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Egyd Gstättner
Friday for future am Nassfeld
Notizen

Bei der größten Kunstinstallation Österreichs im öffentlichen Raum im letzten Jahr, von der es damals geheißen hatte, man würde noch in Jahrhunderten auf der ganzen Welt darüber reden, weil sie im Zeichen der Kunst, der Natur, des Klimaschutzes sowie der Ankurbelung des Tourismus stehe und der Rettung des Planeten diene, hatte meine Nachbarin, Frau Wegscheider, mit ihrer Gratiseintrittskarte eines von 144 entspannenden Wochenenden für zwei Personen auf dem Nassfeld gewonnen, jenem Kärntner Naturjuwel und Tourismusparadies, wo die Füchse sich und manchmal auch den Hotelgästen, die nachts ihre ebenerdigen Balkontüren offen lassen, Gute Nacht sagen – und manchmal auch kraftvoll zubeißen. Naja, so ist sie, die Natur, wenn man sie lässt…

Die zweite Person war ich.

Nach langer, langer Quarantäne starteten wir nun am letzten Friday for Future. Ich war seit Jahrzehnten nicht mehr am Nassfeld gewesen und kannte es nur winterweiß, sodass ich jetzt ganz erstaunt war! So viele bunte Gondeln! Eine Sommerrodelbahn: Im grünen Kleid ein Silberband! So viele Lifte! So viele neue Hotels, ganze Wellness- und Boutiquebetonhotelsiedlungen! Wer mag das alles erbaut haben?

Auf den Matten herrlich Grün und längs der Berge Rand überall Kinderspielplätze, Kuhschautafeln, dicke Comicsfigurenskulpturen aus Hartplastik! Von der Alpenluft umweht deutsch-englisch-uriger Hüttenzauber („Mohr in the Shirt“): Echt jetzt! Eine Art Disney-Nassfeld war hier entstanden! Faszinierend! Winters würden hier wieder Massen bunter Menschlein aller Herren Ländern auf g´führigem Schnääjuhää talwärts flitzen!

Jetzt aber goldener Frühherbst über der Baumgrenze, prächtiges Licht. Noch etwas war anders geworden an Gottes schöner Schöpfung: Der Herr hatte in den Jahren meiner Abwesenheit Wunder gewirkt und zahlreiche idyllische Teiche in freier Natur wachsen lassen, mit Ufern reich umblüht. Ein locus amoenus nach dem anderen! Bilder himmlischen Friedens boten sich meinem Auge dar, anders als unten im Tal, in Tröpolach, wo wenn schon nicht Kriegszustand im engen Sinn herrschte, doch ein Manöver stattfand: Eine Armee von Kanonen stand am Parkplatz in Reih und Glied zum Gefecht bereit, Schneekanonen. Ich witterte Gewalt.

Als wir einen Gipfel umwanderten, sah ich plötzlich ein Loch in der Natur, eine klaffende Wunde, eine riesige Baustelle, gewaltiges Gerät, Schutt und Betonmischmaschinen! Laut tosend längs der Berge Rand Bagger und Lastkraftwägen.

Das war nicht das Werk Gottes, sondern eines Baukonzerns. Ja, hier entsteht der nächste Speicherteich, erklärte mir Greta Wegscheider, für die Kunstschnääjuhääproduktion. Das Wasser wird aus dem Tal heraufgepumpt, die reine Quelle fließt wie auf einer Leiter aufwärts, massenhaft kostbare, teure Energie! Aber das muss eben so sein! Das ist der Preis! Wozu sonst all die Hotels und Hotelsiedlungen und der Beton und die Lifte und die Gondeln und die Tourismuswirtschaft und die Jahrhundertnaturschutzprojekte? Da muss man die Klimakrise eben in Kauf nehmen.

Es wurde dann doch eher kein entspannendes Wochenend

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