Walter Plasil
Im Schatten des Angriffs-Krieges
Bericht
von einer verspäteten Rückreise
aus Dubai

Nach einer knappen Woche in Dubai und Abu Dhabi ist man geschlaucht. Überwältigt vom zur Schau gestellten Reichtum, vom Gigantismus, von der Perfektion an Organisation und der den Besuchern entgegengebrachten Freundlichkeit. All das nimmt man als Tourist staunend zur Kenntnis.

Mit dem Tourismus jedoch wird es wohl für einige Zeit Schluss sein. Und dieser Umstand trifft mit Sicherheit das perfekt ausgerollte System des Landes mitten ins Herz. Und dazu auch jenes der Nachbarländer.

Ich wusste vor der Reise nur ungefähr, wo ich da genau hinkommen würde. Klar, man kennt die üblichen Beschreibungen und ist neugierig. Genaueres wird man eben vor Ort erfahren, deswegen reisen die Leute ja. In diesem Fall in die Vereinigten Arabischen Emirate, kurz VAE genannt.


Einige Fakten

Nur zwei der insgesamt sieben Emirate setzen auf die touristische Karte: Die Emirate Abu Dhabi und Dubai. Die VAE insgesamt strotzen vor Superlativen. Ein kleines Land, mit der Einwohnerzahl und Fläche etwa so groß wie Österreich. Nur mit der Ölförderung können wir nicht mithalten. Die VAE verfügen über das sechstgrößte Ölvorkommen der Welt.

Nur drei der Emirate fördern Öl und Gas, die Basis für ihren Reichtum. Aber auch sonst boomt die moderne Wirtschaft. Vermutlich wurde schon vor Jahrzehnten erkannt, dass all die Ölvorkommen irgendwann ausgebeutet sein würden. Also gibt es längst hohe Investitionen in andere Wirtschaftszweige. Zum Beispiel in den IT-Bereich, den Dienstleistungssektor, den Tourismus eben und in Investitionsfonds für neue Technologien.

Auch unzählige Influencer haben sich hier angesiedelt. Sie müssen sich registrieren lassen, zahlen keine Steuern und dürfen nichts Nachteiliges über ihr Gastland posten.

Allein Dubai zählt 10 Millionen Touristen pro Jahr, sie sind für ein Viertel der Staatseinnahmen verantwortlich.
Das Land ist Wüste. Nur ein Prozent der Fläche ist besiedelt. Dubai mit 3,5 Millionen Einwohnern ist dabei der Hotspot. Durchzogen vom künstlich angelegten Dubai-Water-Canal, an dessen Ufer sich Hotels, Einkaufszentren, Luxuswohnungen, Radwege und 450 Restaurants befinden, zeigt sich ein Stadtbild, das erst vor 10 Jahren neu errichtet wurde.

Lediglich 10 Prozent der Einwohner sind Staatsangehörige, der Rest Arbeitsmigranten. Aktuell sind acht Millionen davon registriert. 40 Prozent stammen aus Indien und Pakistan, die übrigen vor allem aus Südostasien. In der Öffentlichkeit meint man, Menschen aus aller Herren Länder zu sehen. Und: es leben doppelt so viele Männer wie Frauen in den VAE.

Dubai Idylle

Und man bereist ein muslimisches Land. Der Ruf des Muezzins ist überall über Lautsprecher zu vernehmen. Zahlreiche Moscheen mit gigantischen Ausmaßen, davon eine in Abu Dhabi, zeugen von der Bedeutung der Religion. Die Anlage bietet Platz für 50.000 Gläubige.

Für weibliche Besucher gilt dort ein strenges Verhüllungsgebot, was bei unseren mitreisenden Frauen kuriose Schleierkreationen notwendig machte. Mit Ausnahme von Gesicht und Händen durfte keine nackte Haut gezeigt werden. Die Frauen beugten sich den Regeln, weil wohl die Alternative, draußen zu bleiben, wegen des sensationellen Gebäudes, das es zu sehen gab (mit drei gigantischen Swarovski-Lustern) die schlechtere Variante gewesen wäre.

