Ronald Weinberger
Sich sicher fühlen
Schwägerin Yi und die Polizei
Eine Genugtuung

Stadtluft macht high. Diesen Titel wollte ich ursprünglich wählen, bis ich – dem Internet sei Dank – realisieren musste, jene mir ursprünglich als originell erscheinende Wortfolge, dem berühmten Uralt-Spruch Stadtluft macht frei nachempfunden, stünde leider nicht eben selten in Verwendung. Ergo: nichts damit!

Erneut von vorn: Schuld an einem Teil dessen, womit ich Sie zu malträtieren gedenke, ist nämlich einzig eine meiner Schwägerinnen. Sie ist eine 70-jährige, quirlige, von jeglicher Schüchternheit unbeleckte, in den USA lebende, mit einem reichlich introvertierten, reiseunfreudigen Ehemann (kein Wunder, ein ehemaliger Mathematiker!) gesegnete, in Taiwan geborene und dort aufgewachsene, finanziell gut gestellte, kinderlose, offenkundig reisesüchtige Dame. Die uns, zumeist als Zwischenstation nach/von Fernost bereits Xmal besucht hat, von Österreich überaus angetan ist und insbesondere an Tirol geradezu einen – nein – mehrere (!) Narren gefressen haben dürfte.

Jedes Mal die zahlreichen AAhs! und Oohs! Die ersten Ahhs, sobald, bei uns zuhause angekommen, sie den Wasserhahn aufdreht und sich unser Zirler Wasser mit zuerst hastigen, dann genussbetonten Schlückchen einverleibt. Die Oohs! beim Betrachten der Landschaft. Stets aufs Neue. Und die sich, scheint’s, im von ihr oft besuchten und höchlich geschätzten Innsbruck längst besser auskennt als wir. Na ja, jetzt übertreibe ich selbstverständlich gehörig. Stadtluft, sprich Innsbruck, macht high – für sie gilt das offensichtlich.

Diese meine Schwägerin trägt den Vornamen Yi; nein, das ist keine Kurzform, sie heißt tatsächlich derart, so wie sich meine Gattin Ru schreibt und deren in Innsbruck wohnhafte Schwester Dih. Mädchen als Nachwuchs wurden einst in Taiwan zumeist als Bürde angesehen, was meinen längst verblichenen Schwiegervater, einen ehemaligen Offizier der vor Mao 1949 nach Taiwan geflüchteten Chiang Kai-Shek Truppen, zur Wahl solch knapper, bescheiden klingender beziehungsweise seiender Namen bewogen haben dürfte.

Im März dieses Jahres hatte uns Yi, für knapp 2 Wochen, das vorletzte Mal besucht. Von damals stammt die – wiederholte – Bemerkung bezüglich gewisser Sichtungen in Innsbruck, die bei ihr, meinte sie, einen Wohlfühleffekt bewirkt haben und die Motivation für das Verfassen dieses Beitrags bilden. Im Juli beehrte sie uns (zu kurz, wie sie meinte) das letzte Mal. Ein Besuch für Oktober ist angekündigt. Recht so! Sie ist eine an Vielem interessierte, schlagfertige, gebildete, Person.

Im März nun öffnete sie mir, der sich in der warmen Jahreszeit durchschnittlich 3-4mal pro Woche in Innsbruck umtut, die Augen. In spezieller Hinsicht. Ob ich sie denn überhaupt schon bewusst wahrgenommen hätte, SIE (sie spielte dabei geheimnisvoll auf die erstaunliche Präsenz von Polizisten im Stadtbild an), SIE, die man ihrer Meinung nach angenehmerweise und ungewöhnlich häufig erblicke, sprich, sichten könne? Zumeist in Bewegung, per Auto, bisweilen aber auch da und dort für eine gewisse Zeit aufhältig. Seit März bin ich sensibilisiert, kann Yi nur bestätigen. Sichtungen auch meinerseits zuhauf. Erstaunlich; und sie sind ebenso mit einem Wohlgefühl verbunden.

