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Alois Schöpf
Kommunist trotz 100 Millionen Opfern?
Apropos

Ex-Kanzler Schüssel ist nicht dafür bekannt, dass er zu jeder innenpolitischen Querele seinen Senf abgibt. Umso wichtiger war sein Statement, bei dem er fast als Einziger inmitten des linksliberalen Wohlfühl-Mainstreams den Erfolg der Kommunisten in Salzburg als das bezeichnet, was er ist: ein Beweis für das Fehlen geschichtlichen Wissens und ein Versagen vor allem der Schulen, die vor lauter lobenswerter Aufarbeitung der braunen österreichischen Geschichte vergessen haben, welchen Preis die Menschheit für die rote Heilslehre des Arbeiterparadieses zu bezahlen hatte.

Nach Berechnung des Standardwerks “Schwarzbuch des Kommunismus“ wurden ungefähr 100 Millionen Menschen gefoltert und exekutiert, in Arbeits- und Umerziehungslagern zu Tode geschunden oder dem Hungertod ausgeliefert. 

Der Kommunismus hat darüber hinaus, wie derzeit deutlich am sowjetischen Erbe Russlands abzulesen ist, ganze Gesellschaften moralisch verlottern lassen und in die Abgründe der Korruption gestürzt.

Keine Wohnungsnot kann so groß sein, dass sie es rechtfertigen würde, all dies zu vergessen und als sympathischer Naivling mit umgeschnalltem Baby kommunistischer Bürgermeister werden zu wollen. 

Die schweigsame Toleranz, die diese Peinlichkeit nie auch nur an den Rand eines öffentlichen Skandals geraten ließ, ist ein zusätzlicher Beweis, dass nicht nur die fehlende Bildung jener bedrückend ist, die den Herrn Dankl in Salzburg bzw. Frau Kahr in Graz gewählt, sondern auch jener, die ihnen dabei zugeschaut haben.

Bei einer bedenklich niedrigen Wahlbeteiligung, die fahrlässige Wurstigkeit nahelegt, wurde durch den Sieg des Sozialdemokraten Auinger die Groteske inzwischen beendet. 

Irgendwie schade! Denn es wäre spannend gewesen, wenn die Salzburger Festspiele der Reichen und Schönen von einem kommunistischen Jüngling eröffnet worden wären. Was hätte er ihnen wohl gepredigt?

Erschienen in der Tiroler Tageszeitung am 30.03.2024

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Alois Schöpf

Alois Schöpf, Autor und Journalist, lebt bei Innsbruck. Alois Schöpf schreibt seit 37 Jahren in Zeitungen und Zeitschriften, zuletzt seit 28 Jahren in der Tiroler Tageszeitung, pointierte und viel gelesene Kolumnen. Er ist einer der dienstältesten Kolumnisten Österreichs. Zahlreiche Veröffentlichungen, bei Limbus: Vom Sinn des Mittelmaßes (2006), Heimatzauber (2007), Die Sennenpuppe (2008), Platzkonzert (2009), Die Hochzeit (2010), Glücklich durch Gehen (2012), Wenn Dichter nehmen (2014), Kultiviert sterben (2015) und Tirol für Fortgeschrittene (2017). Zuletzt erschien in der Edition Raetia Bozen gemeinsam mit dem Fotografen und Regisseur Erich Hörtnagl "Sehnsucht Meer, Vom Glück in Jesolo", die italienische Übersetzung wurde zeitgleich präsentiert. Und es erschien, wieder bei Limbus, "Der Traum vom Glück, Ausgewählte Alpensagen". Schöpf ist auch Gründer der Innsbrucker Promenadenkonzerte und leitete das erfolgreiche Bläserfestival fünfundzwanzig Jahre lang bis 2019.