In den VAE sind die Staatsbürger mehrheitlich Sunniten. Allerdings sind seitens der politischen Führung Islamismus und politischer Islam unerwünscht. Weil er dem Tourismus hinderlich ist?

Mit Iran ist man nicht befreundet und islamistische Eiferer, wie etwa die Moslembrüder, sind Feindbilder. Den Angehörigen anderer Religionen wie Hindus, Sikhs, Schiiten und Christen wird aber in den VAE durchaus Platz eingeräumt. Das Verhältnis zum Judentum war auf dieser Reise kein geeignetes Gesprächsthema.

Ein wichtiger Freund der Emire scheint der große Nachbar Saudi-Arabien zu sein, mit dem eine Allianz besteht.
Mit den USA ist man ebenso befreundet und erlaubt die Anwesenheit von mehreren amerikanischen Militärbasen in der Nähe von Abu Dhabi. Auch Frankreich verfügt dort über einen Flottenstützpunkt.

Gesprochen wird im Nahen Osten arabisch, aber den Alltag der Touristen prägt Englisch. Es gibt in diesem Teil der Welt nur ein islamisches Land, Iran, in dem kein Arabisch gesprochen wird. Dort ist Persisch, d.h. Farsi, Amtssprache. Die sieben Emire, deren Konterfeis oft in riesigen Bildern an den Wänden der Hochhäuser zu sehen sind, sind superreich, haben dazu noch eigene Firmen und bestimmen als Alleinherrscher alles, was es zu bestimmen gibt. Der Name eines Emirs ist im jeweiligen Emirat omnipräsent. In Dubai etwa regiert Muhammad bin Raschid Al Maktum. Der Emir des flächenmäßig größten Emirats Abu Dhabi, aktuell ist das Scheich Muhammad bin Zayid Al Nayan, ist immer zugleich Staatsoberhaupt der VAE.

Die Volkswirtschaft der Emirate ist äußerst liberal. Es gibt keine direkten Steuern, dafür werden auf Alkohol 30 Prozent eingehoben. Für die meisten anderen Waren gilt eine Mehrwertsteuer von 5 Prozent. Die Unternehmensbesteuerung ist formal mit 0 Prozent festgeschrieben.

Es wird mit der Feststellung geworben, dass es in den VAE keine Kriminalität gibt. Außerdem sei das Land extrem sauber, was man tatsächlich bestaunen kann. Überall wird ständig gereinigt. Hinterlassenschaften von Hunden müssen nicht entsorgt werden, denn es gibt keine Hunde, sie gelten im Islam als unrein.

Als Besucher landet man fast automatisch mehrmals in riesigen Einkaufstempeln, hier Malls genannt. In der größten davon besteht die Gefahr, sich wegen der über tausend Shops zu verirren. Was man aber findet, ist eine vollständige Ansammlung aller Nobelmarken der Welt und vieles mehr, das man täglich von 10:00 bis 24:00 Uhr kaufen kann.

In einer der Malls hätten wir auch Schifahren können. Der Schi-Sessellift bringt die Wintersportler in der verschneiten Riesenhalle den bestens präparierten Hang hoch. Schiausrüstung und Kleidung kann man natürlich zuvor ausleihen.
Dann gibt es noch die an einer langen Straße aufgereihten Autohäuser der Nobelmarken wie Ferrari oder Bentley, die zur Probefahrt einladen.

Ein weiteres Thema, mit dem für den Tourismus geworben wird, besser müssen wir wohl sagen, bisher geworben wurde, ist die Sicherheit. Die Kriminalitätsstatistik ist aufgrund drakonischer Strafen nahe Null. Aber mit dieser Sicherheit ist es aus anderen Gründen wahrscheinlich für längere Zeit vorbei.


Um zwei Wochen zurück.

