Reinhold Knoll
Mir fällt nichts mehr ein.
Notizen

Immer wieder stelle ich an mir fest, zuerst Entwicklungen mit Achselzucken hinzunehmen, als würde über unseren Köpfen gerade ein Gewitter stattfinden. Das ist eine sehr gefährliche Situation. Und dann bemerke ich, aus den politischen Vorgängen Schritt um Schritt verdrängt zu werden. 

Mag es früher Illusion gewesen sein, an Entwicklungen partizipiert zu haben, so erwecken heute fast alle Initiativen den Anschein, über unsere Köpfe hinweg entschieden zu werden.

Im Moment sind wir in einer weltpolitischen Konstellation, in der eine Handvoll von Menschen für sich das Recht beansprucht, wegen irgendwelcher fiktionalen Ziele eine Atombombe anwenden zu dürfen.

Es scheint niemanden zu irritieren, dass Iran, Israel oder Nordkorea den Abwurf einer Atombombe als nötige Maßnahme der Verteidigung ganz konkret einplanen. Die Ausführungen aus der Umgebung Putins enthalten die gleiche Vorstellung, die Atombombe würde einen schnellen Frieden in ganz Europa bewirken.

Angesichts mangelnder Widersprüche gebe ich die Hoffnung auf, dass es noch irgendjemanden gibt, der nicht nur die mögliche Anwendung von atomaren Waffen ächtet, sondern auch zur generellen Diskriminierung von Personen aufruft, die derartige Ziele über Waffen erreichen wollen.

Ich weiß, dass die Bestimmungen der Vereinten Nationen, die Gerichte in Den Haag, welche die Durchsetzung einer grundsätzlichen Trennung zwischen Kombattanten und Zivilbevölkerung im Konfliktfall fordern, eine Stimme der Vernunft sein wollen. Sie finden aber eine immer geringere Beachtung.

Wenn dem so ist – fällt mir nichts mehr ein.

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Reinhold Knoll

Reinhold Knoll, geb. in Wien 1941. Gymnasium und Studium der Geschichte und Kunstgeschichte in Wien. A.o. Hörer an der Akademie der Bildenden Künste. Promotion 1968 mit dem Thema „Früh- und Vorgeschichte der christlich-sozialen Partei bis 1907" (gedruckt). 1969 bis 1972 innenpolitischer Redakteur im ORF. 1973 am Institut der Soziologie an der Univ. Wien. Habilitation zur „Österreichischen Geschichte der Soziologie", gedruckt, mit Beiträgen von Helmut Kohlenberger 1988. A.o. Prof. für Soziologie ab 1989; Letzte Publikationen: The Revelation of Art-Religion, New York 2018; Letters to my grandchilden, New York 2021; und Beitrag zu Joseph von Sonnenfels, 2024.

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