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Alois Schöpf
Hallo FPÖ! Ist das staatstragend?
Apropos

Eine deliberative Demokratie, also eine Staatsform, in der die Politik durch ständige öffentliche Debatten zu den besten Ergebnissen zu kommen versucht, ist durch die Auseinandersetzung zwischen linken und rechten Positionen gekennzeichnet, meist vertreten durch linke und rechte Parteien.

Dies gilt es nüchtern zur Kenntnis zu nehmen, was bedeutet, dass Teilnehmerin an den Debatten auch die FPÖ sein muss, die in Umfragen wahrscheinlich deshalb so gut liegt, weil ein Teil der Bevölkerung der Ansicht ist, dass ihre Anliegen etwa in Sachen Migration, Integration, Schule, Landesverteidigung oder ORF zu wenig ernst genommen werden.

Dass dieses Spiel der Kräfte derzeit in Österreich nicht funktioniert, daran sind allerdings alle schuld. Die einen, weil sie Schaum vor den Mund bekommen, wenn sie sich vorstellen, dass die FPÖ wieder regieren könnte. Und die anderen, also die FPÖ und viele ihrer Anhänger, weil sie in ihrer Rolle als Radikal-Opposition jedes Maß an intellektueller Redlichkeit und korrektem Argumentieren verloren haben.

Was soll man sich zum Beispiel dabei denken, wenn man vor der Innsbrucker Gemeinderatswahl vom FPÖ-Urgestein Rudi Federspiel einen Flyer zugesandt bekommt, auf dem steht: Wer hat euch bei Corona eingesperrt? Deshalb FPÖ!

Oder was soll man sich denken, wenn Herr Kickl den selbsternannten Corona-Leugner Sucharit Bhakdi hochoffiziell nach Wien einlädt? 

Oder was soll man sich denken, wenn derselbe Kickl die EU als Kriegstreiberin bezeichnet und Herr Vilimsky der von den Russen überfallenen Ukraine jegliche militärische Unterstützung versagen möchte?

Leider muss da ein verantwortungsbewusster Wähler den Kopf schütteln und dankend abwinken. Solange die FPÖ zynisch wider besseren Wissens lieber Verschwörungstheoretiker bedient statt staatstragend zu agieren, wird sie, wie auch in Innsbruck, eben außen vor bleiben müssen.

Erschienen in der Tiroler Tageszeitung am 11.05.2024

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Alois Schöpf

Alois Schöpf, Autor und Journalist, lebt bei Innsbruck. Alois Schöpf schreibt seit 37 Jahren in Zeitungen und Zeitschriften, zuletzt seit 28 Jahren in der Tiroler Tageszeitung, pointierte und viel gelesene Kolumnen. Er ist einer der dienstältesten Kolumnisten Österreichs. Zahlreiche Veröffentlichungen, bei Limbus: Vom Sinn des Mittelmaßes (2006), Heimatzauber (2007), Die Sennenpuppe (2008), Platzkonzert (2009), Die Hochzeit (2010), Glücklich durch Gehen (2012), Wenn Dichter nehmen (2014), Kultiviert sterben (2015) und Tirol für Fortgeschrittene (2017). Zuletzt erschien in der Edition Raetia Bozen gemeinsam mit dem Fotografen und Regisseur Erich Hörtnagl "Sehnsucht Meer, Vom Glück in Jesolo", die italienische Übersetzung wurde zeitgleich präsentiert. Und es erschien, wieder bei Limbus, "Der Traum vom Glück, Ausgewählte Alpensagen". Schöpf ist auch Gründer der Innsbrucker Promenadenkonzerte und leitete das erfolgreiche Bläserfestival fünfundzwanzig Jahre lang bis 2019.

Dieser Beitrag hat 7 Kommentare

  1. Otto Riedling

    Wie man sieht (Stand 23.05.2024) „zerlegen“ sich die rechten Recken wieder einmal selbst bzw. untereinander (RN vs. AFD etc). Mit diesen Leuten ist kein „Staat“ zu machen – und schon gar kein
    Kontinent.