Was man beim Herumgefahrenwerden aus Reisebussen heraus zu sehen bekommt, sind architektonische Kostbarkeiten in Form von hohen Häusern, denen man ansieht, was man dort für Apartments hinlegen muss.
Herausragend im wahrsten Sinn des Wortes ist das Gebäude Burj Khalifa mit einer Höhe von 0,82 Kilometer, zugleich aktuell das höchste Gebäude der Welt. An weiteren Gebäuden, die den Bestand übertreffen sollen, wird gebaut. 

Das Wahrzeichen der Stadt, das 320 m hohe Hotel Burj al Arab in Form eines Segels ist längst weltbekannt. Dazu kommen Hunderte weiterer imposanter Gebäude, die, so heißt es, mehrheitlich Spekulationsobjekte sind.

Dann ist da noch die sensationell ins Meer hinausgebaute Palme zu erwähnen. Da kann man bequem auf den Straßen herumfahren, die von Nobelhäusern und Villen hinter Mauern gesäumt werden. Weitere Palmen sind in Bau.

Im Alltag braucht niemand mehr Bargeld. Das Aussehen von Banknoten des VAE-Dirhams bleibt unentdeckt, da alles mit Karte bezahlt wird.

Achtundzwanzig Millionen Besucher pro Jahr bedeuten für das Land Platz 11 der meistbesuchten Länder der Welt und Jahreseinnahmen von mehr als 50 Milliarden Dollar.

Ein eigenes Thema ist dem Flughafen Dubai zu widmen. Mit jährlich 92 Millionen Passagieren ist er der zweitgrößte der Welt. Das Abfertigungsgebäude ist 1,8 km lang. Terminal 1 und 3 sind mit einer Metro verbunden.

Zusätzlich gibt es noch einen zweiten Flughafen: Dubai-World Central, der bis 2032 zum größten Flughafen der Welt ausgebaut und mit dem bereits bestehenden über eine Metro verbunden werden soll.

Schon derzeit schlagen auch die Mengen der über Dubai transportierten Frachtgüter alle Rekorde. Das Streben danach, immer mehr zu haben, die Weltbesten zu sein, manifestiert sich nicht nur in der Welt der Fliegerei.

Was allerdings Menschen-, Frauen- und Freiheitsrechte, Pressefreiheit und Arbeitsrecht betrifft, kann man nur von einer schlimmen Ausgangslage sprechen. Vor allem Bauarbeiter, die einen schwachen Status haben, werden brutal ausgebeutet. In dem Sektor spricht man von Stundenlöhnen zwischen 0,5 und 1,5 €.

Bestimmte Arbeitsmigranten ohne akademischen Grad wie etwa Köche, Kellner oder Hausmädchen, erhalten keinen Führerschein. Das soll die Zahl der überall herumfahrenden Privatautos senken. Buslinien, billige Taxis und die kostenfreie U-Bahn in den Zentren sind die Alternative zu dem meist vier- bis sechsspurigen Straßen- und Autobahnnetz.

Die Justiz liegt ebenso in der Hand der Emire. Es wird eine angeblich moderate Form der Sharia angewandt.
Homosexuelle Handlungen sind strafbar, es droht die Todesstrafe. Aber es gibt auch Körperstrafen. Außerehelicher Geschlechtsverkehr und Austausch von Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit sind strafbar.

Männer dürfen mehrere Frauen heiraten (wenn sie es sich leisten können) und es gibt die Ehescheidung. Die Streitkräfte der VAE sind hochgerüstet  und eng mit den USA verbunden.


Die Heimholung

Und nun in Kurzform unsere Erlebnisse, beginnend mit dem Tag der geplanten Heimreise nach einer knappen Woche aus Dubai zurück nach München.

Samstag, 28. Februar. Das war der Moment, an dem am frühen Morgen die ersten Angriffe auf den Iran erfolgten, was wir aber erst im Lauf des Tages mitbekommen haben.

Unser geplanter Abflugtermin war eben genau an diesem Samstag eingeplant. Wir sollten mit Emirates Airlines um etwa 15:00 Uhr Ortszeit mit einem Airbus 380 für 800 Passagiere zum Heimflug nach München starten.
Unsere Reisegruppe bestand aus 30 Personen aus Tirol. Wir waren gemeinsam mit einer anderen Gruppe aus Salzburg unterwegs.

