr stehe diesen Feinden des wahren Islams auch gar nicht zu. Man soll also den Rufer rufen lassen, was immerhin dessen Aufgabe sei. Wer nichts zu rufen habe, solle einfach schweigen.

Die Katholiken und Evangelischen fanden, dass das Glockengeläut seit abertausenden von Jahren zum örtlichen Kulturgut gehöre, die Kirchenglocken seit Menschengedenken schon da waren und immer schon derart gebimmelt haben. Jede weitere Rechtfertigung für das Kling und Wumm-Wumm erübrige sich damit.

Haben wir immer schon so gemacht, war der Kommentar des katholischen Dompfarrers. Wir betätigen unser Geläut, weil ER es von uns erwartet, jener des evangelischen Superintendenten. Keinesfalls sei das so, dass damit nur ER aufgeweckt werden soll, wie böse Zungen meinen, sondern die matten und lasch gewordenen Gläubigen sollen angetrieben werden. Um auch Ältere ansprechen zu können, wolle man mit der Lautstärke, wenn erforderlich, so weit gehen, bis die Hörapparate Überspannung bekommen und pfeifen.

Das hat nun endgültig aufmüpfige Atheisten auf den Plan gerufen. Und die sind auch nicht auf den Kopf gefallen. Sie verlangten nicht nur gleiches Recht für alle, sondern bestärkten sich in ihren liberalen Zirkeln, nachdem sie ohnehin zahlenmäßig bereits die Religiösen überholt haben, in ihrer begründeten Ansicht, dass es auch für sie etwas geben müsse, womit sie laut und deutlich dazu aufrufen können, nicht zu beten.

Ja, für manche mag das überraschend sein, aber Religionsfreie denken so. Sie halten es tatsächlich für durchaus verzichtbar, die gerade nicht in den Moscheen und Kirche Anwesenden an das Beten zu erinnern und dabei an unbekannte Mächte zu appellieren, von denen sich übrigens noch nie eine persönlich in Köln vorgestellt hat.

Die Energie, die man durch das Nichtbeten einspart – so meinen diese eigenartigen Leute – könne man anderweitig ökonomischer einsetzen. Etwa, indem man in diesen Zeiten wieder einmal ein gutes Buch liest oder seinen fleischlichen Lüsten folgt. Freilich soll auch dazu gut vernehmbar aufgefordert und erinnert werden. Auch Religionsfreie sind manchmal nachlässig, der eine oder die andere sind vielleicht auch schon älter und in Bezug auf Letzteres vergesslich geworden.

Jetzt war es natürlich gefragt, etwas zu finden, das im Konzert zwischen Glocken und Muezzin bestehen kann. Denn nichts zu rufen und nichts zum Klingen zu bringen, bedeutet Passivität im Meinungskonzert. Damit geht man heutzutage einfach unter. So wie es jetzt ist, kann‘s also nicht bleiben. Ständig nur hinzunehmen, was die anderen da ganz ungeniert vorführen, ist auf Dauer untragbar.

Um sich atheistisch verbal, durch Rufe etwa, wie: Gott gibt’s ja gar nicht! oder: Hallo Gott, melde dich bei der örtlichen Atheisten-Gruppe, jeden Donnerstag abends gerne, über diesen Weg auch in den Ausrufungswettbewerb zu drängen, wurde als nicht zielführend ausgeschieden. Auch Hupen, die über die ganze Stadt hörbar wären und deren Sinn für die Werbung zu atheistischem Denken man dann zu erklären hätte, sollten nicht eingesetzt werden.

Wie kann also der Gerechtigkeit bezüglich des Rechts auf öffentliche Äußerungen von Gesinnungen zwischen Religiösen und jenen, die keine solchen sind, zum Durchbruch verholfen werden?