Dieser Beitrag hat 18 Kommentare

  1. Ernst Maier

    Sehr geehrter Herr Schöpf
    Dass ALT-Kanzler Schüssel sich bemüßigt fühlt, zur Thematik KPÖ/Dankl Stellung zu beziehen, sei diesem unbenommen und ob seiner doch schon langen Abstinenz vom politischen Alltag verziehen. Ob es besonders klug war, „diese Marke als toxisch“ zu bezeichnen, steht auf einem anderen Blatt.
    Spätestens in Zeiten wie diesen wird man (auch in ÖVP-Kreisen) zur Kenntnis nehmen müssen, dass sich Vieles in unserer Gesellschaft zum Nachteil für große Teile der Bevölkerung (hohe Inflation, Zinsbelastung, kaum leistbares Wohnen etc.) entwickelt. Damit einhergehend gibt es nahezu im Wochen-Takt Meldungen über Korruption, „steuerschonende Unternehmenskonstruktionen“, bedenkliche Verflechtungen von Politik und Wirtschaft, völlig haltlose Angriffe auf die Justiz durch Teile der ÖVP. Dazu kommt die Weigerung eben dieser Regierungspartei, eine längst fällige Abgabe auf Vermögenswerte einzuführen. Dabei wird tunlichst unterlassen, darauf hinzuweisen, dass es sich bei dieser beabsichtigten Abgabe letztendlich um eine Besteuerung großer Vermögensteile handelt, welche ohne Wertschöpfung anzustoßen oder Arbeitsplätze zu generieren stetig wachsen.
    Angesichts dessen sollte man nicht aus allen Wolken fallen, wenn sich ein nicht geringer Teil der WählerInnen für eine alternative Gruppierung entscheidet, welche noch dazu einen sehr charismatischen mit hohem Intellekt ausgestatteten Spitzenkandidaten anzubieten hat.
    Man sollte den designierten Vizebürgermeister Dankl in Salzburg seine Arbeit machen lassen und dann beurteilen, wie weit dort „Hinterlassenschaften der KPÖ“ einfließen.
    Zudem ist mir aus persönlichen Kontakten nach Graz nicht zu Ohren gekommen, dass sich diese besonders lebenswerte Universitäts-Stadt seit der Amtsübernahme von Frau Elke Kahr zum Stalinismus hingewandt hätte.

    1. Robert Muskat

      Hervorragender Kommentar! Ich verneige mich vor Ihnen. Und wie man bei der Grazer Bürgermeisterin sieht, kann sie gut leben, auch wenn sie einen Großteil ihres Einkommens spendet. Aber die Schüssel ist ja der Quell von Kurz und seiner Bagage.

  2. Franz Viertl

    Sehr geehrter Herr Schöpf,
    Gratulation zu diesem Kommentar betreffend Geschichte und Kommunismus!
    Ich versuchte unten angeführten Leserbrief an die TT zu schreiben, wurde natürlich nicht veröffentlicht……..

    Kurze Bemerkung zu dieser Wahl:
    Es ist für mich unbegreiflich, dass man eine Partei wählt, die in ihrer Geschichte für zig-Millionen Tote verantwortlich ist und über
    Jahrzehnte Osteuropa’s Bürger hinter dem Eisernen Vorhang jeder Freiheit beraubte!
    Diese Wähler haben für mich das Privileg in einem freien demokratischen Österreich leben zu dürfen nicht verdient.

  3. Franz & Hemma Held

    Liebe TT, lieber Alois Schöpf,
    Danke für den Beitrag zum Thema KPÖ in der heutigen TT.
    Ich freue mich, dass ich zu diesem Thema endlich eine entsprechende Stellungnahme lese!

  4. Klaus Marchesani

    Ich habe selten einen so hervorragenden Kommentar gelesen, wie ihn Alois Schöpf unter APROPOS in der Samstagsausgabe der TT zu den Erfolgen der Kommunisten in Graz und Salzburg verfasst hat. Anscheinend spielt es für viele Wähler keine Rolle, eine Person zu wählen, die Listenführer einer kommunistischen Partei ist. Als vornehmlicher Grund wird dabei die Wohnungsnot genannt, als ob Kommunisten fähig wären, neue Wohnungen unter Ausserachtlassung der teuren Energie- und Baukosten auf den Markt zu bringen. Wenn man nur halbwegs das kommunistische Manifest kennt, dann scheint es eigentlich unverständlich, eine solche Partei zu wählen. Und wenn sich dann deren Führungspersonen in Interviews so gar nicht kommunistisch ausgeben, darf dabei nicht vergessen werden, dass sie eben Kommunisten sind mit allem, was Kommunismus ausmacht . Dies sollte eigentlich einen Wähler genügend abschrecken, auf dem Wahlzettel das entsprechende Kreuzerl zu markieren.

