Reinhard Kocznar
Sexuelle Revolution?
Was ist denn das?
Wir taten doch alle, was wir wollten.
Essay

Als wir mit B.B. den Sex entdeckten untersuchte Alois kürzlich. Als wir B.B. entdeckten, kannten wir ihn schon, wobei ich mit diesem Ausdruck wenig anfangen kann. Ich hatte nie Sex und werde ihn auch nie haben, denn etwas, was so trostlos sein muss, wie dieser Ausdruck klingt, das will ich mir nicht einmal vorstellen.

B.B. nahmen wir allenfalls am Rande wahr, aber die erklärende Zunft nahm sich ihrer an. Sexuelle Revolution? Was ist denn das? Wir taten doch alle, was wir wollten. Im Rückblick waren die 1970-er eine Zeit, in der ein Hauch der Lebensfreude des Rokoko wehte.

Eine Revolution konnten nur die Verklemmten darin sehen, zumal Revolution mit Herrschaft zu tun hat, und darum ging es nicht. Eine Revolution ist eine Umdrehung, danach steht man an derselben Stelle wie vorher, nur mit anderen Herren.

Was der erklärenden Zunft vermutlich aufgefallen ist, war BBs hedonistischer Lebensstil. Vielleicht fanden sie das revolutionär. Mich hätte ihr Hedonismus, wäre er mir aufgefallen, nicht gestört. Ein Nachbar, damals Medizinstudent, klassifizierte mich seinerzeit als hedonistischen Solipsisten. Für den Solipsismus musste ich nachschlagen, fand die Definition dann vergnüglich.

Einleitend stellt Alois fest, dass wir in einem prüden Zeitalter leben. Das ist leider unbestritten. 

Prüde Journalist:innen haben neuerdings den Begriff Nipplegate erfunden, wenn wieder eine Schauspielerin eines der obskuren Objekte der Begierde sehen lässt. Dürfens denn des? – wie schon Gütinand der Fertige konsterniert fragte? 

Ein Gag lässt sich mit einem Schuss Empörung schnell zu einem der kurzen Artikel in einfacher Sprache aufblasen.
Ich habe ein Videoschnipsel mit einem Auftritt von Sophie Marceau, in dem sie mehr zeigt. Sie steht in einer Menge von Partygästen, der Träger ihres Kleides rutscht herab und legt eine schöne Brust frei. Dieser Teil dauert zwei Sekunden, in der dritten Sekunde finden das schnelle Hochziehen des Kleids und der erschrockene Blick statt.

Anschließend folgt das Ganze in Zeitlupe. Man sieht deutlich, wie sie die Schulter bewusst aus dem Träger schiebt, der daraufhin herabrutscht. Die Zeitlupe dauert 14 Sekunden und gibt der Echtzeitaufnahme den eigentlichen Reiz.
Eine gelungene Szene, genau geprobt und mit der Kamera abgestimmt. Da ich kein Vorurteil gegen schöne Frauen habe, gefallen mir Idee und Umsetzung sehr gut.

Um die Form von Sophie Marceaus Busen zum Zeitpunkt der gekonnt zufällig wirkenden Aufnahme geht es natürlich nicht, denn die Form ist Nebensache. Echt, das zählt, jede natürliche Form ist schön. Das Implantieren von gleichförmigen Hügeln, die in jeder Lage gleich aussehen, habe ich nie verstanden, will ich nicht verstehen und das Resultat schon gar nicht ansehen.

In den 80er Jahren gab es an den Stränden nur wenige BHs. Das war nichts weiter als eine entspannte Angelegenheit, weit entfernt von Toleranz. Tolerare heißt bekanntlich dulden, und wer will wirklich etwas (er)dulden, was er/sie eigentlich nicht mag? In den frühen 90ern ging diese Freiheit zu Ende. Ein Teil der Welt war wieder besser geworden, keine Frage.

In unserer Zeit ist streng getrennt, wer was darf. Schnell fahren dürfen nur Gladiatoren auf der Rennbahn. Von sich etwas sehen lassen dürfen Schauspielerinnen, wofür die Journalist:innen den Begriff Nacktkleid erfunden haben.

Die Auftritte der ansehnlichen Sydney Sweeney ließen sich neuerdings zudem unter dem Mantel der politischen Korrektheit zu Ereignissen aufblasen. Das halbtransparente Kleid, das sie zur Gala Power of Women 2025 in Beverly Hills trug, kam dessen ungeachtet überaus gut an. Es zeigt ziemlich viel von einer Frau, die nicht an Magersucht leidet, offensichtlich echt ist und kein Fitnessstudio abonniert hat, womit sich der Kreis zu echt wieder schließt.

Dass die sogenannten Nacktkleider optisch erheblich mehr hergeben als die abenteuerlichen Kostümierungen der Stars bei glamourösen Auftritten, ist offensichtlich. Gleichwohl war Cher schon immer für das Ernstnehmen des Transparenzgebots gut gewesen. Die frühe Josephine Baker ist vergessen, obwohl ihr legendärer Bananenrock schon damals glyphosatfrei hergestellt und nachhaltig war. Überlegungen zum Material des Rocks sind als Ernstphall natürlich strikt von der Hand zu weisen.

Sydney Sweeney hat sich darüber hinaus einiges geleistet, was anerkennenswert ist. Die Kampagne mit den guten Genen, die in gute Jeans mündete, war überfällig in einer Zeit, in der body-shaming-Kampagnen gutes Aussehen diskriminieren. Nicht nur das Wortspiel mit den Genen, sondern auch der Umstand, dass sie blond und blauäugig ist, wurde kritisiert.

Sich blond und blauäugig ablichten und dann auch noch präsentieren zu lassen, erkannten einige sogenannte Kritiker:innen als rassistisch. Dieser Schwachsinn war nur möglich, weil diese Kritiker:innen zweifellos von Steuergeld am Leben gehalten wurden.

Der unvermeidliche Proteststurm verebbte – jedenfalls von den Auftraggebern – unbeachtet, der Aktienkurs der Jeansfirma American Eagle machte einen Kurssprung. Nein, das Königinnenwort für Freiheit, so kommentierte eine deutsche Journalistin Sydney Sweeneys Ablehnung, sich für diese Werbung zu entschuldigen. Die Forderung danach war ohnehin eine Zumutung. Die Abstimmung an der Kasse ist jedenfalls eindeutig, 52 Millionen für eine Rolle im Jahr 2026 sagt alles.

Wer das alles nicht begreift, den bestraft Adam Riese. Eine ehemals heimische Firma, in Schwierigkeiten geraten, geriet mit einer woken Werbekampagne endgültig ins Abseits. Das rosa Qualitätsblatt rief kurz vor dem absehbaren Untergang noch auf, die auf Diversität gesetzte Werbekampagne weiterzudenken und fortzusetzen. 

Ratschläge aus geförderten Parallelwelten können getrost übergangen werden. Es gibt so viel Schönes zu entdecken.

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Reinhard Kocznar

Reinhard Kocznar ist Versicherungsmakler und lebt in Birgitz. Seit 30 Jahren selbständig, während 25 Jahren zweiter Beruf als Leiter eines Softwareentwicklungsteams und Systemadministrator. Als Schriftsteller hat er bisher 7 Bücher veröffentlicht, Krimis, Thriller, Erzählungen und Essays. Literarisch betreibt er den Online-Buchshop: https://books.kocznar.com . Leidenschaftlicher Fotograf, Sportschütze und Motorradfahrer.

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