Nun aber zum Konnex Land-Stadt. Womöglich fragen Sie sich: Was bewegt einen in Zirl Ansässigen – immerhin ein ansprechender Ort samt malerischer Umgebung -, sich derart oft (in circa der Hälfte der Fälle mit Gemahlin) nach Innsbruck zu begeben? Ein Stadt-Sucht-Syndrom? I wo, ich bin von Geburt an ein – in OÖ aufgewachsenes – Landei. Das seit 1977 andauernde Dasein im wahrhaft schönen Tirol hat mich (samt chinesischer Gattin) freilich längst zu einem Dreiviertel-Tiroler geformt. Und eine Stadt wie Innsbruck hat selbstredend Einiges zu bieten (obwohl ich dort nicht auf Dauer wohnhaft sein möchte). Weshalb bin ich also derart oft aushäusig

Also, auf nach Innsbruck! Ich tue mich dort, freimütig gestehe ich‘s: A) als Kuchen/Torten-Liebhaber recht gerne um. Diese Fülle an Konditoreien und Kaffeehäusern! Sodann, bin ja nicht mehr der Jüngste: B) Die Fülle an Ärzten! Einige davon werden zunehmend von mir benötigt. Weiters: C) Das Gewusel an interessant anzusehenden und anzuhörenden Völkerschaften, vor allem in der Maria-Theresien Straße. Des Weiteren: D) Gesellige Runden mit Stammtisch-Natur, drei an der Zahl, alle in Innsbruck.

Tut mir leid, ich schweife ab. Retour zum Wesentlichen! Ich habe, um es erneut zu verdeutlichen, seit März – der Bemerkung meiner Schwägerin Yi wegen – in Innsbruck Sichtungen. Solche der Polizei! Laufend, da ich dafür sensibilisiert wurde. Ich bin erstaunt, wie oft, während ich in der Stadt herumflaniere. Läuft da etwas in Innsbruck anders ab als in anderen Städten? Um es klar auszudrücken: ich goutiere das. Nicht weil ich ängstlich bin – ob meiner Körpermaße 190cm/88kg (freilich aber: 77 Jährchen) bin ich ohnehin eher kein bevorzugtes Ziel von z. B. Taschendieben & Co – aber diese Sichtungen erwecken bei mir ein durchaus wohliges Gefühl. 

Aus prinzipiellen Gründen, denn immerhin habe ich bereits erleben dürfen, wie sehr die Polizei, einst, zum Ziel gewisser Umtriebe wurde. Das habe ich hier im Schöpfblog vor einigen Jahren beschrieben: Ronald Weinberger. Gefangene raus, Bullen rein! Erinnerungen an den 18.10.1977! 

Fazit: Die häufigen Sichtungen der Polizei in Innsbruck, deren gut sichtbare Präsenz, ist für mich ein Quell der Genugtuung . Folgerichtig ein Foto, von Ende Juli. Als Symbol für die Sicherheit in Innsbruck, um die es hierorts bekanntlich nicht schlecht bestellt ist. Danke, Yi!

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Ronald Weinberger

Ronald Weinberger, Astronom und Schriftsteller, 1948 im oberösterreichischen Bad Schallerbach geboren, war von 1973 bis 1976 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg. Von 1977 bis zum Pensionsantritt im Dezember 2011 war Weinberger an der Universität Innsbruck am Institut für Astronomie (heute Institut für Astro- und Teilchenphysik) als Fachastronom tätig. Als Schriftsteller verfasst Weinberger humorvolle Kurzgedichte und Aphorismen, aber auch mehrere Sachbücher hat er in seinem literarischen Gepäck: Seine beiden letzten Bücher erschienen 2022 im Verlag Hannes Hofinger, im Februar das mit schrägem Humor punktende Werk "Irrlichternde Gedichte" und im September das Sachbuch „Die Astronomie und der liebe Gott“ mit dem ironischen, aber womöglich zutreffenden, Untertitel „Sündige Gedanken eines vormaligen Naturwissenschaftlers“.

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