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Andreas Raffeiner
Brief aus Bozen 2
Öffnung nach rechts

Nach der Niederlage bei den letzten Wahlen zum Südtiroler Landtag bleibt der Südtiroler Volkspartei nur noch die Auswahl zwischen italienischen und deutschen Partnern. Die Entscheidung, sich nach rechts zu öffnen, mit den in Rom regierenden Fratelli d’Italia und der Lega zu kuscheln und Koalitionsgespräche zu führen, fiel zur Überraschung vieler eindeutig aus: als hätte jemand vergessen, dass man sich vorher noch um einen zweiten Landesrat streiten musste und dass es Querelen gab.

Die Hoffnung auf eine Feinde-vermeiden-und-Zugeständnisse-erzwingen-Strategie in Rom klingt ja per se schön, aber die Sammelpartei um Landeshauptmann Arno Kompatscher und Obmann Philipp Achammer hat nicht mehr die absolute Mehrheit. 

Jetzt müssen sie echte Partner sein, nicht nur Statisten. Und die Italiener werden sicherlich nicht für ein Butterbrot ihre Forderungen fallen lassen – sie sind ja nicht zum Spaß da.

Das Experiment einer Fünferkoalition in Südtirol ist also ein Mix aus politischer Hoffnung und dem Risiko, dass der tägliche Streit so heftig wird, dass keiner mehr die politische Bühne verlassen kann, ohne sich bei den nächsten Urnengängen zu blamieren. 

Die Zuversicht mag groß sein, aber die Frage ist, ob der Flotte Fünfer tatsächlich segelt oder einfach nur ein paar hohe Wellen produziert, bevor er im Hafen der Realität strandet. Man kann gespannt sein.

Die Hoffnung mit Rom ohne Feindschaften auszukommen, steht möglicherweise im Raum. Die italienischen Parteien, die in der Regierung das Sagen haben, werden keine bloßen Erfüllungsgehilfen sein, wenn es um verlorene Zugeständnisse an Südtirol geht. Wir werden sehen, wohin die Reise führt.

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Andreas Raffeiner

1979 in Bozen geboren und dort wohnhaft, gelernter Buchbinder, Historiker, freiberuflicher Redakteur, Autor zu historischen, juristischen und politischen Themen.

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