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Reinhard Kocznar
Nach Golde drängt,
am Golde hängt doch alles.
Ach wir Armen!
Notizen

Aber Gretchen! Heute ist Dein Name Eva (Kaili). Heute soll eine Lanze für Dich gebrochen werden. Das Geld steht unter Beschuss, unter immer stärkerem.

Jedenfalls das Bargeld, das wir notfalls unter dem Kopfkissen verstecken können, solange wir nicht zu viel davon haben. Bei Dir ist das was anderes, was natürlich neidlos zugestanden sein soll. Das Bargeld in dem Trolley, den Dein Vater in Deinem Auftrag aus dem Haus rollen wollte, war ja doch eineinhalb Millionen schwer. Und das in handlich kleinen Scheinen. Da holt man sich ein steifes Genick beim Schlafen. Deshalb mussten die übrigen 600.000 woanders abgelegt werden.

Natürlich ist nicht sicher, wem das Geld nun wirklich gehört. Damit hat durch die Beschlagnahme auch niemand Schaden gelitten, jedenfalls niemand, den man kennt. Bist Du sicher, dass es keine falschen Polizisten waren? Das passiert heute ja fast jeden Tag, dass ein Officer anruft und sagt, das Geld ist auf der Bank nicht sicher. Legen Sie es unten auf die Mülltonne, ein Geheimer holt es ab. Das passiert dann auch. Aber in Deinem Fall war es wohl echte Polizei. Es ist nicht weg, es hat nur wer anderer.

Verbrechen ohne Opfer, eine Geschichte mit diesem Titel zu schreiben schwebt mir schon lange vor.

What a price for a victimless crime singt Don Henley in einer seiner Nummern. Hier, Eva, hast Du ein starkes Zeichen gesetzt, ein zivilgesellschaftliches Projekt. Bargeld ist keine Selbstverständlichkeit, sagte der Vizepräsident der Schweizer Nationalbank kürzlich in einem Interview. Niemand versteht ihn im Moment besser als Du.

Deine Kolleg:innen in Brüssel kämpfen schon lange gegen Bargeld, die EZB segelt in ihrem Kielwasser, oder umgekehrt, so genau erkennt man das nicht. Bargeld muss abgeschafft werden, wegen des Schwarzgeldes. Demnächst sollen bare Transaktionen über 10.000 Euro überhaupt verboten werden. Das wäre immerhin ein Anfang. Natürlich wird dann die Welt wieder ein Stück besser, wie sie eben mit jedem neuen Verbot ein wenig besser wird.

Die Banken freuen sich auch darüber, denn jede Geldbewegung muss dann kostenpflichtig über sie abgewickelt werden. Sie kennen uns lückenlos und können entsprechende Empfehlungen abgeben oder alternativlose Methoden einführen, wie wir das Geld bei ihnen und über ihre Apparate verwenden.

Über allem aber schwebt das fortschrittliche China, das Land, in dem bekanntlich das Pulver erfunden worden ist. Das Bargeld, das man gelegentlich auch als Pulver bezeichnet, mögen sie allerdings weniger. Eines ihrer Projekte ist das Sozialkreditsystem, in dem alle erfasst sind und bewertet werden.

In dieses Punktesystem fließt alles ein, ob man pünktlich zahlt, welche Posts man in Foren schreibt, auch, ob man keine schreibt, ob man sich an den richtigen und keinesfalls an den falschen Stellen sehen lässt und so weiter, einfach alles. Fehlen einem die Punkte, dann geht am Konto nichts mehr. Dann gibt es einen monatlichen Rahmen von vielleicht 1.000 Euro, oder man kann nur 10 Liter Sprit oder einige KW Strom beziehen. Da ist es dann unwesentlich, ob man das Konto sauber geführt hat. Das Geld ist da und bleibt da, wo es ist.

Das Ende des Bargelds in der Schweiz ist in Sicht, lese ich in der hoffnungsvollen Titelzeile einer Finanzzeitschrift, die eine Studie zitiert. Bei den meisten Studien ist es allerdings so wie bei mündlichen Vereinbarungen – sie sind das Papier nicht wert, auf das sie geschrieben sind. Prognosen sind überdies schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen.

Westlich von uns ist man da rigoroser. Die SVP, die ja nicht links ist, unternimmt einen Vorstoß, der Zürcher Kantonalbank vorzuschreiben, in allen Filialen Bargeld zu akzeptieren. Allerdings ist man dort der Ansicht, dass die Wahl der Zahlungsmittel Haushalten und Unternehmen überlassen werden soll. Darunter fallen sogar Begriffe, die den Linken heilig sind, wie Inklusion aller Personen.
In einer Checkliste für Blackouts steht sinnigerweise: Bargeld.

Evas zivilgesellschaftliches Projekt erfreut sich somit breiter Akzeptanz. Wie kürzlich zu erfahren war, hat auch ein weiterer italienischer Abgeordneter Geld bekommen, aus untadeliger Quelle. Es kam von einer NGO(an sich: No Go) mit dem Namen Fight Impunity. Gegen Straffreiheit, ein edles Ziel. Man wird sich ja wohl noch was schenken lassen dürfen. Bis jetzt sind keine Rechten darin aufgetaucht. Soziale Wärme hat eben den richtigen Platz.

Leider hat Eva nicht das glücklichste Händchen bei dem schönen Ziel bewiesen. Richtig war es, das Geld nach Brüssel zu bringen. Eulen trägt man nicht nach Athen, und Euros schon gar nicht. Bis heute sagte man: Fürchte die Griechen, auch wenn sie Geschenke bringen. Der Jammer ist, dass es nun heißt: Fürchte die Griechen, auch wenn sie Geschenke nehmen.

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Reinhard Kocznar

Reinhard Kocznar ist Versicherungsmakler und lebt in Birgitz. Berufliche Laufbahn: LKW-Fahrer, pragmatisierter Postbeamter, Bankkassier, Geschäftsführer in einem Nachtlokal, dann im Reifenhandel, anschließend Tätigkeit in der Versicherung, zuletzt als Direktor. Seit 30 Jahren selbständig als Versicherungsmakler, während 25 Jahren zweiter Beruf als Leiter eines Softwareentwicklungsteams und Systemadministrator. Als Schriftsteller hat Kocznar bisher 7 Bücher veröffentlicht: Krimis, Thriller, Erzählungen und Essays. Literarisch betreibt er den Online-Buch-Shop: www.hardboiled-krimis.com.

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