  5. Hartlieb Wild

    Sehr geehrter Herr Schöpf,
    danke für Ihre Glossen, die ich mir gerne zu Gemüte führe.
    Daher nach Längerem zu der vom Karsamstag ein paar Bemerkungen, die Sie auch gerne in Ihrem Blog zur Diskussion einfügen können.
    Die angesprochene gewaltige Zahl an Opfern ist historisches Faktum, propagandistisches Beschönigen oder gar Wegdiskutieren völlig inakzeptabel. Ebenso ist die Rolle der KPÖ hinsichtlich ihrer starken Moskau–Hörigkeit nach 1945 sehr kritisch und ablehnend zu sehen (bei aller Referenz für die mutigen Widerständler gegen Dollfuß und Hitler). Das Firmenimperium der KPÖ mit DDR-Connection und die Person „Rote Fini“ sind auch noch bemerkenswerte Details.
    Daher ist es mir nicht einsichtig, warum man diesen Namen noch weiterhin führt, ohne aber breitenwirksam darzustellen, wie sie sich von der alten Moskau–KPÖ distanzieren und welche Thesen sie von Marx aufgreifen und in aktuelle Politik umsetzen wollen.
    Denn, was Marx zu seiner Zeit kritisierte und wollte, ist eine Sache – und manches ist, trotz Wandel der Zeiten, immer noch aktuell. Was aber Lenin, Stalin, Mao, Kim Il-sung usw daraus gemacht haben, ist wohl eine ganz andere, nämlich die der totalen Machtergreifung.
    Vielleicht ein paralleler Gedanke: Was hat Jesus gepredigt und gewollt, und was haben seither Scharen von ach so „christlichen“ Religions-Ideologen daraus gemacht, und wie viele Wehrlose sind ihnen seither zum Opfer gefallen? Ich will keineswegs Opfer „abtauschen“, aber, sobald ein Ideengeber nicht mehr lebt, kann er sich gegen den Mißbrauch seiner Gedanken nicht mehr wehren …
    Die Wähler in Graz haben die Arbeit der KPÖ plus offenbar honoriert. Was brauchen junge Familien – günstigen Wohnraum. Was macht die selbsternannte „Familienpartei“ – sie treibt mit Getöse eine neue Sau („Leitkultur“) durchs Dorf …
    Nun sollen Dankl und sein Team zeigen, was sie können. Die Rechnung dafür kommt in vier Jahren; bis dahin wird die Welt nicht untergegangen sein.
    Wenn ein Herr Schüssel einen „Beweis für das Fehlen geschichtlichen Wissens und ein Versagen vor allem der Schulen“ sehen will, dann soll er zuerst bei seiner damaligen Politik anfangen, als er diesen Herrn Haider entrierte, den etliche als fremdenfeindlich, rassistisch und antisemitisch einstuften. Die FPÖ soll ja so manche geistige Wurzel in einer NSDAP (gehabt) haben … – Wohl nur „Einzelfälle“? Die Liste rechter Ausrutscher ist eher lang.
    Und, was die Schulen anlangt, so hätte er schon längst bei seinen Parteifreunden – insbesondere bei seiner Ministerin Gehrer – auf bessere politische und geschichtliche Bildung drängen können, ja?
    Tja, und was wohl hätte Herr Dankl, Historiker und bisher Museumsangestellter, bei Eröffnung der Salzburger Festspiele der Reichen und Schönen gesagt? Wäre interessant und reizvoll, denn ihm wären sicher ein paar treffende Bilder eingefallen, in denen sich Bobos, Adabeis, politische Glücksritter und eitle Wichtigschwätzer gut erkannt hätten …
    P.S.: Übrigens, war dieser Herr Schüssel nicht jener, der 1999 alle …Eide schwor, „wenn ich Dritter werde, dann gehe ich in Opposition“ …?

