Nicole Staudenherz
Der Igel ist das beliebteste Tier
der Österreicher.
Notizen

Durch Insektenschwund, Zerstörung des Lebensraums und die Mähroboter sind die Igel vom Aussterben bedroht. Gerade jetzt sind die Igelstationen mit halb verhungerten, jungen und auch adulten Igeln überfüllt.

Es liegt in unserer Verantwortung, diese Tiere, die seit 66 Millionen Jahren auf der Erde leben und nun auf der Roten Liste stehen, zu unterstützen, damit sie nicht aussterben. Wenn man jetzt einen Igel sieht, sollte man ihn sichern und zu einer Igelexpertin oder zu einer Wildtierstation zur Beobachtung bringen.

Igel finden im November keine Nahrung mehr und nehmen ganz schnell ab, bzw. verhungern. Wenn man keine Handschuhe mit dabei hat, kann man den Igel mit einem Schal, Stoffsack oder einem Papiersack aufheben. Hauptsache er wird gesichert.



Wie erkennt man, dass ein Igel Unterstützung benötigt?

GESUNDER IGEL:
Er bewegt sich schnell
Groß und kräftig
Runde Körperform
Augen sind knopfförmig und klar
Er rollt sich sofort bei Berührung ein
Nase feucht

KRANKER IGEL:
Der Igel ist als nachaktives Tier tagsüber unterwegs
torkelt
läuft nicht davon
liegt auf der Seite oder in der Sonne
rollt sich nicht zusammen (natürliche Abwehrhaltung),
beim Aufheben fühlt sich Bauch kühl an
sieht abgemagert aus (hervorstehende Hüftknochen, eingefallene, schlitzförmige (nicht kugelig vorstehende) Augen, wurstförmiger Körper, Rolle nicht geschlossen, sieht eher oval als rund aus, Schnauze trocken (nicht feucht und glänzend), Haut am hinteren Rücken lässt sich ziehen)
hustet bzw. keucht oder brodelt beim Atmen, röchelt
eitriges Nasensekret (blubbert aus Nasenlöchern)
hat im Sommer Fliegeneier und Maden im Stachelkleid
hat viele Zecken
läuft bei Frost und Schnee herum
hat Durchfall oder stinkende Würstchen (Igelkot gesunder Igel riecht kaum)

Wenn er Hilfe benötigt, mit Handschuhen aufheben und in die Wohnung, ins Haus bringen. Abwiegen, auf Verletzungen prüfen und ihm ein Nest bereitstellen. Wasser und Katzennassfutter ohne Getreide geben. KEINE MILCH oder Katzenfutter mit Sauce. Hundefutter eignet sich aufgrund des geringen Proteingehalts weniger.

Igel kommen im August/September auf die Welt. Igelbabys mit einem Gewicht unter 200 Gramm werden noch von der Mutter gesäugt und sie lässt sie im Normalfall nie lange alleine. Wenn man einen kleinen Igel außerhalb oder im Nest findet, zuerst abwarten, ob die Igelmama zurückkommt. Wenn sie nach zwei Stunden nicht erscheint, sollte man die Igelbabys in die Wohnung holen und ihnen ein warmes Nest bauen. Ein kleiner Karton mit Küchenrollenschnipsel oder einer Mütze oder Tuch.

Mit gewässertem Katzenfutter füttern und eine Schüssel Wasser bereitstellen. KEINE MILCH GEBEN, SIE BEKOMMEN LEBENSBEDROHLICHE DURCHFÄLLE!! Beobachten, ob er selbstständig frisst. Und sofort Igelexperten kontaktieren.



Wissenswertes über Igel

Igel sind dämmerungs- und nachtaktive insektenfressende Winterschläfer. Sie gehören erdgeschichtlich zu den ältesten noch existierenden Säugetierformen. Ihre Vorfahren lebten schon vor etwa 65 Millionen Jahren, ihr jetziges Aussehen besitzen die Stacheltiere seit circa 15 Millionen Jahren.

Durch ihr Stachelkleid unterscheiden sich die Igel von allen anderen einheimischen Tieren. Igel besitzen bei der Geburt bereits an die 100 zunächst in die aufgequollene Rückenhaut eingebettete weiße Stacheln, ausgewachsene Tiere haben rund 6000 bis 8000 Stacheln. Bei unmittelbarer Gefahr oder Berührung rollen sich Igel mithilfe eines Ringmuskels ein und richten die Stacheln auf.

Doch der Mensch gefährdet den Igel, indem er seinen Lebensraum zerstört. Viele Gärten bieten ihm wenig Nahrung und Unterschlupf, da die Rasen kurz geschnitten werden. Dünger und die Rasenroboter bergen eine große Gefahr für diese Tiere. Viele Igel sterben im Straßenverkehr.


Und so sieht ein Igel-freundlicher Garten aus:

Hecken sowie Gebüsche werden gerne von Igeln als Unterschlupf verwendet. Allgemein lieben sie es eher etwas unordentlich und freuen sich über Blätterhaufen, in denen sie es sich gemütlich machen können. Naturnahe Gärten sind somit der ideale Ort für einen Igel. Für ihr Winterquartier brauchen Igel eine wetterfeste, trockene Umgebung.

In Hecken, in Laubhaufen, auch in Hohlräumen in der Nähe von Häusern, unter einem Holzstapel. Igel suchen sich oft die interessantesten Möglichkeiten als Nest aus. Man kann Igel auch Igelhäuser zur Verfügung stellen, diese erhält man in diversen Baumärkten. Wichtig ist, dass das Haus gut versteckt ist und der Igel das Gefühl hat, dass niemand weiß, dass er darin wohnt.

Sobald man in ein Nest hineinsieht, entfernt sich der Igel. Also NIEMALS in ein Igelhaus sehen, außer man vermutet ein Igelbaby oder einen verletzten Igel dort. Das Igelhaus wird mit viel Zeitungspapier befüllt, das man zuerst in kleine Streifen reißt. Die Igel gehen nun bald in den Winterschlaf. Ein erwachsener Igel benötigt ein Gewicht von 800-900 Gramm, um den Winterschlaf gut zu überstehen. Igel die heuer geboren sind, benötigen ein Gewicht von ca. 700 Gramm.

Kontakt bei Fragen: strizelherz@gmail.com
Fotorechte: Schöpf / Staudenherz

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Nicole Staudenherz

Nicole Staudenherz, geb. 1976 in Innsbruck, verheiratet, Betreuerin autistischer Kinder, Pflegerin bei den Sozialen Diensten Innsbruck, Pflegehelferin bei Tirol Kliniken, Diplom. Gesundheits- und Krankenschwester Tirol Kliniken, LKH Natters und Hochzirl, inzwischen hauptberufliche Kampagnenleiterin des Vereins gegen Tierfabriken (VGT).

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