Literarische Korrespondenz:
Walter Plasil an Alois Schöpf
Betrifft:
Erbschaftssteuer
Bezugnehmend auf die Kolumne
in der Tiroler Tageszeitung vom 14.02.2026

Alois Schöpf
Die Tugend, in Generationen zu denken.
Apropos

Zitate sind kursiv und fett gedruckt

Zur Rettung ihrer schwindenden Gefolgschaft verlangt die SPÖ eine Volksabstimmung über die Einführung einer Erbschaftssteuer.

Das ist nicht korrekt. Erbschaftssteuer: Volksbefragung für SPÖ keine Parteiforderung (ORF 05.02.2026 10.05). Der Vorschlag von Staatssekretärin Michaela Schmidt (SPÖ), eine Volksbefragung zur Einführung der Erbschaftssteuer zu initiieren, ist laut der SPÖ keine offizielle Parteiforderung.

Es sei zwar nicht überraschend, dass Schmidt das Thema für einen geeigneten Volksbefragungsgegenstand hält, hieß es heute aus dem Büro von Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) gegenüber dem Ö1-Journal um acht. Derartige Entscheidungen würde man aber in der Koalition gemeinsam treffen.

Persönliche Meinung: Schmidt, die auch Regierungskoordinatorin für ihre Partei ist, hatte im Kurier-Talkformat Bei Gebhart gemeint: Ich kann mir persönlich vorstellen, dass wir zum Beispiel die Erbschaftssteuer ebenfalls zum Thema einer Volksbefragung machen.

Sie wird auch Millionärssteuer genannt, um den Neid anzustacheln.

Der Neid wird auch angestachelt in: 75 % der EU-Staaten. Dort erheben laut aktuellen Daten 19 bis 20 der 27 Mitgliedstaaten eine Form von Erbschafts-, Nachlass- oder Schenkungssteuer.

Erbschafts- oder Nachlasssteuern werden weltweit sehr unterschiedlich gehandhabt. Während die Mehrheit der europäischen Länder solche Steuern erhebt, haben andere sie vollständig abgeschafft oder kennen sie gar nicht.

Länder mit Erbschaftssteuer
• Hohe Steuersätze: Zu den Ländern mit den potenziell höchsten Spitzensteuersätzen (oft für entfernte Verwandte oder große Vermögen) zählen Japan (bis 55 %), Südkorea (bis 50 %), Deutschland (bis 50%, mit hohen Freibeträgen) Frankreich (bis 60 %), Großbritannien (40 %) und Spanien.
• Weitere europäische Länder, die Erbschaftssteuern einheben: Italien, Belgien, Niederlande, Finnland, Griechenland, Irland, Polen, Litauen und Luxemburg.
• USA: Hier gibt es eine Nachlasssteuer auf Bundesebene mit hohen Freibeträgen, ergänzt durch Steuern in einzelnen Bundesstaaten.
• Schweiz: Die Erbschaftssteuer wird auf kantonaler Ebene geregelt. In fast allen Kantonen sind Ehegatten befreit, meist auch direkte Nachkommen; für entfernte Verwandte fallen jedoch Steuern an.

Länder ohne Erbschaftssteuer
Einige Staaten verzichten komplett auf diese Steuerart, zum Teil aufgrund von Verfassungsentscheidungen.
• Europa: Österreich (seit 2008 abgeschafft), Schweden (seit 2004 abgeschafft), Norwegen (seit 2014 abgeschafft)
• Slowakei, Estland, Lettland, Malta und Zypern.
• Weltweit: Australien, Kanada, Neuseeland, China, Indien, Israel, Russland, Singapur und Hongkong.

In diesem Zusammenhang sollten sich allerdings viele Tiroler nicht wundern, wenn sie aufgrund der Immobilienpreise rascher Millionäre sind, als es ihnen lieb ist.

Die vorgeschlagenen Grenzen, die zahlreichen Ausnahmen und Erleichterungen, die von mehreren politischen Gruppen und Parteien vorgeschlagen werden, können weder Erben einer Eigentumswohnung noch eines Häuslbauers in Bedrängnis bringen. Gemäß den nachvollziehbaren Berechnungen wären nur wenige Prozent der Bevölkerung betroffen. Steuern würden erst für jene Beträge anfallen, die die Freigrenzen je Person überschreiten.

Es ist also falsch, dass viele Tiroler betroffen wären, wenn man auch nicht weiß, was eigentlich viele Tiroler sind. In dem Fall jedenfalls eine ziemliche Minderheit (um dem ungewissen wording treu zu bleiben)

Und noch ein weiterer Begriff wird zwecks Herabsetzung jener, an deren Vermögen man herankommen will, verwendet: Arbeitsloses Einkommen! Solche Klischees stammen noch aus feudalen Zeiten, als vornehme Nichtstuer von den Renditen ihrer Güter lebten. Für die Gegenwart sind sie kaum noch repräsentativ, eignen sich jedoch als Feindbild hervorragend.

Österreich ist ein Hochsteuerland, aber das betrifft nur die Steuern auf Arbeitseinkommen. Wer erbt, muss dafür keine Leistung nachweisen und nichts dafür arbeiten. Was ist das sonst, als arbeitsloses Einkommen? Das ist eben so, damit wird kein Erbender zum Feindbild herabgesetzt.