  6. Manfred Dellemannn

    Zu Ihrem Apropos. Für Schüssel, der ja nach Ihnen..“seinen Senf abgibt“..gilt der dazu treffende lateinische Spruch: si tacuisses philosophus mansisses. Und zu Ihrem Inhalt: Kommunismus kommt von Kommune, ist vielleicht für eine Kommune wie Salzburg nicht ganz unzutreffend und Ihre sachlichen Inhalte würden auch für das Christentum gelten. Und dennoch sind wir/ich der Meinung, dass dieser Ansatz/Lehre ein gerade auch für Ostern ein weiter zu verfolgender ist. Frohe Ostern.

  7. Hermann Sailer

    S. g. Herr Schöpf,
    wieder einmal ein interssanter und treffender Artikel in der TT;
    – Frau Kahr und Herr Dankl sind ja keine dummen Leute – müßten über die politische Vergangenheit Bescheid wissen.
    Schön, wenn sie politische Erfolge mit dem Thema Wohnungsnot usw. haben. Man muß sich aber fragen, ob man für eine neue Partei nicht einen anderen, besseren Namen finden kann. Sogar die „Bierpartei“ hat Anhänger.
    Wie Sie richtig sagen: Ein Beweis für Versagen + Fehlen politischen Wissens in den Schulen; der Artikel gehört mehrfach gesendet – auch ans Ministerium.
    Es ist sicher zu weit hergeholt – aber in der heutigen Zeit, wo man weiß, wie politischer Einfluß (auch Geld spielt eine Rolle) von Russland her eine große Rolle spielt, den Kommunimus besser dastehen zu lassen.

  8. Reinhard Pietsch

    Das sind genau meine Gedanken, nur könnte ich es nicht so brillant formulieren…

  9. Josef Christian Aigner

    Sehr geehrter Herr Schöpf!
    Jetzt haben wir wieder einmal einen diametralen Widerspruch in der Anschauung – Ihren Kommentar betreffend.
    Ohne lange zu streiten, nur so viel: dass diese NeokommunistInnen wie Dankl oder Kahr sich ausreichend (bes. Dankl) von dieser scheußlichen Vergangenheit distanziert haben und ihre politische Programmatik überhaupt nichts mehr damit zu tun hat.
    Und es fordert ja auch niemand die Katholische Kirche auf, sich wegen ihrer Blutspur durch die Geschichte umzubenennen?

    PS: Der toxische Schüssel
    Dass ausgerechnet jener Mann, Wolfgang Schüssel, der aus Machtgier eingangs des dritten Jahrtausends vom dritten Platz aus die Haider-FPÖ salonfähig gemacht und Österreichs Ruf damit massiv ramponiert hat, nun vor der „toxischen Marke“ der soften Postkommunisten à la Dankl oder Kahr warnen zu müssen meint, entbehrt nicht einer gewissen Possenhaftigkeit. Zugleich werden deren WählerInnen in bewährter Manier für doof, ungebildet usw. erklärt. Toxisch waren dagegen vielmehr Schüssels fragwürdige Schulterschlüsse und Porschefahrten mit Haider-selig.
    Dass der schmallippige Herr dann auch noch bei Herbert Kickl, den seine Nachfolger immerhin zum Nogo erklärt haben, Entwarnung gibt und ihn verharmlost, zeigt schon bei einem ihrer Altvorderen die fragwürdige Entwicklung der ÖVP nach rechtsaußen.

