Literarische Korrespondenz:
Hermann Arnold an schoepfblog
Betrifft:
Warum Latein mehr
als eine Sprache ist.

Wer das Glück hatte, ein humanistisches Gymnasium besucht zu haben und dort in Latein und Griechisch unterrichtet zu werden, weiß um die Bedeutung dieser Sprachen für Kultur und Bildung.

Mag sein, dass man diese Sprachen als tot bezeichnet und deshalb manche glauben, auf diese Ausbildung verzichten zu können. Tatsache ist, dass man vor allem Latein als Zugang für verschiedene Universitätsstudien braucht und deshalb ein Latinum nach wie vor verlangt wird. Nicht zufällig dürfte man deswegen eine bestimmte Mindeststundenanzahl in Lateinausbildung festgelegt haben.

Wenn nun die erforderlichen Lateinstunden für das Latinum um ein Drittel gekürzt werden, erhebt sich doch die Frage, wozu man früher die derzeit vorgesehene Stundenanzahl in dieser Höhe festgelegt hat? Ist es wirklich so, dass man jetzt plötzlich in viel kürzerer Zeit die notwendigen Kenntnisse vermitteln und erlernen zu können glaubt oder will man halt einfach ein paar Stunden übriglassen, um zumindest den Anschein einer Lateinausbildung zu wahren?

Dass man mit Latein das Fundament auch anderer Sprachen wie Italienisch, Französisch oder Spanisch berührt, wird offenbar genauso verschwiegen wie der Umstand, dass Latein für Satzbau, Denkfähigkeit und Ähnliches auch in der deutschen Sprache von Vorteil ist.

Übersehen wird aber auch, dass Grundsätzliches in Bildung, Kultur und Philosophie mit dem Erlernen der lateinischen Sprache untrennbar verbunden ist. Wenn die zu diesem Thema laufenden Petitionen von bedeutenden Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Kultur unterschrieben wurden, dann ist daraus doch auch der Schluss zu ziehen, dass es hier um mehr geht als nur um die Einsparung von ein paar Lehrstunden zugunsten anderer Erfordernisse.

Nicht sicher bin ich mir auch, ob die Kenntnisse, die anstelle von Latein vermittelt werden sollen, für die Bildung und den Berufsweg im Leben gleich wertvoll und dauerhaft sind? Damit will ich durchaus nicht sagen, dass vermehrte Kenntnisse im EDV-Bereich oder im Bereich der KI nicht notwendig sind. Aber im Bereich Kultur und Bildung, die für die Gesellschaft von großer Bedeutung sind, ersetzen sie Latein nicht.

Vielleicht sollte man die Volksvertreter (Consuln) doch an den Geist der Römer erinnern, wenn sie – auf die Bildung bezogen – fordern würden: Videant consules, ne quid detrimenti res publica capiat.  – Die Konsuln sollen darauf achten, dass der Staat keinen Schaden nimmt.

Dr. Hermann Arnold

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Hermann Arnold

Geboren 22. Okt. 1938 in Sölden, Kleine Landwirtschaft, Vater Berg- und Schiführer, vier Geschwister , sechs Jahre Volksschule, dann Gymnasium Paulinum in Schwaz, Matura 1958, anschließend Jusstudium in Innsbruck. In der Studienzeit Schilehrer, Fremdenführer, Güterwegarbeiter, tätig in einer Werbeagentur und in einer Versicherungsassekuranz; Promotion, Bundesheer, Gerichtsjahr, Eintritt in Landesdienst für Agrarwesen, Soziales, Sekretär von Eduard Wallnöfer ab 1974 bis zu seinem Regierungsende. Dann Leiter von Wasser und Energie, Grundverkehrsreferent und schließlich Landessamtsdirektor ab 1995 bis zur Pensionierung 2004. Zehn Jahre lang Vorstand der Timmelsjoch Hochstraßen AG, 21 Jahre lang Bgm. von Mutters, Gemeindeverbandspräsident von 1989 bis 1995. Verheiratet, 4 Kinder, wohnhaft in Mutters seit 1969. Seit 2010 Witwer nach dem Tod der geliebten Gattin Inge.

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