Reinhard Walcher
Propaganda
Teil I
Marx und Engels im Wirtshaus
Satire (?) in drei Teilen

Propaganda
Vom Lateinischen propagare: ausbreiten, verbreiten. Propaganda ist die gezielte Verbreitung von Ideen, Informationen oder Gerüchten, um die Meinung, Gefühle und Handlungen von Menschen im Sinne bestimmter Interessen zu manipulieren. Sie nützt emotionale Appelle, Wiederholungen und oft selektive oder falsche Darstellungen, um Ideologien zu fördern oder Gegner zu diskreditieren.
Wikipedia/KI

Laut Duden ist Propaganda die gezielte Verbreitung politischer, weltanschaulicher oder ähnlicher Ideen und Meinungen. Ziel ist, das allgemeine Bewusstsein zu beeinflussen und zu steuern. …


Eine Wirtshausgeschichte

Es waren einmal – vor etwa zweihundert Jahren – zwei Freunde, die hießen Karl und Friedrich. Karl war Philosoph, Ökonom und Journalist, hatte sieben Kinder und wenig Geld. Friedrich war ebenfalls Philosoph, Gesellschaftskritiker und Journalist, aber auch Sohn eines Textilfabrikanten und hatte daher (ziemlich) viel Geld. 

Sie philosophierten oft nächtelang in verschiedenen Cafés und Wirtshäusern über die schlechte Lage der unteren Gesellschaftsschichten und den Reichtum der (damals noch jungen) Unternehmerklasse und des Adels. Der großzügige Friedrich half dem armen Karl immer wieder aus dessen finanziellen Nöten. So könne es aber nicht auf Dauer weitergehen, waren sich beide einig.


Der Umbruch

Überhaupt rumorte es damals in ganz Europa, weil durch die sogenannte Aufklärung, die die herrschende, gottgegebene Ordnung für obsolet erklärt hatte, der Weg zur praktischen Vernunft und zur von Gott unabhängigen Wissenschaft geebnet war. In rasendem Tempo – befreit vom Wissenschaftsverbot durch die katholische Kirche – erfanden und entwickelten fortan kluge Menschen Maschinen und Geräte und begannen, die Naturgesetze zu verstehen. 

Es entstanden erste Fabriken. Und das Unternehmertum, das den Adel und den Klerus schwächte und die Arbeiterklasse, die nur ihre körperliche Kraft bereitstellen konnte, ausbeutete. Die sogenannte Industrielle Revolution hatte begonnen und zerrte an der Vormachtstellung des Adels. 

Junge, fanatische Revolutionäre formierten sich gegen die mächtigen, herrschenden Adeligen – den Feudalismus – und zunehmend gegen das ausbeuterische Unternehmertum – den sogenannten Kapitalismus.


Eine Schnapsidee?

Zurück zu Karl und Friedrich: Die beiden bedrückte diese Ungleichheit der gesellschaftlichen Klassen, weil Reichtum, Macht und Armut ungerecht verteilt waren. Besonders Karl, weil mit Philosophie kein Geld zu verdienen war, um seine Kinder anständig ernähren zu können, litt unter den (neuen) Verhältnissen und wahrscheinlich war es ihm, dem großen Denker, auch peinlich, immer wieder auf die finanzielle Unterstützung des reichen Friedrich angewiesen zu sein. 

Sollten wir nicht, sinnierte Karl eines späten Abends im Wirtshaus nach einigen Bierchen, deine Fabrik und dein Geld in einen Topf werfen, den wir dann gemeinsam (lateinisch „communis“) verwalten und vermehren könnten? Er sei dann ein für alle Mal nicht mehr auf Friedrichs Zuwendungen angewiesen. 

Der sträubte sich anfangs, weil Karl ja nichts vom Textilwesen, von Webmaschinen und dem Geschäftemachen an sich verstand. Die Idee, aus einem Armen und einem Reichen zwei zumindest Halbreiche zu machen, die dann aber eine reiche Kommune wären, begann nach endlosen Gesprächen und theoretischen Erläuterungen Karls auch Friedrich zu interessieren.


Der Plan

Aber wir müssen größer denken, meinte Friedrich. Wir zwei allein verändern mit unserer Kommune noch lange nicht die gesellschaftlichen Verhältnisse. Alle Reichen, Unternehmer wie Adelige, müssten mitmachen und ihre Besitzungen und ihr Geld, das Kapital, in den gemeinsamen Topf, also den Staat, stecken. Kein Privateigentum mehr, aber anteiliger Reichtum für Alle. Und gleiches Recht, gleiche Macht, gleicher Status für Alle. Keine Klassen mehr, jeder (und jede?) sollte fortan in einem Paradies gleichwohl für Arbeiterinnen und Arbeiter ohne faule Adelige, ausbeuterische Unternehmer und machtbesessene Kleriker glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage leben! So oder so ähnlich könnte es sich zugetragen haben.


Das Manifest

Karl und Friedrich hießen mit Nachnamen Marx und Engels. Die beiden (finanziell) ungleichen Freunde entwickelten ihre Idee weiter und schrieben penibel auf, wie sie zu verwirklichen wäre. Und so erschien im Jahre 1848 ihr 27 Seiten dünnes, utopisches Werk Das Manifest der Kommunistischen Partei und später Karls weiterführende Theorien im dreibändigen, 2.736 (zweitausendsiebenhundertsechsunddreißig) Seiten dicken Buch Das Kapital

Der Kommunismus war geboren und sollte fortan durch seinen Kampf gegen den Kapitalismus, den Feudalismus und das Unternehmertum zum Wohle der Arbeiterklasse Revolutionen, Hungersnöte und Diktaturen verursachen und trotzdem bis zum heutigen Tag durch die Köpfe unzufriedener junger (und alter?) Menschen geistern. 

Obwohl der frühe Sozialismus und die Aufklärung bereits viel gegen die Ausbeutung der hart arbeitenden Menschen erreicht hatte, ging und geht bis heute den sozialistisch-kommunistischen Fundamentalisten, den Marxisten, das Erreichte nicht weit genug.

Fortsetzung folgt.

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Reinhard Walcher

Reinhard Walcher, Dipl.-Ing., Architekt, Blogger, Essayist, Karikaturist und Zeichner, Maler, Rettungsfahrer, Schilehrer und so weiter … (Jahrgang 1953) hat nach 15 Jahren den Architektenberuf an den Nagel gehängt und lebt seither als freischaffender Cartoonist und seit 2009 als Reiseschriftsteller Der Bimreiser.

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