Literarische Korrespondenz
Reinhard Walcher an Christoph Schmarl
Betrifft:
Anmerkung zum Kommentar zu:
Trotz Millionen Opfern nichts gelernt. (Satire?)

Sehr geehrter Herr Schmarl!

Danke für Ihren Kommentar zu meinem Artikel Propaganda. Teil II. 
Folgendes muss ich klarstellen (Punkt 1) beziehungsweise will ich kommentieren (Punkte 2 und 3):

1. Ihre Anmerkung zur Entkulakisierung: Natürlich waren die Hungersnot in der Ukraine und der staatlich organisierte, millionenfache Massenmord an den Kulaken (Bauern) zwei getrennte, vom stalinistisch-marxistischen Regime verursachte Menschheitstragödien. Unverständlicherweise hat der Herausgeber und Lektor(?) des schoepfblog, Alois Schöpf, durch seine Einfügung  … im Zuge der Entkulakisierung … einen Fehler ohne mein Wissen und Zutun in den Text eingebaut. Herr Schöpf möge sich dafür in einer Mitteilung des Herausgebers erklären und in Zukunft das Korrigieren eines gewissenhaft geschriebenen Textes (bitte!) unterlassen.

2. Ihre Kritik bezüglich fehlender Differenzierung: Selbstverständlich kann ein kurzer Essay nicht alle Aspekte der historischen Zusammenhänge des Kommunismus und des Phänomens Karl Marx abdecken, sondern muss auf das (meiner Meinung nach) Wesentliche vereinfachen.

Marx hat über 2700 Seiten gebraucht, um seine Idee, die sich auf eine kurze Wirtshausgeschichte satirisch-psychoanalytisch reduzieren lässt (siehe Teil I), in die Welt zu tragen. Das Wesentliche bleibt, wie mit Engels im Kommunistischen Manifest angekündigt, die Abschaffung der (logisch-natürlichen) gesellschaftlichen Klassen, die Enteignung der herrschenden Klassen und das kollektiv geplante Wirtschaften. 

Daraus erwachsen ist die weltweite Katastrophe namens (marxistischer) Kommunismus: Blutige Revolutionen, Planwirtschaft, Diktatur, Unterdrückung (vor allem des Individuums), Armut, Hungersnöte, Zusammenbruch. Um das Wesentliche gibt es, bei allem Respekt, hier nichts herum zu differenzieren.

3. Ihre Kritik an Pauschalierung: Die pauschal und unvollständig aufgezählten Gruppierungen, die – gefangen im linksgrünen, woken Zeitgeist – unabsehbares Unheil über unsere Gesellschaft und die westliche Zivilisation bringen (wollen), würde ich, nach Lektüre ihres Kommentars nicht mehr dezidiert als marxistisch – ich glaube nicht, dass Greta oder Luise Das Kapital gelesen haben – sondern eher als antiwestlich, antikapitalistisch, antisemitisch/antiisraelisch, politisch korrekt-diktatorisch, naturromantisch und antidemokratisch bezeichnen.

Mit freundlichem Gruß
Reinhard Walcher

PS des Herausgebers:

Einerseits entschuldige ich mich, dass mir bei der Korrektur ein Fehler unterlaufen ist, andererseits zitiere ich unten den Originalsatz, den ich mit einer Schätzung von 1 bis 30 Millionen seriöser Weise so nicht stehen lassen konnte und ihn vom Sinn her und fälschlicherweise vor allem auf die Entkulakisierung in der Ukraine bezog. Walcher jedoch meinte die Hungersnot von 1946/47, die ebenfalls die Ukraine betraf. Ich entschuldige mich für das Missverständnis, möchte jedoch einräumen, dass meine Korrektureingriffe nicht willkürlich sind, sondern ich mir dabei etwas denke, auch wenn es dann falsch sein kann.
A. Schöpf

Zitat Artikel Reinhard Wacher im Original: Mehr als eine Million (Schätzungen sprechen von bis zu 30 Millionen) Bauern verhungerten um 1946 unter Josef Stalin in der leninistisch-marxistischen Diktatur der Sowjetunion.

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Reinhard Walcher

Reinhard Walcher, Dipl.-Ing., Architekt, Blogger, Essayist, Karikaturist und Zeichner, Maler, Rettungsfahrer, Schilehrer und so weiter … (Jahrgang 1953) hat nach 15 Jahren den Architektenberuf an den Nagel gehängt und lebt seither als freischaffender Cartoonist und seit 2009 als Reiseschriftsteller Der Bimreiser.

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