Es ist nicht verboten, von den Renditen seiner Güter zu leben. Renditen sind Einkünfte, für die jemand Steuer bezahlt. Und wenn Werte vererbt werden, sollte eine einmalige Abgabe für den Begünstigten so selbstverständlich werden, wie es für alle anderen Einkünfte auch ist. Im Prinzip muss bei uns jeder im Inland Steuerpflichtige (mit Lebensmittelpunkt Österreich) sein gesamtes Einkommen im Inland versteuern. Für alles, was der Steuerzahler dann für sich kauft, muss er von dem bereits einmal versteuerten Geld wieder Steuern zahlen, etwa die Mehrwertsteuer.

Allen Beschäftigten, sogar den Pensionisten werden alle Steuern für jeden Euro an Einkünften sogar automatisch abgezogen. Nur Einkünfte aus Erbschaft sind steuerfrei. Warum also diese Ausnahme?

Sehr oft nämlich verfügen gerade vermögende Leute über den Ehrgeiz, das, was sie selbst geschaffen oder geerbt haben, zumindest gut zu verwalten oder in einem noch besseren Zustand der nächsten Generation weiterzugeben, einer Generation, in deren Bildung alles nur Erdenkliche investiert wird, um sie zu befähigen, dieses sich über Generationen hinweg erstreckende Aufbauwerk fortzusetzen. 

Das ist sehr löblich und sollte weiterhin so bleiben.

Man sagt dann denunzierend dazu: Die Bildung ist erblich.

Da ist etwas durcheinandergekommen. Es gilt als gesichert, dass Kinder aus wohlhabenderen Familien höhere Bildung erfahren. Da spielt die Erbschaftssteuer aber gar keine Rolle.

Dass die Leistung, für sich und die Seinen Wohlstand zu schaffen, nicht durch eine Erbschaftssteuer bestraft werden sollte.

Steuerabgaben sind keine Strafen, sondern leider notwendig (auch zu meinem Leidwesen). Aber der Grundsatz von sozialer Solidarität und humaner Gerechtigkeit wiegt schwerer.

Wohlstand schaffen und Erbschaftssteuer widersprechen sich nicht. Sonst würde ja, je weniger besteuert wird, der Wohlstand der Gesellschaft immer größer werden. Und in Ländern mit Erbschaftssteuern wäre demnach Wohlstand nicht erreichbar. Aber ohne gerechtere Besteuerung wird nur der Wohlstand jener größer, die weniger Steuer zahlen. Der Wohlstand der Gesellschaft hat da nichts davon.

Mittlerweile ist es durch das weltweit kapitalistisch organisierte Wirtschaftsleben zu einem nahezu unglaublichen Auseinanderklaffen zwischen Arm und Reich gekommen. Das wird beklagt und als Ansammlung von gefährlichem sozialem Sprengstoff geschehen. Dabei geht es hauptsächlich um die ganz Großen, vor deren Macht wir uns zurecht fürchten dürfen, und sicher nicht um die Kleinen oder den Mittelstand.

Keine Erbschaftssteuer ..war auch eine wesentliche Aussage des Bundeskanzlers, der sich unlängst in seiner Grundsatzrede erneut gegen eine Erbschaftssteuer aussprach. 

Das ist korrekt. Aber die Befürworter einer Erbschaftssteuer dürften in Österreich längst eine satte Mehrheit darstellen. Das sagen jedenfalls Umfragen. Darunter sind auch Millionäre (tax me).

Tatsächlich wäre es an der Zeit, die urbürgerliche Tugend, in Generationen zu denken, etwas aufzubauen, um es den Kindern zu hinterlassen, von denen man dann erwartet, dass sie ähnlich handeln. 

Das geschieht ja, da spricht nichts dagegen. Das würde sich auch mit Erbschaftssteuern nicht ändern.

…nicht mit postmarxistischen Vorurteilen zu disqualifizieren,

Erbschaftssteuer wäre demnach ein disqualifizierendes, postmarxistisches (?) Vorurteil. Aber warum haben dann 2/3 der EU-Staaten eine Erbschaftssteuer? Das kann ich mir nicht erklären. Marx kann uns da auch nicht weiterhelfen, der ist seit 143 Jahren tot. Man sollte das, was von ihm stammt, mit hermeneutischer Methode analysieren und ihn im Übrigen ruhen lassen und nicht immer wieder versuchen, ihn als Schreckgespenst auszupacken. Als Erklärperson für die Taten und Untaten der aktuellen Politiker und deren Denkweisen kann er nicht mehr dienlich sein. Die Gesellschaft, die er damals analysiert hat, gibt’s nicht mehr. Die von ihm erforschten Strukturen des Kapitalismus aber schon.

….sondern sie als Motor eines Wohlstands anzuerkennen, von dem alle profitieren.

Erbschaftssteuer könnte man tatsächlich als kleinen Motor des Wohlstands sehen, von dem alle profitieren. Geht’s der Gesellschaft gut, geht’s uns allen gut. Wir alle sind ja die Gesellschaft, der Staat. Und den müssen wir gemeinsam auf solidarische Art finanzieren, damit er uns jene Leistungen sicherstellen kann, die wir von ihm erwarten.
Oder habe ich da etwas missverstanden?


Die zitierte Kolumne: https://schoepfblog.at/alois-schoepf-die-tugend-in-generationen-zu-denken-apropos/

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Walter Plasil

Walter Plasil, Jahrgang 1946, geboren in München, aufgewachsen in Wien, seit 1971 in Innsbruck. Führte viele Jahre das INGENIEURBÜRO WALTER PLASIL für Technische Gebäudeausrüstung und Energieplanung und war als Allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger tätig. Walter Plasil: „Ich war immer ein Vielschreiber und habe nun, nachdem meine bisherige Tätigkeit dem Ende zugeht, Zeit und Lust dazu, auch zu veröffentlichen. Mein neuer Beruf daher: „Literat.“

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