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Reinhard Kocznar
Flughafen mit Potenzial
Notizen

Braucht Innsbruck den Flughafen, hatte seinerzeit der frischgebackene Bürgermeister sinniert. Nach einer Schrecksekunde erhoben sich vereinzelt Stimmen des Protests. Der Gedanke war damit scheinbar vom Tisch.

Es ist aber Illusion zu glauben, dass der Gedanke vom Tisch ist. Die Erfahrung zeigt, dass die Verbotsfraktion nicht locker lässt und den Topf am Köcheln hält. Mit dieser konsequenten Einstellung sind sie den Arglosen überlegen.

Mir gefällt der Flugplatz, weil er eine große freie Fläche schafft. Auch Hilde Raich, die seinerzeit die Protestbewegung angeführt hatte, kam in einer der Sitzungen der früheren Interessengemeinschaft Innsbruck zu demselben Schluss – ohne Flughafen hätten wir ein olympisches Dorf auch im Westen.

Ich habe einige Leute aus dem Immobilienbereich gefragt, was sie von den Ideen des Bürgermeisters halten. Da kam Leuchten in die Augen. 16.000 Menschen könnte man dort ansiedeln. Was das an Geschäft nicht nur für die Immobilienbranche bedeutet, war sofort klar.

Vorher würden aber viele andere Geschäft machen, Planer und Sachverständige, bis man bauen kann, Baufirmen und Zulieferer, und natürlich Anwälte und Notare. Die Banken verdienen an allen. Das massive finanzielle Interesse, das dahinter steht, ist unschwer zu erkennen.

Die 16.000 sind aber längst nicht alles.

Schon lange geistert eine Umfahrungsstraße für Götzens in vielen Köpfen. Der Verkehr wird immer dichter. Wohlhabende Innenstädter ziehen aufs Plateau und pendeln dann in die Stadt. Jeder freie Fleck wird verdichtet zubetoniert. Wenn Politiker angesichts dieser Betonorgie noch über den Verkehr nachdenken, scheint Erwachsenenbetreuung angesagt.

Die Umfahrung soll durch das nasse Tal bei Völs gehen. Ein Lokalpolitiker hat mir erzählt, dass der Bürgermeister einen jungen deutschen Stadtplaner hat. Dieser erkennt die Möglichkeit, weitere 8.000 Menschen anzusiedeln, und zwar an der geplanten Umfahrung.

Das wären dann weitere 24.000, Innsbruck auf dem Weg zur Megacity, dabei ist das Campagneareal erst zum Teil besiedelt. Dort wird mit der großen Kelle angerichtet. Es soll so dicht verbaut und damit bewusst so eng werden, dass wie in italienischen Altstädten Wäscheleinen von Haus zu Haus gespannt werden können. Das ist nicht etwa mir eingefallen, es wurde auf den Sitzungen der ehemaligen IG berichtet.

An Infrastruktur denkt man dabei nicht. Als das Postamt im Olympischen Dorf geschlossen wurde, empfahl man, doch nach Pradl auszuweichen. Bei dieser Post war aber Schlange stehen schon normal. Die Schließung ist zudem nicht über Nacht gekommen, hat aber niemanden aus der üblichen Warnungsfront aktiviert.

Dass Verkehr am besten gar nicht entsteht, weil Bedürfnisse in unmittelbarer Umgebung befriedigt werden können, hat da keinen Stellenwert. In so einem Fall lässt sich nichts einschränken oder wenigstens regeln.

Freie Flächen werden also seit Jahren konsequent zugebaut und damit zusätzlicher Wohnraum geschaffen, was aber die Mieten nicht sinken lässt. Ich muss bei Gelegenheit einen Nobelpreisträger fragen, woran das wohl liegen mag.

Ab einem IQ von 60 lässt sich aber das sogenannte Betongold erkennen. Leute, die nicht wissen, was sie mit ihrem Geld anfangen sollen und auch nicht in der Lage sind, sich wenigstens still darüber zu freuen, kaufen Wohnungen, die dann leer stehen.

Die rührenden Zahlen, die der Bürgermeister dazu verkündete, waren schon vor zwanzig Jahren überholt. Rührend war auch der Versuch einer Partei, die Schaffung eines Amts anzuregen, das den Vergoldenden das Vermieten erleichtern sollte. Ein zusätzliches Amt, und Hilfe beim Vermieten in Innsbruck, das muss man erst gesehen haben, um es zu glauben.

Vermieten ist Arbeit. Wenn man den oder die Falschen erwischt, hat man bei der aktuellen Gesetzeslage Pech gehabt. Ich vermiete ja auch nicht mein Sparbuch oder Wertpapierdepot.

Wer eine Immobilie um 300.000 kauft hat in 10 Jahren einen Wert von 600.000, da ist eine sogenannte Leerstandsabgabe von 2.000 im Jahr ein Scherz. Das wären kumuliert 20.000, verbleibt ein Gewinn von 280.000.

Sozialisten halten dieses Verhalten für Spekulation, es ist aber nur gewöhnliche Geldanlage. Eine lebenswerte Stadt fördert das eine so wenig wie das andere.

Das moderate Ansteigen der Zinsen, übrigens weltweit, dürfte der weiteren Verbauung einen kräftigen Dämpfer versetzen. Vielleicht hilft das dem Flughafen und seinem weitaus besten Zweck, wenigstens an einem Ende der Stadt eine Fläche zu haben, wo der Blick nicht bereits nach zehn Metern auf die Wand einer verdichteten viereckigen Wohnmaschine prallt.

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Reinhard Kocznar

Reinhard Kocznar ist Versicherungsmakler und lebt in Birgitz. Berufliche Laufbahn: LKW-Fahrer, pragmatisierter Postbeamter, Bankkassier, Geschäftsführer in einem Nachtlokal, dann im Reifenhandel, anschließend Tätigkeit in der Versicherung, zuletzt als Direktor. Seit 30 Jahren selbständig als Versicherungsmakler, während 25 Jahren zweiter Beruf als Leiter eines Softwareentwicklungsteams und Systemadministrator. Als Schriftsteller hat Kocznar bisher 7 Bücher veröffentlicht: Krimis, Thriller, Erzählungen und Essays. Literarisch betreibt er den Online-Buch-Shop: www.hardboiled-krimis.com.

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