  10. Richard Mayr

    Sehr geehrter Herr Schöpf,
    zuerst möchte ich mich für Ihr heutiges Apropos bedanken. Es hat mir Ansporn gegeben, mich mit Ihrer Philippika gegen die „drohende Gefahr“ einer kommunistischen Übernahme auseinander zu setzen.
    Wenn sie maximal 10 Prozent österreichweit bekommen, ist die Gefahr überschaubar.
    Zuerst zu Schüssel. Mit ihm begann die Abwendung der ÖVP von einer christlich-sozialen Partei (zu meiner Einordnung: Ich hatte das Vertrauen von 1987 bis 2000 die Buchführung des Tiroler AAB zu übernehmen) in eine neoliberale Partei. Von Persönlichkeiten wie Mock, Riegler, Busek und Neisser, die am Wohl aller mehr Interesse hatten als nur am Wohl der eigenen Partei und der reichen Spender. Nur Otmar Karas hält noch das Fähnlein der Aufrichtigen.
    Aber Schüssels panische Warnung hatte auch einen anderen, taktischen Grund. Er wollte potentielle KPÖ Wähler abhalten, diese Partei zu wählen, sondern die SPÖ, damit es eine (vormals) große Koalition mit SPÖ und ÖVP geben kann.
    Sie schreiben, dass in den Schulen zu wenig über die Kommunistischen Parteien aufgeklärt wird. Ich kenne den Lehrplan an höheren Schulen nicht (war nur Volksschullehrer), aber könnte es nicht sein, dass wegen einer ausführlichen Behandlung der Verbrechen der Kolonialzeit zu wenig Zeit bleibt, die Verbrechen des Kommunismus zu behandeln? Sie stehen in Summe nicht kommunistischen Verbrechen nach. Einige Beispiele gefällig? Im heutigen Namibia wüteten deutsche Kolonisten. Sie schlugen einen Aufstand der Herero nieder, trieben sie in die Wüste, zerschossen die Wassertanks und ließen sie verdursten. Im Kongo wüteten die Belgier. Wenn die Sklaven ihr Arbeitssoll nicht erreichten, wurden ihnen die Hände abgehackt und zum „Ansporn“ der anderen auf Zaunpfähle aufgespießt. Sehr anschaulich geschildert im Roman: „Herz der Finsternis“ von Josef Conrad.
    In Südamerika trieben Spanier und Portugiesen ihr Unwesen. Sie folterten die Inka- und Aztekenkönige auf schrecklichste Weise und führten ein ausbeuterisches Wirtschaftssystem (Encomienda) ein, dessen Auswirkungen bis heute ein Grund für die Armut der Menschen dort ist. (Acemoglu, Robinson: „Warum Nationen scheitern“)
    Dazu ein interessanter Einschub. In Paraguay übernahmen Jesuiten die Verwaltung. Sie führten eine Art klassenlose Gesellschaft ein, angelehnt an Platon – Der Staat, eine klassenlose Gesellschaft wie sie auch Karl Marx vorschwebte. Bis der Papst, auf Druck der reichen Könige von Spanien u. Portugal sie abzog. Es ging den Indios in keinem anderen Land Südamerikas so gut wie in Paraguay, wo sie geachtet und ausgebildet wurden. Danach waren sie wieder der Gier der Finanzkapitalisten ausgeliefert.
    Warum ich das so genau schreibe ? Der bekannte deutsche Politologe Herfried Münkler erklärt in seinem Buch „Imperien“ den Hauptgrund für die Kolonialisierungen: Das reiche Finanzkapital in den europäischen Ländern suchte gute Amortisationsgelegenheiten für ihr immenses Kapital, das auch durch die Ausbeutung der Arbeiter in Europa angehäuft wurde.
    Deshalb hofften sie durch das brutale Eindringen in andere Kontinente noch reicher zu werden. Wie Münkler auch schreibt, hatte die Bevölkerung nichts davon, sondern musste vielmehr mit ihren Steuern noch das Militär zahlen, das die Ausbeuter schützte. Also das bekannte: Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren.
    Erwähnt muss auch die Diktatur in Chile werden, wo extreme Ansichten des Neoliberalismus ausprobiert wurden, mit massenhaften Folterungen und Ermordungen, und das im Wissen, wenn nicht gar unter Anleitung der US-Amerikaner, entstand doch die neoliberale Ideologie durch die so genannten Chicago–Boys von der Universität Chicago.
    Das entschuldigt nicht den Terror der Kommunisten, nur soll man nicht die anderen Verbrechen durch die Gier des Finanzkapitalismus unter den Tisch kehren, der sicher weltweit für ebensoviel Unrecht und Unglück verantwortlich ist.
    Erlauben Sie mir noch eine Bemerkung. Joseph A. Schumpeter schreibt in seinem Werk: „Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie“, dass der Sozialismus einen Hang zur Diktatur und brutalen Durchsetzung seiner Ideen hat. Aber es kommt darauf an, in welcher Gesellschaft Sozialisten am Werk sind.
    In Skandinavien zum Beispiel ist die Demokratie so tief verwurzelt, dass der Sozialismus sich an demokratische Spielregeln hält. Auch in Österreich war es so, bis die Diktatur unter Dollfuß auch die Sozialisten radikalisierte . Dass da was dran ist, sieht man am Putinismus, der am Weg zum Stalinismus ist, aber von Kommunismus keine Rede ist. Scheinbar sind die slawischen Völker weniger fähig demokratische Strukturen aufzubauen als andere. Auch unter den Zaren, also vor Stalin, kam es zu millionenfachen Zwangsumsiedlungen nach Sibirien.
    Ein Beispiel, dass Kommunisten sich nicht zwangsläufig Diktatur und Terrorregime auf die Fahnen schreiben, ist George Orwell. Er kämpfte im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Kommunisten und schuf mit 1984 eine der eindringlichsten Warnungen vor Diktatur. Kommunismus ist wie Kapitalismus eine Ideologie, die Vorteile und Nachteile hat, es kommt immer auf die Verfassung der Menschen an, wie sie damit umgehen.

