Reinhold Knoll
Die Welt steht
auf kein´ Fall mehr lang!
Notizen

Nestroys Knieriem, Leim und Zwirn sind liederliche Gesellen. Sie nehmen am sinnhaften Aufbau der sozialen Welt keinen Anteil. Sie begründen ihr Treiben mit dem drohenden Ende des Planeten. Leim singt das Kometenlied mit dem Refrain: Die Welt steht auf kein´ Fall mehr lang….

Heute würden sie uns bereits an der nächsten Ecke als weltgewandte Analysten aufhalten. In Stichworten würden sie  die Weltlage beurteilen: Silber- und Goldpreise in schwindelerregender Höhe, drohende Kriege um Silizium und Wasser, Krisen aller Orten. Die politischen Barometer stehen auf Sturm. Gleichzeitig droht die Klimakatastrophe schlimmsten Ausmaßes. 

Bei kalten Füßen erfahren wir vom wärmsten Jänner seit mehr als 100 Jahren. Eins ist sicher: Spätestens im Mai, Juni, Juli, August…gibt es den mondialen Zusammenbruch, die Währungskatastrophe, den nächsten Weltkrieg. (Unter uns geflüstert: Vielleicht behält der Bitcoin seinen Wert?)

Alles auf einmal, doch niemand singt das Kometenlied.

Es grenzt an Wunder, dass man sich noch scheut, atomare Waffen einzusetzen. Freunde schränken ein: Die Chinesen vielleicht…

Leider gleichen Putin, Trump und Xi nicht den Hallodris im Lumpacivagabundus, aber vielleicht verhindern gerade sie den Weltuntergang? Sie wollen ja über Subkontinente oder Kontinente regieren. Unsere Spezialisten für Weltuntergänge bedenken selten, dass dort die Achillesferse der Mächtigen ist. Theoretisch könnten sie zwar endlos morden und jede Zivilisation zerstören, aber noch zögern sie, denn sie wollen den Lohn ihrer Siege genießen.

Allerdings hat dieses Überleben seinen Preis.

Der Prophet Samuel warnte die Israeliten davor, einen König zu kreieren. Dieser würde jede Freiheit rauben, alle ausbeuten und versklaven. Die Israeliten wollten dennoch einen König.(1Sam8, 6-7. 10-22a)

Das kann auch uns passieren: Die Welt besteht zwar weiter, aber es gibt unsere Vorstellung von Menschheit und Zivilisation nicht mehr, sondern nur noch Sklaven und Gulags.

Merkwürdig: Die Untergangsspezialisten fühlen sich bei weitem wohler, sollte der Planet als ganzer explodieren. Wer malt sich die Folgen aus, die ein Fortbestand der Welt und der Menschheit unter den Bedingungen von Putin, Trump und Xi haben kann?

Die künftigen Herrscher werden leider nicht Knieriem, Leim und Zwirn heißen.

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Reinhold Knoll

Reinhold Knoll, geb. in Wien 1941. Gymnasium und Studium der Geschichte und Kunstgeschichte in Wien. A.o. Hörer an der Akademie der Bildenden Künste. Promotion 1968 mit dem Thema „Früh- und Vorgeschichte der christlich-sozialen Partei bis 1907" (gedruckt). 1969 bis 1972 innenpolitischer Redakteur im ORF. 1973 am Institut der Soziologie an der Univ. Wien. Habilitation zur „Österreichischen Geschichte der Soziologie", gedruckt, mit Beiträgen von Helmut Kohlenberger 1988. A.o. Prof. für Soziologie ab 1989; Letzte Publikationen: The Revelation of Art-Religion, New York 2018; Letters to my grandchilden, New York 2021; und Beitrag zu Joseph von Sonnenfels, 2024.

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