Urs Heinz Aerni
Wir stehen unter Strom.
Notizen
Die Redewendung, dass man unter Strom stünde oder der Spruch Mensch, bist Du heute wieder geladen sind uns geläufig. Wo wären wir ohne die Entdeckung der Elektrizität?
Wucherndes Wachstum in allen Bereichen der Gesellschaft, die Umstellung von analogem auf digitalen Service und unsere vielen Anfragen bei der Künstlichen Intelligenz bringen ganze Server-Räume zum Kochen. Auch immer mehr Autos laden an der Steckdose.
Stimmen für die Reaktivierung von Atommeilern werden laut. Stauseen sollen tiefer oder neu gebaut werden. Bergwiesen, auf denen keine Kühe mehr weiden, sollen in Solarpaneel-Meere verwandelt werden.
Neulich spazierte ich nachts durch die Stadt nach Hause. Alles war ruhig, von weitem bellte ein Hund (wie in den TV-Krimis) und alle Läden waren dunkel. Nicht ganz. Es fiel auf, dass in Geschäften wie Friseursalons, Lebensmittelläden, Bäckereien, Apotheken und Drogerien Lichter brannten. An Sicherungskästen, an Alarmanlagen und an Kameras für die Einbruchsprofilaxe.
Und warum müssen alle Kassen mit ihren Bildschirmen angeschaltet bleiben? Vielfach blinken Standby-Leuchten von Computern und Kopiermaschinen. Macht nicht Kleinvieh auch Mist? Irgendwo las ich, dass die dadurch verbrauchte Energie von Geräten und Stromschienen im Standby-Modus immens sei und völlig unterschätzt werde.
Zudem spielt das Bedürfnis nach immer größerem Wohnraum eine ebenso unterschätzte Rolle beim Energiebedarf. In allen Zimmern ist irgendein Gerät angestellt und selbstredend muss jeder Raum gleich warm sein. Bei einem Besuch in einem großzügigen Eigenheim in der Schweiz nahe der Grenze zu Deutschland war bei der Hausbesichtigung zu beobachten, dass in jedem Zimmer ein Laptop, ein PC oder ein Luftbefeuchter standen und alle Lampen angeschaltet waren, auch dann noch, als wir uns unten in der Wohnküche aufhielten.
Draußen im Garten beschienen Spots Bäume oder leuchteten einfach in den Nachthimmel hinaus. Der Hausbesitzer meinte, dass er vor lauter Arbeit nie zum Lesen eines Buches käme. Auch nicht am Wochenende? Da muss ich mich um das Haus und das Auto kümmern. Zum Reifenwechsel hinüber nach Deutschland fahren, das kommt viel günstiger.
Literatur:
„Energie sparen – Tipps und Tricks für Haushalt, Heizung, Auto u. v. m.“ von Alexander Rudow, Bassermann Verlag
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