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Andreas Raffeiner
Die italienische Post in Südtirol
Realsatire

Die Post bringt allen etwas. So heißt zumindest der Slogan der Österreichischen Post AG. In Italien ticken, wie so oft, die Uhren anders. Um den Postdienst in ländlichen Gebieten garantieren zu können, arbeitet das Land Südtirol mit der Italienischen Post zusammen.

Obwohl der Dienst schlecht funktioniert, wurde kurzerhand beschlossen, die Kooperation bis 2026 zu verlängern, und dabei großzügig 33 Millionen Euro zweckgebunden zu investieren. 

Ob der herannahende Olympiakerngedanke Dabei sein ist alles den Ausschlag gegeben hat, ist dem Verfasser dieser Zeilen (noch) nicht bekannt. Die neuen Vereinbarungen betonen Qualitätsstandards, regelmäßige Zeitungszustellung, Briefsortierung und Umweltfreundlichkeit. In Bezug auf den letzten Punkt haben E-Autos längst schon die Kutsche abgelöst. Über die anderen Elemente des Abkommens werde ich in zwei Jahren vielleicht einen neuen Bericht schreiben müssen.

Die alte – wir Südtiroler haben immer noch keine neue! – Landesregierung ist jedenfalls so begeistert von der bisherigen Leistung der Italienischen Post, dass sie Landeshauptmann Arno Kompatscher die Vollmacht erteilt hat, den neuen Vertrag gemeinsam mit dem Postchef zu unterzeichnen. Hoffentlich landet die Unterschrift nicht versehentlich auf der Zustellbenachrichtigung.

Ein weiterer, vorher ungewollt vergessener Punkt dreht sich um das Goldene Kalb Zweisprachigkeit, die besonders hervorgehoben wurde. Ist es ein exklusiver Bonus, Post in zwei Sprachen zu ignorieren? Immerhin wird die Zweisprachigkeit finanziell entgolten, als ob es eine besondere Herausforderung wäre, Briefe auf Deutsch und Italienisch zu verwechseln.

Die Landesregierung betont, dass ein funktionierendes Postwesen ein wichtiger Standortfaktor für den ländlichen Raum sei. Vergessen zu erwähnen wurde dabei, dass die aktuelle Qualität des Postdienstes eher dazu führt, dass ländliche Gebiete zu unbewohnten Raumfahrtsimulatoren werden. 

Dessen ungeachtet ist man bemüht, die Dinge nicht schönzureden. Das ist wohl auch der Grund, warum die Landesregierung betont, dass der Postdienst weiterer Optimierung bedürfe – eine subtile Art zu sagen, dass er bisher so effizient war wie ein Briefträger mit einem GPS aus dem letzten Jahrhundert.

Immerhin wurden die finanziellen Anreize für die Mitarbeiter erhöht, vor allem die Anerkennung der Zweisprachigkeit. Ein äußerst cleverer Schachzug, um sicherzustellen, dass die Postangestellten bei der Verwechslung von bitte nicht knicken und nicht biegen zusätzlich belohnt werden. 

Alles in allem soll die neue Vereinbarung sicherstellen, dass der Postdienst in Südtirol attraktiver wird. Man kann sich vorstellen, wie sich die Bewerbungen stapeln, wenn die Menschen davon erfahren, dass sie die Möglichkeit haben, fünf Tage in der Woche die Zeitung pünktlich nicht zustellen zu müssen.

Die Realität ist, dass der Postdienst – insbesondere die Zustellung der Tageszeitungen – bislang eher wie eine absurde Comedy-Show ablief. Trotz der Millionen, welche die italienische Post vom Land kassiert, bleibt die Frage: Werden die Zusteller bald für ihre Performance mit einem Oscar belohnt? 

Die Tarife für einen normalen Brief sind seit der Euroeinführung um 300 Prozent gestiegen, das Vertrauen in die Post nicht. Und unter uns: Die Kutsche wäre aller Satire zum Trotz auch nicht viel langsamer gewesen.

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Andreas Raffeiner

1979 in Bozen geboren und dort wohnhaft, gelernter Buchbinder, Historiker, freiberuflicher Redakteur, Autor zu historischen, juristischen und politischen Themen.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Rainer Haselberger

    Als Wiener Tages- und Wochenzeitungskunde kann ich dazu anmerken, dass die Zeitungszustellung durch die Privatisierung nun ähnlich gut wie die italienische Post funktioniert. Deshalb habe ich inzwischen alle meine Zeitungsabonnements auf ausschließlich digitalen Konsum umgestellt.

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