Helmuth Schönauer
Slot-Day statt Autobahnblockade
Vorschläge für die nächste Brenner-Demo
Stichpunkt
Im Mai 2026 fand die sogenannte Transitblockade statt, die offensichtlich wie das Heilige Jahr im Vatikan unter diversen Namen alle zehn Jahre stattfinden muss.
Bei angekündigten Jahrhundertereignissen empfiehlt es sich, diese erst einmal samt dem Medienrummel vergehen zu lassen und erst dann für sich zu entscheiden, wie wichtig sie für das eigene Leben einzuschätzen sind.
Ein Blick in die Filmarchive zeigt, wie sich Outdoorkleidung und Frisuren dieses Demo-Rituals ständig verändern. Auch sind die Aufschriften auf alten Plakaten un-gegendert und verweisen darauf, wie rückständig und ungeniert früher politische Parolen ausgerufen worden sind.
Die Bilder der diesjährigen Wallfahrt fügen sich nahtlos in die bereits vorhandenen Fotostrecken ein.
Für das endgültigen Bulletin lassen sich zudem ein paar Überlegungen einhegen.

1.
Es ist klug, nie etwas zu erwarten, denn dann gibt es auch keine Enttäuschungen. Die Planer der Demo haben außer ein paar Floskeln nichts an Erwartung von sich gegeben, sodass hinterher niemand gekränkt sein muss und alle nach dem Happening wieder mit lachendem Gesicht aufeinander zugehen können.
2.
Es dürften etwa so viele Menschen auf der freigeräumten Autobahnfläche sich zur Versammlung eingefunden haben, wie um diese Zeit sonst auf der Autobahn unterwegs gewesen wären, um ein Outlet, ein Kaffeehaus oder ein Gartenmöbel im jeweils anderen Landesteil zu besuchen.
3.
Wenn es einen Sieger für diese Veranstaltung gibt, so ist es das europaweite Verkehrsleitsystem, das bewiesen hat, dass man mit KI und Navi heutzutage so gut wie jeden Verkehr steuern kann. Hier kommt das Zauberwort Slot (Zeitfenster) zur Anwendung nach dem Grundsatz: Wenn in der Logistik der Wirtschaft alles digital gesteuert ist, muss auch privat die analoge Fortbewegung des Körpers inklusive Fahrzeugs digital gelenkt sein.
4.
Die Menschen sind schlauer, als es die meisten Politik-Betreiber alten Stils glauben. Sie lassen sich mit der gleichen Begeisterung, mit der sie sich ein T-Shirt aus China oder eine Pillenmischung vom Darknet kommen lassen, auch eine Reiseroute, ein Hotel oder eine Abkürzung einreden. Wenn es die KI empfiehlt, verzichten die Zeitgenossen sogar auf das Auto, weil es glaubwürdig erscheint.
5.
Die gelungene Verkehrslenkung sollte generell auch den Tourismus beeindrucken, indem bei jedem Gästekontakt, bei jeder Nächtigung auch die sogenannte Anreise mit bedacht wird. Warum sind die Betten nicht mit der Anreise digital verknüpft? Wenn das Bett frei ist, heißt das noch lange nicht, dass der Anreiseweg frei ist und umgekehrt.
In diesem Lichte könnte man die nächste Veranstaltung auf der Autobahn, die sicher kommt wie das Amen im Transitgebet, als sogenannten Slot-Day ausrufen. Positiv gelaunt demonstrieren in der Folge die Tiroler für ein Reservierungssystem, das die Mobilität inkludiert.
6.
Einen negativen Aktenvermerk muss sich der Landeshauptmann gefallen lassen. Das ist ein politisches No-Go, sich einfach das Freizeithemd überzustülpen und zu sagen, man sei privat.
Das Land Tirol ist nämlich mit seiner Regierung aktiv auf dem Holzweg unterwegs. Statt auf Software zu setzen, die sich (siehe Drohnen-Kultur) täglich verändert, setzt die Regierung auf härteste Hardware in Gestalt des Fernpasstunnels.
Hier versuchen Dinosaurier der Politik mit der politischen Überforderung zurechtzukommen. Nicht umsonst lautet das häufigste Wort beim Fernpasstunnel: Stent. Eine Regierung von Gefäßverkalkten glaubt, den Verkehr der Zukunft wie mit einem Stent bei einer Gefäßverengung lösen zu können.
Das Land Tirol unterstützt zudem über diverse Aktivitäten den Motorrad-Tourismus durch das Ruhegebiet Hahntennjoch, um die Lärmwolke anschließend der Privatstraße übers Timmelsjoch zuzuführen, wo Woche für Woche ein gigantisches Motorrad-Museum am Gipfel auf seine Biker-Fans wartet.
Eine Gebirgszeile weiter westlich schaut das ganz anders aus. Dort ist der Motorrad-Trampelpfad über die Bielerhöhe seit geraumer Zeit von Geröll verlegt und man lässt sich schlauerweise mit der Reparatur etwas Zeit, um den Lärm im Tal zumindest in dieser Saison wegzubringen.
Kein Wunder, wohnt doch am Fuße dieser Straße der Landeshauptmann selbst, der sich fürs Wochenende ein paar ruhige Stunden in Galtür gönnen möchte.
Die Methode, im Freizeitlook als Privatmann die Probleme der Landesregierung auszusitzen, wird hoffentlich bei nächster Gelegenheit vom dann ebenfalls privat auftretenden Wahlvolk abgewählt werden!
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