Thomas Nußbaumer bespricht:
Das besondere Weihnachtskonzert mit Werken
von in Tirol wirkenden Komponisten.
Die Akademie St. Blasius musizierte
unter der Leitung von Karlheinz Siessl.
Das beliebte Tiroler Weihnachtskonzert der Akademie St. Blasius (Leitung: Karlheinz Siessl) in Zusammenarbeit mit den Tiroler Landesmuseen begeisterte auch heuer erneut. Die Vorstellungen in der Spitalskirche Innsbruck sowie zwei Mal im Konzertsaal des Tiroler Landeskonservatoriums am 20. und 21. Dezember 2025 waren ausverkauft.
Auf dem Programm standen Werke regionaler Meister bzw. Komponisten, die im 19. und frühen 20. Jahrhundert in Tirol wirkten. So rankten sich um die Pastoralmesse in G des Innsbruckers Joseph Friedrich Hummel (1841–1919) weihnachtliche Werke von František Zdenĕk Skuherský (1830–1892), Franz Schöpf (1836–1915), Ernst Tschiderer (1830–1916), P. Odorich Krautschneider (1818–1873), Josef Pembaur (1848–1923) und sogar des Operettenkomponisten Franz von Suppè (1819–1895), dessen Wiegenlied der Muttergottes zusammen mit anderen Autographen und seinem niedlichen Kompositionsklavier schon 1907 im Ferdinandeum gelandet war.

Chor und Orchester der Akademie St. Blasius unter Karlheinz Siessl in der Spitalskirche
Das Tiroler Weihnachtskonzert der Akademie St. Blasius war überhaupt reich an Entdeckungen – dazu darf man auch Joseph Friedrich Hummels Pastoralmesse in G zählen. Hummel war eine hochinteressante Persönlichkeit: Aufgewachsen in Innsbruck, Studien in München, Theaterkapellmeister in seiner Heimatstadt sowie in diversen Städten in Deutschland und Österreich, ehe er 1880 in Salzburg die Leitung der Musikschule der Internationalen Stiftung Mozarteum sowie der Salzburger Liedertafel übernahm.
Seine Weihnachtsmesse entstand zur Zeit des Ersten Weltkriegs und verbindet weihnachtspastorale Idylle mit der Tonsprache der Spätromantik. Äußerst dramatisch, pointiert und formal bezwingend gestaltete er Kyrie, Gloria und vor allem das Credo – der beeindruckendste Teil der Messe neben dem Sanctus mit der schnittigen Hosanna-Fuge, dem Benedictus und dem innigen Agnus Dei.
Hummel schrieb das Werk zwar im Auftrag des damaligen Wiltener Stiftschorregenten Josef Gasser für Chor und Orgel, musste es jedoch auf Anordnung des Salzburger Fürsterzbischofs instrumentieren. Dieser Aufgabe entledigte er sich mit Bravour, indem er Klangkonstellationen schuf, in denen sich melancholischer Streicherklang mit blechdominierten Klangkaskaden und lyrisch geführten Solostimmen im Holzregister mischt. Die eindringlichen Chöre bilden einen Kontrast zum Ensemble der Solistinnen und Solisten, die – aufgefächert in jede nur denkbare Verbindung – die Erzählung der Affekte und Gefühle vorantreiben. Besonders schön ist der immer wieder eingesetzte, leise Paukenwirbel zum ausklingenden Schlussakkord.
An dieser Stelle ist besonders auf die Leistung der jungen Südtiroler Sopranistin Stefanie Steger hinzuweisen, die nicht nur bei Hummel, sondern auch in anderen Werken zahlreiche Solopassagen gestaltete. Ihre Stimme ist von selten zu hörender Anmut und Leichtigkeit in allen Lagen. Die Differenziertheit ihres Ausdrucks verrät gründliche Erfahrung im Liedgesang und in der Interpretation Alter Musik.
František Zdenĕk Skuherskýs Ave maris Stella, ein Werk von 1856 aus dem Umfeld der akademischen Gottesdienste in Innsbruck, das der barocken und klassischen Tradition nahesteht und auf Dialoge zwischen Stimme und Orchesterinstrumenten (insbesondere dem Fagott) setzt, erstrahlte im aufblühenden Klang. Beeindruckend sind die dramatischen Akzente, die Steger in Hummels Partitur findet und im Dialog mit Chor, Orchester und Soli zur Geltung bringt.

Chor und Orchester der Akademie St. Blasius unter Karlheinz Siessl im Saal des Landeskonservatoriums. In der Mitte das solistische Ensemble: Stefanie Steger (Sopran), Lea Elisabeth Müller (Alt), Johannes Puchleitner (Tenor), Stefan Zenkl (Bass)
Ob elegant wie in Suppès reizendem Wiegenlied der Muttergottes oder volkstümlich-natürlich wie in Ernst Tschiderers Ehre Gott, den Menschen Heil für Sopransolo, Chor, Orchester und Orgel und P. Odorich Krautschneiders Die jubelnden Engel von der Krippe, eine Vertonung des lutherischen Vom Himmel hoch, da komm ich her – Steger findet stets den passenden Ton und die richtigen stimmlichen Mittel.
Die übrigen Ensemblemitglieder hatten programmbedingt weniger Gelegenheit zu glänzen. Nur der aus Niederösterreich stammende, renommierte Bassist Stefan Zenkl, der mit seiner warmen, gut austarierten Stimme Franz Schöpfs Kompositionen O selige Nacht und In Bethlehems Gefilden vortrug, war über verhältnismäßig längere Passagen solistisch zu hören – oftmals im Dialog mit dem prägnant darstellenden Tiroler Tenor Johannes Puchleitner und der mit stimmlicher Wärme erfüllenden Vorarlberger Altistin Lea Elisabeth Müller.
Ein großes Lob gebührt dem konzentriert agierenden, klanghomogenen (Kammer-)Chor der Akademie St. Blasius im positiven Spannungsfeld des Kammerorchesters mit seinem herzerwärmenden Blech- und Streicherklang sowie den dialogisierenden Holzblasinstrumenten, gestützt von grundsolidem Orgelklang und prägnanter Rhythmik. Karlheinz Siessl, der seine Akademie, die Musikerinnen und Musikern aus Tirol eine künstlerische Plattform bietet, offenbar bestens vorbereitet hatte, leitete das Konzert mit großem musikalischen Gespür und Präzision.
Am Ende erklang in den Aufführungen im Landeskonservatorium das berühmte Stille Nacht, heilige Nacht in jener Fassung, die die Geschwister Strasser aus dem Zillertal überliefert hatten.
Fotorechte: Armin Graber
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