Dubai-Burj-al-Arab

Beim Frühstück im Hotel lasen einige Mitreisende bereits Meldungen, die besagten, dass der Iran vor wenigen Stunden von amerikanischen und israelischen Militäreinheiten angegriffen worden sei. Erste Bedenken bezüglich des Rückflugs machten sich bemerkbar.

Dann aber verlief alles normal, die zeitgerechte Abfahrt mit den Bussen mit ausreichender Zeitreserve klappte, die Abfertigung im Flughafen, Gepäck einchecken, Sicherheitskontrollen mit Kameratechnik und Metro innerhalb des Flughafens zu einer der drei riesigen Abflughallen waren geschafft.

Und bei allen Vorgängen hieß es immer wieder warten, anstehen und Geduld haben. Abertausende Menschen hier durchzuschleusen, eine Mammutaufgabe, die aber vom üppig anwesenden Personal in Ruhe bewältigt wurde.
Es gab auch gute Unterstützung vom örtlich engagierten Reisebüro und den Ground Managern der Airline mit Betreuung bis zum Flugsteig.

Wir waren etwa 3 Stunden vor Abflug bereit zum Einsteigen. Vor uns starteten laufend andere Maschinen mit Destinationen in die ganze Welt. Ich dachte mir, die Angriffe finden zwar nahe an den VAE statt, aber in einem anderen Land. Die Grenzen zum Iran sind 100 km entfernt. Und die Emirate haben ja mit dem Konflikt nichts zu tun. Und außerdem werden wir auch schnell von hier wieder weg sein.

Dubai Gebäude Frame, 150 Meter hoch

Dann die Meldung, es gäbe eine Verspätung von 3 Stunden. Das empfand ich auch nicht als Katastrophe, wenn dann der Flug stattfände. Aber nach einigen Stunden Wartezeit wurde von einer weiteren Verspätung von 7 Stunden gesprochen. Das wäre dann ein Abflug irgendwann in der Nacht gewesen.

Wieder nach Stunden der Ungewissheit wurde uns mitgeteilt, der Flug wäre auf den nächsten Tag verschoben und wir können das Gepäck im Flughafen belassen. Na super, dachten wir. Die Nacht in Liegesesseln in der Wartezone, das klingt nach mühsam. Aber immerhin, wir kommen weg.

Ich hoffte, wir würden vielleicht in der Nähe in irgendeine Halle mit aufklappbaren Betten gebracht, um die Nachtstunden zu überbrücken. Dann kam die Information, dass wir den Einstiegsterminal verlassen müssen und die Koffer bei einem Band Nummer X abholen sollen, wir würden über Nacht in ein Hotel gebracht. Diese Nachricht erhielten zur gleichen Zeit tausende andere Fluggäste bei allen Flugsteigen, die in derselben Lage waren wie wir. Es hieß, der Luftraum sei gesperrt.

Das Gepäck holen bedeutete, wieder mit der U-Bahn zurück, um dann die Einreisekontrolle mit Pass und Security in die Emirate zu durchlaufen. Wir galten ja formal als ausgereist, und kamen nun offiziell wieder ins Land. Das alles dauerte Stunden. Wir bewegten uns mit unseren Gruppen in Massen von Menschen, die dasselbe zu tun hatten. Der Flughafen von Dubai wurde evakuiert.

Wir mussten der Idee der Reiseleitung zustimmen, uns in Zweierreihen zu bewegen, da ständig gezählt werden musste, ob alle da sind. Niemand wusste, wie das alles weitergehen würde. Manche vermuteten, mit dem Heimflug werde es Tage oder gar Wochen dauern. Die Nachrichten, die wir am Handy lasen, klangen gar nicht gut. Es wurde nach Hause telefoniert, aber niemand konnte sagen, wie es weitergeht.

