Reinhard Kocznar
Nicht die Orchideenfächer,
die keiner braucht,
sind das Problem,
sondern die Massenfächer.
Notizen
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Artikel von Alois Schöpf:
https://schoepfblog.at/alois-schoepf-die-universitaeten-und-unser-wohlstand-apropos/ -
Replik von Sylvia Tschörner:
https://schoepfblog.at/literarische-korrespondenz-sylvia-tschoerner-an-alois-schoepf-betrifft-sparen-bei-den-universitaeten/
Eine ausführliche Replik auf den Artikel des Blogmasters zu den Universitäten war vergnüglich zu lesen. Der hatte es nämlich gewagt, den Sinn von Orchideenfächern in Zweifel zu ziehen.
Deren Einsparung wäre allerdings wirkungslos. Die in diesen Fächern beschäftigten Personen würden das zwar als Rückfall in die Steinzeit beklagen. Außerhalb würde es gleichwohl niemand bemerken. Das Problem liegt bei den Fächern, die in Massen angefahren werden.
In der besagten Replik wurde gleich das Szenario fehlender Ärzte bemüht. Man kann das nur als Reflex einordnen. Weniger Architekten, Sportmagister oder Psychologen gefährden nämlich Österreich in keiner Weise. Sie machen einen beträchtlichen Teil der Masse aus. Die Zahl der sogenannten Studierenden an der Universität Innsbruck schwankt, je nach Quelle, zwischen 30.000 und 40.000. Für eine Stadt, deren angestammte Bevölkerung bei 100.000 liegt, ein ordentlicher Brocken.
Da die einheimische Bevölkerung nicht wächst, hätte sie auch kein Problem mit den Wohnkosten. Dieses entsteht nämlich nur durch den Zuzug, egal woher, egal warum. Ärgerlich wird dieser Umstand, wenn man liest, dass nur mehr 48 Prozent der Studierenden, in manchen Fächern nur 29 Prozent, Österreicher sind.
In einer deutschen Zeitung fand ich eine ganzseitige Reportage über drei deutsche Studentinnen. Es ging darum, wie es ihnen in Österreich gefällt. Sie wirkten zufrieden mit dem Angebot an Infrastruktur, sie studierten das Fach Politikwissenschaft. Damit bekommt man heute nicht einmal bei einer NGO einen Job, die brauchen eher Juristen, Naturwissenschaftler und Informatiker.
Ein Bekannter hat mir gesagt, er schickt seine Tochter auf die Universität nach Luxemburg, soll es eben was kosten. Das hiesige System findet er amüsant. Akademiker lassen ihre Kinder zu Akademikern ausbilden und bezahlt wird es von Nichtakademikern. Die hiesigen Steuerzahler und deren Nachkommen bezahlen 100 Prozent.
Die Nachkommen unberücksichtigt zu lassen, kann nur als frivol bezeichnet werden. Blessed are the young, for they shall inherit the national debt. (Selig sind die Jungen, denn sie werden die Staatsschuld erben.), spöttelte der amerikanische Präsident Herbert Hoover im Jahr 1936.
Längst sollte bekannt sein, dass die Steuereinnahmen seit Jahrzehnten steigen, die Schulden aber noch mehr. Man lebt nicht von der Substanz, sondern auf Kosten späterer Generationen. Das kümmert keinen. Die politische Klasse verteilt gern Geschenke, sie bezahlt sie ja nicht selbst.
Unter den Geschenken finden sich die interessantesten Dinge. Wie kürzlich per Zufall bekannt wurde, zahlt etwa die Republik dem ORF zu den Zwangsabgaben noch 90 Millionen obendrauf. Dazu passt die Nachricht, dass die IVB für Studenten die ersten 30 Minuten Stadtrad gratis bereitstellte. Beides abzuschaffen hat erwartungsgemäß lautstarke Proteste ausgelöst. Im letzteren Fall reicht gratis studieren offenbar nicht.
Als Miteigentümer der Universitäten (=Steuerzahler) darf man sich ohnehin fragen, warum alle gratis studieren dürfen, auch Studien, nach denen später am Arbeitsmarkt keine Nachfrage besteht.
Besonders fragwürdig ist das Gratisstudium bei deutschen Studenten, österreichweit ca. 30.000 an der Zahl. Das sind bekanntlich diejenigen, deren Noten nicht ausreichten, um in Deutschland einen Studienplatz zu ergattern. Dass die Schilder an den Einfahrtsstraßen Universitätsstadt Innsbruck für manche, die eine Wohnung suchen, um einfach hier zu leben, eher eine gefährliche Drohung sind, liegt auf der Hand.
Eine alte Zahl, die ich noch von der IG Innsbruck kenne, lautet 9.000, und zwar Studierende mit deutscher oder italienischer Staatsbürgerschaft. Dividiert durch drei (pro WG) ergeben 3.000 Wohnungen. Die Zahl ist längst überholt. Eine aktuelle Zeitungsmeldung erwähnt 31.900 Studierende, das ergibt abzüglich der 48 Prozent Österreicher ca. 15.000, abgerundet. Geteilt durch 3 (eine WG) bedeutet das ca. 5.000 Wohnungen. Das ein wenig durch Studentenheime zu lindern erhöht den finanziellen Aufwand, denn Studentenheime finanzieren sich bekanntlich nicht von selbst.
Der einzige Weg dürfte sein, das Angebot zu reduzieren, also die Studienplätze. Anderswo wird das nun so gemacht. Die ETH Zürich, im weltweiten Ranking auf Platz 11, etwa hat den Auftrag erhalten, den Aufwand zurückzufahren. In einem Schweizer Blog finde ich die Kritik, dass ein Semester nur 750 Franken kostet, an der Yale University wären es $ 70.000. Den Einwand auf den Vorwurf, dass die Gebühr nun verdreifacht würde, lässt man nicht gelten, da auch dies die Kosten nicht annähernd deckt. So kostet ein Student im Jahr 50.000 Franken.
Zahlen für Verhältnisse hierzulande wären interessant zu wissen: Was kostet ein Studienplatz pro Semester in Innsbruck? Sechzig Prozent Chinesen in einer Fakultät an der ETH Zürich sind auch dort zu viel, nur noch jeder Fünfte ist ein Schweizer.
Etwas wird über kurz oder lang – besser kurz – geschehen müssen. Leider ist die Hoffnung bekanntlich ein gutes Frühstück, aber ein schlechtes Abendessen.
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