  11. Thomas Gasser

    Sehr geehrter Herr Schöpf,
    Zu Ihrem „Apropos“ vom letzten Samstag meine uneingeschränkte Zustimmung.
    Höchste Zeit, dass so eine Sicht der Dinge klar zum Ausdruck gebracht worden ist, im redaktionsgesteuerten Teil der Zeitung habe ich leider nichts dergleichen lesen können.
    Die Wahl von sich explizit als „Kommunisten“ bezeichnenden Politikern in wichtige politische Ämter ist eine Schande und ein Armutszeugnis für unser Land. Die Spitzenkandidaten mögen sympathisch sein und vieles überstrahlen, sobald man in die Reihen dahinter blickt, entdeckt man sehr fragwürdige Exponenten…
    Linke Positionen sind bereichernd für das politische Spektrum und sollen dem Wähler zur Auswahl stehen, sie sollten aber frei von dieser historischen Last, die – wie in Ihrer Kolumne zu lesen – ausreichend dokumentiert ist, zur Wahl stehen.
    Seltsam auch das Verhalten der Medien, die sich gerne als „vierte Säule“ unserer Demokratie verstehen. Wo bleibt da der große Aufschrei?

  12. Manfred Waldner

    Sehr geehrter Herr Schöpf!
    Ich muss Ihnen wiederum einmal herzlich zu Ihrem Artikel (Kommunismus) in der Sa-TT gratulieren! Fachlich sehr solide und fundiert, aber auch mutig, was in der heutigen Zeit ja leider immer seltener wird, denn die „Mitläufer“, Adabeis, Nachplapperer und Konformisten haben Hochkonjunktur! Bitte bleiben Sie so und lassen Sie sich weiterhin nicht „politisch verbiegen“!
    Mit freundlichen Grüßen
    P.S. Wenn dieser Vizebürgermeister von Salzburg schon so „ein netter Typ“ ist, warum wählt er dann nicht einen anderen Namen für die Partei. Warum muss es dann die KPÖ sein? Und eben DA beginnt der Verdacht und die „Dämmerung“ (die leider viele nicht sehen bzw. auch viele Medien beschämenderweise negieren!), denn darüber wird ja zuvor nachgedacht worden sein! Oder etwa doch nicht?

  13. Edmund Wiesbauer

    Sehr geehrter Herr Schöpf!
    Danke für Ihre mutigen Worte in der heutigen TT. Ein frohes Osterfest, solange wir das noch sagen dürfen!