Dann saßen wir endlich in einem Bus, der uns zu einem Holiday Inn Hotel in Dubai brachte. Bis wir in die Zimmer konnten, war es nach Mitternacht. Das Hotel war komfortabler als unser bisheriges und wir hatten auch Vollpension.
Im Hotel wurde dann eine WhatsApp Gruppe gegründet. Nach dem Frühstück am Sonntag war ein Treffen im Hotel ausgemacht.

Auch der mitreisende Arzt war da. Zwei Mitreisenden ging es schlecht. Sie mussten in ein Spital. Eine davon war die Reiseleiterin unserer Gruppe. Die Reiseleiterin der Salzburger Gruppe übernahm nun auch uns. Wir waren eine Gruppe von sechzig Leuten. Der Arzt kümmerte sich um Medikamente für jene Leute, deren Vorrat aufgebraucht war. Eine tägliche Sprechstunde wurde vereinbart.

Die überaus umsichtige Reiseleitung stand die ganze Zeit über mit Managern des heimischen Reisebüros und Kontaktleuten der Fluglinie in Verbindung. Sie hing permanent am Handy und musste ständig die Gruppe zählen und zusammenhalten. Eine Mitreisende, die gut englisch sprach, unterstützte sie freiwillig.

Am Sonntag, während wir auf das Essen warteten, kamen zwei Warnungen der Regierung auf alle Handys. Auf Arabisch und Deutsch wurde uns empfohlen, in den Häusern zu bleiben. Nach kurzer Zeit folgte die Entwarnung.
Wir konnten nichts tun als Nachrichten lesen und warten. Warten entwickelte sich zur Hauptbeschäftigung. In allen Hotels gab es Alkohol.

Ich hatte nicht das Gefühl, dass jemand von uns Angst hatte. Es waren eher Sorge und die Ungewissheit, die man spürte. Aber auch der Humor war nicht verloren gegangen. Man sorgte sich, dass sich die Menschen zu Hause zu sehr sorgten. Klar, so wie abertausend andere Besucher der VAE wollten wir nur nach Hause.

Wir wussten mittlerweile, dass der amerikanische Militärstützpunkt in Abu Dhabi beschossen worden war, und es gab wieder Alarm am Handy. Also die Zeit rumbringen, warten und eine weitere Nacht im Holiday Inn.

In der Nacht von Montag auf Dienstag klingelte um Mitternacht das Zimmertelefon. Wir wurden aufgefordert, umgehend zu packen. In vierzig Minuten sollten wir mit Bussen zum Flughafen gebracht werden, um am frühen Morgen abzufliegen.

Die Expedition setzte sich wieder in Bewegung. Koffer schleppen, Bus, rein in den Flughafen und warten. Dann nach etlichen Stunden die Meldung, unser Flug sei gecancelt. Wir müssen warten, es kommen neuerlich Busse und wir werden wieder in ein Hotel gebracht. Nicht zurück ins Holiday Inn, sondern, wie sich herausstellte, in ein noch besseres, in ein Hilton Hotel.

Einchecken, das komfortable Zimmer besichtigen und die Anlage in einem Innenhof mit Pool genießen. Die Verpflegung passte und die Stimmung schwankte zwischen Ungewissheit, Optimismus und Fatalismus. Am lauen Abend (25° C) bei Livemusik dann wieder ein Alarm.

Abu-Dhabi-Moschee

Ich kam mir vor, als würde ich gleichzeitig in zwei Welten leben. Urlaubsstimmung im Kriegsgebiet und zugleich die immer wieder aus der Ferne zu hörenden Bumm-Geräusche, die vermutlich bei den Abschüssen der anfliegenden Geschoße entstanden.

Beim Frühstückstreffen am Mittwoch die Nachricht, es könnte heute klappen. Wir sollen die Koffer gepackt halten und warten. Dann die Nachricht, es gäbe einen Flug.

Wir wussten, dass eigentlich der Luftraum großflächig gesperrt war. Drei Geschoße hatten in Dubai eingeschlagen. Eines am Flughafen und je eines auf der Palme und bei einem Hotel. Flughafen und Palme: dort waren wir doch erst vor wenigen Stunden. Das machte betroffen.

