Literarische Korrespondenz:
Thomas Grusch, Regie / Ernst Pohn, Sendeverantwortlicher an Alois Schöpf
Betrifft: Beschwerde hinsichtlich der Missachtung der Leistungen
des Regisseurs Reinhard Schwabenitzky
bei der Produktion der Fernsehserie
„Ein echter Wiener geht nicht unter“

Sehr geehrter Herr Schöpf!

Ich melde mich bei Ihnen als Sendungsverantwortlicher der Sendeleiste zeit.geschichte. Ich habe Ihre Beschwerde zu unserer Dokumentation Ein echter Wiener geht nicht unter – Die Geschichte der Kultserie weitergeleitet bekommen. Die Doku ist Teil einer Reihe von Dokumentationen über wichtige und prägende Fernsehsendungen, die für die zeit.geschichte-Sendeleiste produziert wurden.

Ich habe Ihre Kritikpunkte an Regisseur Thomas Grusch weitergeleitet und darf Ihnen die mit mir abgestimmte Stellungnahme dazu schicken.

Grundsätzlich ist es das Ziel der intern als Fernsehjuwele laufenden Dokumentationsreihe, die Entstehungsgeschichte und zeitgeschichtliche Einordnung von bekannten und beliebten österreichischen Fernsehsendungen und Filmen zu beschreiben, immer mit dem Anspruch der Unterhaltung und Information des Publikums.

Einerseits ist es uns wichtig, mit noch lebenden Mitwirkenden der jeweiligen Serie zu sprechen: Schauspielerinnen und Schauspieler, Autoren, Regisseure und Produzenten. Zweitens beschreiben wir den gesellschaftlichen Kontext der Zeit, in der die Serie produziert wurde. Zentraler Bestandteil sind dabei immer Ausschnitte aus den jeweiligen Originalfilmen, die vor allem von den Zuschauern geschätzt werden.

Ihr Vorwurf, die Leistung von Reinhard Schwabenitzky würde nicht gebührend gewürdigt werden, tut uns leid, wir dürfen aber auf drei Stellen in der Dokumentation hinweisen, die sich mit Reinhard Schwabenitzky und den Produktionsverhältnissen beschäftigen:

Zwischen Minute 06:23 und 07:40 spricht Liliana Nelska darüber, wie sie Reinhard Schwabenitzky als Regieassistent von Axel Corti kennengerlernt hat. Sie erzählt, wie er nach dem Corti Film Totstellen die Schauspieler für seinen ersten Film mitgenommen hat. Dabei werden auch Archivaufnahmen von Reinhard Schwabenitzky in jungen Jahren und bei Dreharbeiten zu Ein echter Wiener geht nicht unter gezeigt.

Zwischen Minute 25:44 und 26:24 wird über die prosaischen Produktionsverhältnisse in den Rosenhügel-Studios gesprochen und das sehr billige Set erklärt.

Und in Minute 27:20 bis 27:46 spricht Erika Deutinger über die Improvisation unter Reinhard Schwabenitzky und darüber, dass sich der Regisseur immer schiefgelacht hatte.

Da Reinhard Schwabenitzky leider bereits verstorben ist, konnten wir mit ihm natürlich kein Interview führen, sondern haben uns für seinen Assistenten Kurt Ockermüller entschieden, der dann ja auch Regisseur der Folgen 17 – 24 war. Das wird in seinem Insert auch genau so dargestellt.

Ernst Hinterberger wird als Autor immer mit dem Echten Wiener in Verbindung gebracht und wurde auch schon zu Lebzeiten oftmals dazu befragt, wie die gezeigten Club 2 Ausschnitte dokumentieren. Auch in allen Nachrufen anlässlich seines Todes wird immer über seinen ersten großen Erfolg – den Echten Wiener – gesprochen.

Karl Merkatz wird in den Augen des Publikums natürlich am stärksten mit dem Mundl identifiziert. Es wird aber auch in der Dokumentation erwähnt, dass er als Schauspieler, sehr oft auf diese Rolle reduziert wurde, was seiner Schauspielkunst nicht gerecht wurde. Und Karl Merkatz ist natürlich für große Teile des Publikums das Aushängeschild der Serie. Nicht umsonst nennen die meisten Österreicher die Serie auch heute noch den Mundl.

Von den noch lebenden Schauspielerinnen und Schauspielern waren Erika Deutinger und Liliana Nelska die Prominentesten, die mitwirken wollten. Ingrid Burkhard war natürlich von uns angefragt, hat aber auf Grund ihres Alters gebeten, die Jüngeren zu interviewen. Klaus Rott hat aus persönlichen Gründen abgesagt.

Die angesprochenen Experten Franz Schuh, Karin Moser und Gerald Szyszkowitz wurden in gemeinsamer Abstimmung von Redaktion und Regie ausgesucht. Alle drei haben unserer Meinung nach gute und relevante Interviewbeiträge zur Dokumentation eingebracht.

Der Anspruch der Dokumentation ist gleichzeitig zu informieren und zu unterhalten. Natürlich wurde versucht insbesondere lustige und markige Stellen aus den Originalfilmen auszuwählen, Stellen die auch den meisten Zusehern in Erinnerung sind. Es werden nichtsdestotrotz zeitgeschichtliche Themen als auch die sozialkritischen Passagen des Echten Wieners angesprochen und gezeigt (Fristenlösung, Zwentendorf,…)

Eine 45-minütige Dokumentation über eine 24-teilige Sendung muss immer eine Auswahl der Themen und gezeigten Personen vornehmen. Dass Sie den Regisseur Reinhard Schwabenitzky zu wenig gewürdigt sehen, tut uns leid, ist aber weder in böser Absicht geschehen, sondern viel mehr der Fülle der zu besprechenden Themen und Anekdoten geschuldet.

Mit besten Grüßen,
Thomas Grusch, Regisseur Ein echter Wiener geht nicht unter – Die Geschichte der Kultserie
Ernst Pohn, Sendungsverantwortlicher ORFIII zeit.geschichte

Die Beschwerde: https://schoepfblog.at/alois-schopf-der-regisseur-reinhard-schwabenitzky/

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