  14. Hans Halten

    Sehr geehrter Herr Schöpf
    Haben Sie jetzt bei Kickls Mannen angeheuert? Wäre es nicht langsam an der Zeit für ein bißchen Altersweisheit oder zumindest Altersmilde?
    Ihren heutigen Kommentar in der TT als Pamphlet zu bezeichnen wäre Euphemismus. Irgendwelche persönlichen Animositäten hm?
    Mit freundlichen Grüßen

  15. Burgi Tötsch

    Kommunist trotz 100 Millionen Opfern
    Stalinistische, maoistische, leninistische, bolschewistische Politik hat mit der ursprünglichen Idee des Kommunismus sowenig zu tun, wie der Katholizismus mit dem Jesus der Evangelien, -auf den er sich als ihren Gründer beruft. Auf jenen Jesus, der Gewalt, Rache und Macht entschieden ablehnte, der um Gerechtigkeit für die Armen und Ausgegrenzten kämpfte, um Verständnis auch für die Schuldigen warb und sogar Feindesliebe einmahnte.
    Das hinderte die christlich/katholischen Herrscher in Rom nicht daran, in seinem Namen Gewalt gegen Andersdenkende auszuüben. Kreuzzüge, Inquisition, aber auch Kriege um ihre Besitz- und Machtansprüche durchzusetzen. Alles im Namen Gottes, des Sohnes und des Hl.Geistes!!
    Im 1.Weltkrieg forderte die heilige Kirche zum Kampf gegen die bösen Kommunisten auf, und des Soldatenpflicht war es, Russen zu töten. Und im 2. Weltkrieg hat die Kirche an der Seite Hitlers gegen die Bolschewisten in Russland gekämpft, während sie die Ermordung und Deportierung von Juden eher teilnahmslos zur Kenntnis nahm.
    Dazu Clemens von Galen: „Geliebte Diözesanen! Bei der klaren Erkenntnis der Schlechtigkeit der kommunistischen Lehren, war es für uns die Befreiung von ernster Sorge und eine Erlösung von schwerem Druck, als der Führer und Reichskanzler am 22.Juni 1941 den im Jahre 1939 mit den bolschewistischen Machthabern abgeschlossenen Russenpakt als erloschen erklärte.“
    Galern ruft Gottes Beistand an, um die bolschewistische Bedrohung abzuwehren. Dem „Löwen von Münster“ kam nie ein Wort über die Lippen, dass er die Judenvernichtung verwerflich gefunden hätte, aber nach dem Krieg wurde er seliggesprochen.
    Über 25 Millionen Russen, davon über 10 Millionen Zivilisten, wurden in diesem Krieg getötet. Mit Billigung der katholischen Kirche! Keinem Katholiken wird es jedoch übelgenommen, wenn er sich als Katholik bezeichnet.
    Die Behauptung, dass der Kommunismus ganze Gesellschaften „verlottern“ ließ, zeugt von Selbstgerechtigkeit und ist Beleg dafür, dass seitens des „werteorientierten“ Westens, Russenphobie und Kommunismus miteinander verknüpft wird und keinerlei Bereitschaft besteht, die eigenen Verbrechen aufzuarbeiten. Die „antikommunistische“ Politik schreckte nicht vor Annektierung, Besatzung, Kolonialisierung in Afrika und Asien, der erbarmungslosen Ausbeutung der Menschen, des exzessiven Abbaus von Rohstoffen einhergehend mit Natur und Umweltzerstörung in deren Gebieten zurück, dessen Folgen sich in der Gegenwart immer deutlicher zeigen.
    Überflutungen und Dürren, die die Menschen zur Flucht zwingen, wenn sie überleben wollen. Und wie reagieren die edlen Demokratien in den USA und der EU? Mit zig-Milliarden werden Grenzschutz und Militär unterstützt, um sich diese von Hunger und Krieg gebeutelten Menschen vom Leib zu halten. Oder sie vereinbaren Tauschhändel mit autoritären Regimen – Geld gegen Mensch – , denen sie die Flüchtlinge überantworten. Im Grund genommen handelt es sich hier um ganz gemeinen Menschenhandel!
    Und die Bevölkerung dieser wertegeleiteten Demokratien? Nein, sie ist nicht „verlottert“, aber nach über 70 Jahren Demokratie in relativem Wohlstand ist sie vor allem um ihre Sicherheit besorgt und von Abstiegsängsten geplagt, zeigt großes Verständnis für die Flüchtlingspolitik, – die die Menschenrechte von Asylsuchenden erheblich einschränkt-, nicht nur von seiten der Rechten, sondern aus der Mitte der Gesellschaft, und nimmt die beinahe täglichen stattfindenden Flüchtlingstragödien mehr oder weniger achselzuckend zur Kenntnis.
    Im Geschichts- und Religionsunterricht meiner Schulzeit wurde der Kommunismus stets als größte Gefahr für die Menschheit beschworen. Kein Wort davon, dass auch Russen/Kommunisten an der Befreiung von der Hitlerdiktatur beteiligt waren, und zahllose Menschen aus Konzentrationslagern befreit haben. In aller Ausführlichkeit wurde die großzügige Wirtschaftshilfe (Care Pakete) der Amerikaner erörtert. Die Russen dagegen wurden vor allem als grausame Vergewaltiger während der Besatzungszeit dargestellt, vor denen man sich nur fürchten kann.
    Haben vor dem 2. Weltkrieg Kirche und Staat in trauter Einigkeit in der Bevölkerung den Judenhass geschürt, wurde in der Nachkriegszeit von denselben Machthabern der Hass auf Kommunisten befördert.
    Von wieviel Millionen Toten würde wohl das Schwarzbuch „Antikommunistische Politik“ berichten? Aber darum geht es mir nicht: Sondern um die Frage, ob es unmoralischer ist, aus ideologischen Gründen Leid und Tod zu rechtfertigen, oder einfach nur aus reiner Macht und Geldgier Ausbeutung, Leid und Tod von Menschen billigend in Kauf zu nehmen. Was meinen Sie dazu?
    Zum guten Schluss noch zwei Buchempfehlungen: „Die Jakarta Methode“ v. Vincent Bevins.
    Und: „Wenn es an Licht fehlt“ von Juan Gabriel Vàsquez
    Mit freundlichen Grüßen verbleibe ich Ihnen trotzdem wohlwollend!