Die verantwortlichen Politiker der arabischen Länder der Golfregion, die beschossen wurden, wenn auch nur halbherzig, hatten vereinbart, nicht zurückzuschießen. Dabei blieben sie übrigens bis heute. Eine weise Entscheidung.

Wir hörten, dass weltweit Rückholaktionen versucht wurden. Bei gesperrten Lufträumen war nun ein Abflug über den Oman im Gespräch. Aber da musste man auch erst einmal hinkommen. Einem kleinen Teil unserer Gruppe wurde das angeboten, aber die Reiseleitung entschied richtig, dieses Wagnis nicht einzugehen.

Wir wären auch einverstanden gewesen, hätten wir einen Flug außer Landes nach irgendwohin in Europa bekommen. Das wurde aber als Möglichkeit nie angeboten. Seitens des Reisebüros waren unsere Daten natürlich sofort der österreichischen Botschaft gemeldet worden. Die musste aber nichts tun für uns. Wir waren immer in den Händen der Fluglinie Emirates und wurden vorbildlich, angesichts des Chaos, das herrschte, versorgt.

Also dann am Mittwochnachmittag zum dritten Mal wieder die schon bekannte Prozedur zum Flughafen. Dann war es geschafft. Wir saßen im Flieger und wussten, dass wir über eine alternative Route, über Saudi-Arabien zurückfliegen würden, was die Flugdauer um eineinhalb Stunden auf fast acht Stunden erhöhte.

So war es dann auch. Wir kamen nach Mitternacht, also eigentlich am Donnerstag früh in München an und wurden mit Bus heimgebracht. Die Begeisterung für die Idee, bald wieder in einen arabischen Staat zu reisen, lag bei den Heimgekehrten auf dem Nullpunkt.

Fotorechte: Walter Plasil



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Walter Plasil

Walter Plasil, Jahrgang 1946, geboren in München, aufgewachsen in Wien, seit 1971 in Innsbruck. Führte viele Jahre das INGENIEURBÜRO WALTER PLASIL für Technische Gebäudeausrüstung und Energieplanung und war als Allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger tätig. Walter Plasil: „Ich war immer ein Vielschreiber und habe nun, nachdem meine bisherige Tätigkeit dem Ende zugeht, Zeit und Lust dazu, auch zu veröffentlichen. Mein neuer Beruf daher: „Literat.“

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Helmut Schiestl

    Das Einzige, das mich an diesen islamischen Ländern faszinieren würde, ist das dort religiös begründete Verbot von Hunden. Also keine Hundeattacken, wie sie hierzulande oft auch Kleinkinder aushalten müssen, keine Hundekothaufen, kein Herumschnüffeln an Lebensmitteln etwa oder Händeablecken, nachdem das liebe Hündchen vorher vielleicht gerade leidenschaftlich an einem Kothaufen, einer Pisslacke oder sonst etwas Grauslichem herumgeschnüffelt hat. Es ist leider wahr: Hunde sind unrein! Da wird kein noch so fanatischer Hundehalter oder Hundehalterin widersprechen können!

  2. Walter Merkl

    Immerhin hat sich die Fluggesellschaft EMIRATES sehr um die Sache angenommen. Das dürfte nicht bei allen Airlines bei solchen Ereignissen der Fall sein. Trotz alledem, Respekt ! Weiterhin alles Gute !

  3. Alfred Lerchbaumer

    ,Werter Herr Plasil,

    sehr aufschlussreicher und emotional bewegender „Reisebericht“ – Die „andere Welt“ als Reiseziel, ein Widerspruch zu unserer eigenen Tourismusfalle.
    Man lernt nie aus – im richtigen Leben.
    Danke für die Info’s…

    Alfred Lerchbaumer

  4. c. h. huber

    danke für diesen anschaulichen, lebendigen bericht über das zum glück gut ausgegangene abenteuer. eines, das als info-reise geplant war und bestimmt viele nerven gekostet hat.

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