Helmuth Schönauer
Unvergessliche Wohnungsgeschäfte
Der Kriminalfall aus der Sicht eines
Ex-BUWOG-lers
Stichpunkt
1.
Als im Frühjahr 2025 der ehemalige Finanzminister und Wohnungsverkäufer rechtskräftig verurteilt wird, hat das Publikum einen ziemlich trockenen Spruch auf Lager: Grasser ließ sich vom Volksmund gerne als der schönste und jüngste (Finanzminister) bezeichnen, jetzt hat ihm das Gericht auch noch den längsten (Prozess) verpasst.
Tatsächlich wird bemängelt, dass der Prozess unverhältnismäßig lange gedauert hat. Da sollte man aber auch bedenken, dass die inkriminierte Aktion ebenfalls unverhältnismäßig lange dauert. Die betroffenen BUWOG-Bewohner sind nämlich ein Leben lang Leidtragende des Wohnungsverkaufs im großen Stil.
Nicht wenige sind früher in den Staatsdienst unter schlechtem Lohn eingetreten, weil sie dafür eine günstige BUWOG-Einheit erhalten haben. Der geschmierte Verkauf dieser Wohnungen lässt also die ehemaligen Buwogler in anderen Lebenseinheiten denken als nur in Prozess-Jahren.
2.
Neben den diversen Zeitgefühlen, die über dem Fall Grasser hängen, stellt sich auch noch eine andere Frage.
Kann man als Politiker mit den Grundbedürfnissen der Menschen Geschäfte machen, ohne nicht automatisch in den Sog des Verbrecherischen zu geraten?
Wohnung gilt mittlerweile als Grundbedürfnis wie Wasser, Nahrung, Luft und Medizin. Alle diese Güter stehen inzwischen auf der Kippe zu einem verbrecherischen Geschäft.
Es macht den Eindruck, als würden die Menschen in der EU in großen Scharen aus den Feldern der Grundbedürfnisse vertrieben, was die Radikalisierung der Gesellschaft befördert. Zudem gibt es kaum eine Planung über die nächste Wahl hinaus, um diesem mulmigen Gefühl zu entkommen, in der Pflege der Grundbedürfnisse im Stich gelassen zu werden.
3.
Aus der Sicht der Grundbedürfnisse stehen momentan fast alle Parteien den Wählern im Weg, weil sie voneinander so lange jeweils das Gegenteil fordern, bis sich keine Gemeinsamkeit oder Koalition mehr ausgehen wird. Wohin dieser Kampf der Ideologien führt, lässt sich europaweit am Wohnungsmarkt zeigen.
Als in Österreich die Buwogs verscherbelt wurden, hatte in Berlin die rotrote Sponti-Regierung bereits alle Sozialwohnungen verkauft, deren sie irgendwie habhaft werden konnte. Und wenig später hat der jetzige bayrische Ministerpräsident als Finanzminister den Bayern alle Sozialwohnungen unterm Arsch heraus verkauft, weshalb er sich in manchen Wohngegenden bis heute nicht mehr blicken lassen darf.
4.
Alle diese Transaktionen weisen oft auch kriminelle Aspekte auf, weil es sich um Transformationsgeschäfte, sprich Geldwäsche handelt. Es genügt nämlich nicht, sich als böser politischer Akteur das Geld irgendwie unter den Nagel zu reißen, man muss es auch waschen und von seinem Ur-Geschäft entfernen, damit es sicher ist.
Die gängigsten Methoden der Geldwäsche sind:
– Börse
– Spielermarkt im Fußball
– Stiftung
– Clan-Cleaning
– Erben
In allen Segmenten wird ein abgewickeltes Geschäft über Nacht neu bewertet und mit neuen Preisschildern bedacht.
An der Börse kann das Schwarzgeld von gestern heute futsch oder weiß gewaschen und verdoppelt sein. Im Fußball bricht sich der Star, den du gestern mit Schwarzgeld gekauft hast, den Knöchel, und du kaufst dir von der Versicherungssumme einen neuen Spieler mit noch höherem Wert.
In der Stiftung ist dein Geld auf der ganzen Welt in Sicherheit, wenn du am Stiftungsakt das Wort gemeinnützig drauf schreibst. Beim Clan-Cleaning kannst du über neutrale Immobilien dunkle Geschäfte reinwaschen, man denke in Tirol etwa an die Agrarier-Clans. Beim Erben bekommen deine Kids strahlend weißes Geld, wie dunkel auch die Geschäfte gewesen sind, als du es verdient hast.
5.
Der ehemalige Finanzminister hat mit diesen Geschäftsmodellen offensichtlich selbst gezockt und ist dabei erwischt worden. Immerhin erfährt er jetzt, dass es bei Geschäften immer auch Verlierer gibt.
Loser müssen manchmal ins Gefängnis, manchmal verlieren sie aber auch einfach nur durch den Finanzminister ihre Wohnung.
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