  2. Christine Holzner

    Sehr geehrter Herr Schöpf,
    ich schätze Sie wirklich sehr, aber so ganz unwidersprochen kann ich Sie mal wieder nicht lassen: Dass der politische Diskurs im Argen liegt, das ist – leider – keine Frage. Aber liegt das wirklich nur an der FPÖ?
    Das genannte Flugblatt von Herrn Federspiel ist sicher ein Beispiel für einen sehr groben Klotz, aber der ist – sage ich jetzt mal als ungeimpfter „Covidiot“ in der Rückschau (und da könnte ich Ihnen sehr viel erzählen) – nicht unverdient.
    Muss eine Opposition staatstragend sein? Nein, muss sie nicht. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass sie das nicht sein sollte, sonst bräuchten wir sie nämlich nicht.
    Abenteuerlich wird es dann beim Hinweis auf den von Herrn Kickl eingeladenen „selbsternannten Corona-Leugner“ Bhakdi: „Selbsternannt“ zum Corona-Leugner hat sich von den Maßnahmenkritikern niemand, man wurde mit diesem Etikett, das für die große Mehrheit der Kritiker eben nicht passt, weil sie das Vorhandensein des Virus nie geleugnet haben, bedacht von der Gegenseite – und zwar absolut undifferenziert. Und im Regelfall (da mögen Sie und andere es noch so oft wiederholen) auch schlicht und einfach: Fälschlicherweise.
    Die EU als Kriegstreiber? Doch, auch das kann man vertreten: Putin hat diesen Krieg begonnen (da gibt es tatsächlich kein Wenn und kein Aber) aber es gilt – wie ebenfalls leider meist in diesem schmutzigen Geschäft: Man kann einen Krieg auch dann befeuern, wenn man ihn nicht begonnen hat. Siehe nur Macron mit seinem Hinweis auf Bodentruppen.
    Last but not least, die Waffenlieferungen: Derzeit ist die Ukraine ja das Heilige Land, in dem westliche Werte verteidigt werden – und wehe, man sieht das anders. Ich tue das: Der Feind meines Feindes muss nicht (und schon gar nicht so zwangsläufig wie im Fall der Ukraine) mein Freund sein, der Feind meines Feindes ist der Feind meines Feindes. Und erstmal nicht mehr.
    Ob es dann Gründe gibt, ihn zu unterstützen (und wie weit), darüber kann man gerne diskutieren. Aber jemanden, der Gründe dagegen anführt, in Bausch und Bogen zu verdammen, so wie das derzeit die restlichen Parteien mit ihrem „Alle gegen die FPÖ“ tun?
    Damit kommen wir nicht weiter – und der politische Diskurs verbessert sich damit sicher nicht.
    Mit freundlichen Grüßen

  3. Karlheinz Veit

    Eines Herr Schöpf haben Sie in Ihrem Apropos vergessen: Die unsägliche Unverfrorenheit eines Herrn Vilimsky – der zwar monatlich fest abkassiert in Brüssel – aber gegen(!) seinen Arbeitgeber EU in Österreich Riesenplakate aufhängt! Soviel Chuzpe muss man erst haben oder, besser gesagt, soviel Charakterlosigkeit….!!!

    1. Christine Holzner

      Der „Arbeitgeber“ von Herrn Vilimsky, wenn man das so bezeichnen will, ist nicht die EU, sondern das sind die österreichischen Wähler. Und die, die ihn gewählt haben, haben sicherlich nichts gegen eine Generalüberholung DIESER Union. Über die „Qualität“ des Plakats zur EU-Wahl kann man allerdings tatsächlich diskutieren, aber das wird – meine These – der FPÖ eh eher auf die Füße fallen.

  4. Christian Föger

    Sehr geschätzter Herr Schöpf,
    schon wieder ein Kommentar, wie es ihn meines Erachtens braucht!
    Auch der, wie ich höre, als Person recht vernünftige Herr Lassenberger hätte wohl ein besseres Resultat erzielen können, wenn er ohne „Rucksack“ (Hr. Kickl & Consorten, die teils rethorisch eher an einen Staatsstreich erinnern, als an einen demokratischen Diskurs) antreten hätte können.
    Fazit: Ist das Wahlvolk, speziell dessen sich öffentlich weniger artikulierender großer Teil, doch intelligenter als man teils glaubt – hoffentlich ja!

  5. Leo Hochner

    Sucharit Bhakdi, einen Mann mit 230 wissenschaftlichen Veröffentlichungen, als selbsternannten Corona-Leugner zu bezeichnen, ist an Dummheit nicht zu übertreffen, oder, um Brecht zu zitieren, der ist ein Verbrecher …

  6. Otto Riedling

    Gott sei Dank, dass dies endlich SOO formuliert wurde.

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