  16. María Mayer

    Grüß Sie, Herr Schöpf !
    Mit ihrem heutigen Beitrag in der TT haben Sie hoffentlich viele zum Nachdenken gebracht. Es ist erschreckend, wie ein großer Teil der Bevölkerung, ohne das Hirn einzuschalten, ihre Volksvertreter wählt. Da fällt mir der Spruch ein: Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber! Und wie es ausschaut, gibt’s immer mehr von der Sorte.
    Danke, dass Sie dieses Thema heute auf den Punkt gebracht haben!!!

  17. Robert Muskat

    Zu diesem Artikel möchte ich gerne meinen Senf dazu geben.
    Erstens ist der „Original“-Kommunismus ein vollkommenes Gegenteil zum politischen Kommunismus. Was die Sowjetunion, China und ähnliche Staaten präsentierten und präsentieren, ist ein System des Machterhalts und der Machtvergrößerung, notfalls mit allen auch inhumanen Mitteln.
    Zweitens zeigen die Grazer Bürgermeisterin und der Salzburger Bürgermeister-Kandidat, was echten Kommunismus ausmacht, nämlich die Menschen sozial zu behandeln, geldgierigen Vermietern und Arbeitgebern ihre Grenzen aufzuzeigen und mit gutem Beispiel voranzugehen, siehe Spenden eines Großteils des Einkommens an Bedürftige.
    Drittens ist gerade der zitierte Herr Schüssel ein Musterbeispiel von Verachtung der „Normalbevölkerung“ und Förderung eines korrupten, geldgierigen und freunderlwirtschaftlichen Systems, dessen Krönung Sebastian Kurz und seine Machenschaften sind.
    Ich hoffe nur, dass jetzt nicht von mir verlangt wird, das vielstrapazierte Wort „Unschuldsvermutung“ auszusprechen, das ja nur bei Großkopferten gilt.
    Ich danke für die Aufmerksamkeit.

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