Helmuth Schönauer
ORF
Wir sind die Verstimmung Tirols.
Stichpunkt
Der Zwangs-Sender ORF-Tirol schaltet Werbung für seine Mitarbeitenden als Stimme Tirols.
Nichts kann so grausam sein wie eine Beschallung, die auf Happy-Happy aus ist und erbarmungslos alles mit guter Laune übertüncht. Seit das Tourismuskonzept für Tirol von einer durchgehenden Jahres-Bespielung des Landes ausgeht, entfallen auch die Pausen zwischen Sommer- und Wintersaison. Ab jetzt ist durchgehende Gaudi angesagt.
An vorderster Stelle arbeitet dabei der ORF-Tirol daran, dass Tag und Nacht das Publikum einlullende Moderation und lauwarme Musik über den Schädel gezogen bekommt. Die Auftritte und das Marketing des Senders liegen mittlerweile knapp an der Grenze zur Gewalt.
Als ob es nicht genug wäre, sich und das Personal nonstop zu feiern und gegenseitig akustisch zu beweihräuchern, werden in der Adventszeit auch noch ganzseitige Inserate in Krone und TT geschaltet, worin sich der ORF als Stimmungs-Kanone Tirols ins Rampenlicht stellt.
Besonders arg am Objektivitätsgebot kratzt jene ganzseitige ORF-rot unterlegte Werbe-Schaltung, auf der im Sinne einer Kandidatur für den Landtag wie auf einer Wahlliste zwanzig Miniporträts von Mitarbeitenden aufgeklebt sind.
Überschrift: Wir sind die Stimme Tirols!
Darunter ist quasi als Parteiprogramm des Zwangsfunkes aufgezählt:
Die Stimme Tirols – nah bei DIR.
Verbinde dich mit Menschen, Orten und Geschichten.
Hol dir verlässliche Orientierung.
Vertraue auf Qualität in Journalismus und Unterhaltung.
Glaubwürdig und unabhängig.
[Krone, 8. Dez. 2025, S. 31]
Und das alles unter dem Zwang der Haushaltsgebühr, wonach niemand eine Chance hat, sich dieser Dudelioh-Umarmung zu entziehen.
Am besagten Wochenende der Inseratenkampagne durch das Monopol des öffentlich Rechtlichen gelangten auch Nachrichten aus Hongkong an die Presseagenturen. Danach wurden Journalisten aufgefordert, über den desaströsen Brand in der Hochhausanlage mit dem sinnlichen Namen Wang Fuk nur in schönen Bildern zu berichten.
Gleichzeitig forderte die Einheitspartei dazu auf, jetzt erst recht die Einheitspartei zu wählen, um den Brandopfern eine letzte Ehre zu erweisen.
Die Parallele zwischen Hongkong und Tirol wird durch die Inseratenkampagne augenscheinlich.
Hinzu kommt der Verdacht, dass das Personal im Studio Tirol schon längst Dienst nach Vorschrift macht.
Keiner verlässt das ihm zugeteilte Mikrophon, und selbst die Wettermeldung wird noch mit Befehlen zur Freizeitgestaltung kommentiert.
Es ist wahrlich schon lange her, dass ein Journalist den Sendebunker am Rennweg verlassen hat, um etwas eigenständig zu recherchieren. Was denn auch: Politik, Medien und Publikum sind wie im Paradies fest in einer Hand.
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ORF Tirol 9. bis 25.12. 2025 insgesamt 7 ganze Seiten in der TT? Welchen Sinn hat das und was kostet es dem Gebührenzahler? Wen will man damit werben?
Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich fühle mich mit den Zeitungsinseraten direkt betroffen, weil diese Show der Gebührenzahler berappen muss. Nachdem es im ORF Tirol keine Journalisten, sondern nur mehr inhaltlose Dauerredner gibt, drehe ich ORF Tirol im Radio, aber auch im Fernsehen nicht mehr auf. Unnötig bespaßen kann ich mich auch selber!