Literarische Korrespondenz:
Markus Fenner an Susanne Weinhöppel
Betrifft:
„DER FEMINISMUS“
Mit dem Beitrag von Susanne Weinhöppel bin ich sehr einverstanden. Sie schildert in leichtem Ton, sehr unsentimental, überaus persönlich, also auch fragmentarisch, die Rolle, die der Feminismus in ihrem Leben spielte und spielt.
Damit reagiert sie zugleich freundlich, fast augenzwinkernd auf die kürzlichen Wortmeldungen eines Autors in diesem Blog, die ihr wohl eher sauer aufgestoßen sind. Mir ging es dabei ähnlich.
Durch ihre Reaktion darauf hat mir Weinhöppel jetzt einen positiven (nicht nur nörgelnden) Anlass geliefert, auch einmal etwas zum Thema der Feminismus zu sagen. Reichlich inkonsequent von mir, wo ich doch überzeugt bin, dass dieser Prozess am besten gedeiht, wenn eher wenig darüber geredet wird.
Allein sein deutscher Name (im Masculinum!)… deshalb steht diese Missgeburt bei mir auch in Gänsefüsschen.
Der Feminismus als Angriffsfeld der Satire – gerne, wunderbar! Aber was, wenn wie hier im Blog, der Kritiker sich streng wissenschaftlich gibt, ganz objektiv, humorlos mit Statistiken raschelt (auch einen fetten Zirkelschluss damit baut) und dann, gerade durch das seriöse Gebaren, sich so ein weinerlicher Unterton einschleicht?
Der selten unverdächtige Ruf nach Gerechtigkeit, Ausgleich o.ä. ist hier von vornherein verfehlt. Wie bei allen wirklich tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen geht es hier nicht um eine ohnehin nicht praktikable Gerechtigkeit, sondern um Wechsel, den Wechsel von Rollen und den Wechsel von Macht. Das entzieht sich jeder Bemessung und kann nicht angeglichen werden wie Gehälter. Das ist nun doch etwas komplizierter.
Wir alle befinden uns in einem ungeheuer komplexen, alle Bereiche des Lebens erfassenden Veränderungsprozess, der zum Glück nicht revolutionär, sondern sanft evolutiv sich vollzieht.
Dieser Prozess kam sichtbar vor über 100 Jahren in Gang und dringt seither still und unbezwinglich in den abgestorbenen Elementen einer mehrtausendjährigen Grundordnung vorwärts. Natürlich hatten die Nutznießer dieser Ordnung das damals nicht begriffen. Zum Teil begreifen sie es auch heute noch nicht, doch dieser Prozess wird noch lange andauern.
Und natürlich wird er sich nicht durch idealische Herstellung irgendeiner Gerechtigkeit vollziehen. Die Geschichte zeigt, dass derlei gerne mit nackter Gewalt endet. Fundamentale Veränderungen vollziehen sich besser im heterogenen Zusammenwirken von ausgleichenden Ungerechtigkeiten.
Gerechtigkeit ist etwas Abstraktes, die einzelne Ungerechtigkeit aber ist im Konkreten zuhause. Das erstere kann zur zerstörerischen Revolution ausarten, das zweite zu einer evolutiven Umwandlung führen, durch die eine neue Balance möglich wird.
Mag sein, dass es manchen Männern nicht mehr so viel Spaß macht, wie früher auf der Täterseite zu sein. Privilegienverluste sind schmerzhaft, aber kein Grund, plötzlich wehklagend auf die Opferseite hinüber zu drängeln. Weinhöppel bedauert netterweise die Männer, die sich plötzlich auch diskriminiert fühlen. Mein Tipp: Nicht quengeln, Jungs, tragt es wie Männer und seid froh, dass ihr mit dabei sein dürft.
Denn wenn wir uns mal die Krokodilstränen wischen und von den paar Benach-teiligungen absehen, profitieren die Männer doch längst schon davon. Ich auf jeden Fall.
Durch all die Bewegungen, die die glorreichen Suffragetten seinerzeit in Gang gebracht hatten, war es mir schon in jungen Jahren vergönnt, Frauen zu begegnen, wie sie sich in früheren Generationen gar nicht hätten entwickeln können.
Die hatte es davor einfach nicht gegeben. Doch zu meinen Lebzeiten gab und gibt es sie schon, Menschen wie meine Frau, wie meine Tochter und meine Enkelin, wie eine Reihe guter Freundinnen… und sie alle sind so freundlich, ihr Leben mit mir zu teilen. Fei Massl ghabt!
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