Hermann Arnold
Im Urin der Besucher
Kunst zum Schämen
Notiz

Unter der Bezeichnung Kunst wird zur Biennale in Venedig von einer sogenannten Künstlerin ein Beitrag Österreichs geliefert, in dem eine nackte Frau kopfüber in einer Glocke in einem Wassertank hängt, der mit Urin von den Besuchern gespeist wird. Und solches wird dann noch mit 600.000 Euro aus der Staatskasse unterstützt.

Man braucht weder ein Kunstbanause noch besonders empfindlich gegen moderne Kunst zu sein, um solche Entgleisungen abzulehnen. So sind wir nicht – kann man auch hier sagen.

Abgesehen davon, dass eine nackte Frau und eine Glocke schon von ihrer Würde einerseits und Funktion andererseits her nicht zusammenpassen, ist es kontraproduktiv in einer Zeit, in der allseits auf Rücksicht gegenüber Frauen gedrängt und alles, was irgendwie ihre Würde in Frage stellt, abgelehnt, ja sogar gerichtlich verfolgt wird, derlei Entwürdigendes in einer so beschämenden Art und Weise zur Kunst zu erklären.

Dass man dies auch noch öffentlich unterstützt, lässt den Schluss zu, dass man eher Steuergeld für Unsinniges als für Notwendiges verwendet und die dafür Zuständigen alles als Kunst werten.

Österreich hat im Laufe der Zeit immer wieder bedeutende Künstler, auch solche , die dem Trend der Zeit bzw. der Vergangenheit nicht entsprochen haben, hervorgebracht. Aber ihre Darstellungen sind am Boden, also menschlich geblieben und waren weder verletzlich noch haben sie beim Betrachter das Gefühl des sich dafür Schämen-müssens ausgelöst.

Diese meine Meinung gilt auch dann, wenn, wie es in den Medien heißt, der Beitrag Österreichs großes Interesse ausgelöst und viele Besucher angesprochen habe. Das mag stimmen, sagt aber nichts darüber aus, was sich diese Besucher wirklich gedacht haben. 

Vermutlich: das ist doch keine Kunst, sondern die Entwürdigung der Frau. Andererseits: Viele wollten die skandalöse Darstellung einfach sehen, weil auch Verrücktes immer sehenswert ist.

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Hermann Arnold

Geboren 22. Okt. 1938 in Sölden, Kleine Landwirtschaft, Vater Berg- und Schiführer, vier Geschwister , sechs Jahre Volksschule, dann Gymnasium Paulinum in Schwaz, Matura 1958, anschließend Jusstudium in Innsbruck. In der Studienzeit Schilehrer, Fremdenführer, Güterwegarbeiter, tätig in einer Werbeagentur und in einer Versicherungsassekuranz; Promotion, Bundesheer, Gerichtsjahr, Eintritt in Landesdienst für Agrarwesen, Soziales, Sekretär von Eduard Wallnöfer ab 1974 bis zu seinem Regierungsende. Dann Leiter von Wasser und Energie, Grundverkehrsreferent und schließlich Landessamtsdirektor ab 1995 bis zur Pensionierung 2004. Zehn Jahre lang Vorstand der Timmelsjoch Hochstraßen AG, 21 Jahre lang Bgm. von Mutters, Gemeindeverbandspräsident von 1989 bis 1995. Verheiratet, 4 Kinder, wohnhaft in Mutters seit 1969. Seit 2010 Witwer nach dem Tod der geliebten Gattin Inge.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. c. h. huber

    im gegensatz zu herrn arnold bin ich stolz darauf, dass eine österreichische künstlerin diesen derart innovativen und hintergründigen beitrag zur biennale geschaffen hat.

  2. Helmut Schiestl

    Zu verweisen wäre dabei natürlich auch auf den Wiener Aktionismus, das Blut- und Orgien-Mysterien-Theater eines Hermann Nitsch, wenngleich letzteres oft religiös verbrämt war. Damals waren die Frauen allerdings meist nur passives Beiwerk, jetzt ermächtigen sie sich dieser offenbar österreichischen Tradition des Kunstmasochismus.
    Die Ikone der feministischen Kunst in Österreich der Nachkriegszeit, Valie Export, erst vor wenigen Tagen verstorben, darf dabei natürlich nicht unerwähnt bleiben, hat sie mit ihrem Tapp-und-Tast-Kino den österreichischen Mann mit seinen geheimsten Wünschen und Obsessionen doch auf frischer Tat ertappt!
    Dass Florentine Holzinger und ihre Performerinnen dabei jede Menge Voyeurismus auf sich ziehen mit ihren Nackt-Performances, scheint ihnen wohl egal zu sein, geht es doch um die Aneignung künstlerischer Praktiken von ehemals patriarchaler Provenienz, verbunden mit Gesellschaftskritik, sichtbar gemacht am malträtierten und wohl auch oft verletzten weiblichen Körper.
    Ich muss allerdings zugestehen, dass ich die Ausstellung bzw. Aufführungen der Künstlerin und ihrer Gruppe nicht gesehen habe und mein Kommentar sich nur auf das bezieht, was ich darüber gehört und gelesen habe, vor allem über frühere Performances von Florentine Holzinger.

  3. Die „Glockenperformance“ von Holzinger ist eigentlich ein Plagiat von FLATZ, der ebenfalls an der Biennale in den 90ern, als „Glockenschwengel“, zwei Stahlplatten zum Klingen brachte.
    Wie sagte schon der Prediger Salomo: Koh 1,9: „Was geschehen ist, wird wieder geschehen, was man getan hat, wird man wieder tun: Es gibt nichts Neues unter der Sonne.“

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