Innovativ sind sie schon, die Atheisten. Das muss man ihnen lassen. Zunächst haben sie sich dafür ausgefuchste Berater geholt. Das Ergebnis der aussortierten Vorschläge ist, nun auf den Punkt gebracht, dass Atheisten, Religionsfreie und Religionsgegner künftig, um auch entsprechend öffentlich zum Nichtbeten aufrufen zu können, beantragt haben, dass im Kölner Stadtgebiet zu allen halben Stunden (die vollen Stunden gehören bekanntlich den Religionen) Blitze über die Stadt aufzucken, die von dazu passendem Donnergrollen begleitet werden.

Das ist technisch ganz leicht machbar. Blitze über der Stadt aufleuchten zu lassen, das kann man durch Erzeugung von Stromüberschlägen zwischen den elektrischen Polen, verteilt auf hohen Masten über der Stadt (pro Kirchturm und Moschee jeweils ein Mast mit Blitz und Donner), leicht installieren. Am Mast können dann auch gleich die riesigen Lautsprecher montiert werden, die halbstündig ihr Donnergrollen loslassen. Außerdem funktioniert die Botschaft in allen Sprachen der Welt.

Da wäre also die Lösung des Problems. Erstens ist die Religionsfreiheit gewahrt. Jede Religion verfügt über die Mittel, ihre Anhänger zum Gebet zu rufen. Die Religionslosen sind auch zufriedengestellt, weil sie halbstündlich zum Nichtbeten aufrufen können. Blitz und Donner soll künftig ein Zeichen für Nichtbeten werden und ganz genau so oft und auch ganz genau so lange wie das Kirchengeläute (gezählt werden alle Kirchen der Stadt) und die Muezzin Rufe der Moscheen (auch gezählt) erschallen.

Einige Fragen wird es natürlich noch geben, die einer Lösung zugeführt werden müssen. Beispielsweise die, wie damit umzugehen wäre, wenn über die Stadt ein „natürliches“ Gewitter mit Blitz und Donner hinwegziehen würde. Das ist eben wirklich nicht unwahrscheinlich, wenn auch in Köln äußerst selten. Manche meinen, dass in so einem Fall die Zahl der Blitze der Atheisten gleichbleiben sollten, dafür die Kirchenglocken länger (verlängert um die Zeit des „natürlichen“ Gewitters) läuten dürften und der Muezzin auch zusätzliche Rufzeiten eingeräumt bekommen möge.

Beobachter sind gespannt, wie die Stadt Köln auf den Antrag reagieren wird. Rein rechtlich muss alles getan werden, um eine Gleichstellung der weltanschaulichen Gruppen in der Gesellschaft herzustellen. Das verlangt alleine schon das Grundgesetz. Also wird eine Ablehnung der Anträge der Religionslosen zur „Erlaubnis des Aufrufs zum Nichtbeten“ nicht vom Tisch zu wischen sein.

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Walter Plasil

Walter Plasil Jahrgang 1946, geboren in München, aufgewachsen in Wien, seit 1971 in Innsbruck. Führte viele Jahre das INGENIEURBÜRO WALTER PLASIL für Technische Gebäudeausrüstung und Energieplanung und war als Allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger tätig. Walter Plasil: „Ich war immer ein Vielschreiber und habe nun, nachdem meine bisherige Tätigkeit dem Ende zugeht, Zeit und Lust dazu, auch zu veröffentlichen. Mein neuer Beruf daher: „Literat.“ walter.plasil.privat@gmail.com

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Ralph Holtfeuer

    Nun: Dass sich das christliche Europa von selber abschafft, pfeifen ja schon die Spatzen von allen Dächern der Welt. Ich bin dafür, dass dieser Bürgermeister und die Mitglieder seiner Gruppe sich auf den Weg nach Istanbul machen und dort das stündliche Läuten einer Kirchenglocke verlangen. Die Steinigung wäre die geringste Strafe.
    Wo bleibt der Aufschrei unserer christlichen grünen Bevölkerung über diese Diskriminierung? Oder soll die Ars….kri….ei zur Wahrheit erhoben werden?

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