Helmuth Schönauer
Bücherkauf vor Weihnachten
Fünf häufige Fehler
Stichpunkt
Gerade vor Weihnachten werden laufend Tipps in Umlauf gebracht, wie man Fehler beim Kauf diverser Konsumgüter vermeidet. Dabei dient die Warnung selbst wieder als Werbemaßnahme.
Bei selteneren Einkäufen wie Wohnung, Auto, Fernseher, Mobiliar oder Fernreise lohnt es sich, das Angebotene daraufhin zu überprüfen, ob es wirklich den eigenen Wünschen entspricht.
Mittlerweile sind allerdings auch Bücher zu einem seltenen Gut geworden, deren Kauf man sich oft nur mehr einmal im Jahr antut. Gleichzeitig ist das Marketing rund um Bücher so explodiert, dass man glauben könnte, es drehe sich bei einem Buch um alles Mögliche, nur nicht um den Inhalt.
In Gesprächen mit Buchhändlerinnen und Bibliothekarinnen kristallisieren sich überraschend eindeutig jene fünf Fehler heraus, die man beim Kauf eines Buches begehen kann und die es zu vermeiden gilt.
Geschenk
Sie wollen sich eine kleine Freude machen, indem Sie sich ein Buch kaufen. Dann aber erschrecken Sie, dass Sie mit dem Buch ja etwas anfangen sollten. Sie beschließen spontan, das Buch für jemand anderen zu kaufen, um es zu verschenken. Damit befriedigen Sie zuerst Ihr eigenes Interesse und stülpen dieses dann qua Buch über die beschenkte Person.
Natürlich werden noch immer zwei Drittel der gekauften Bücher anschließend verschenkt, langjährige Studien haben aber ergeben, dass ein verschenktes Buch behandelt wird wie früher Krawatten oder Parfums. Die Beschenkten bleiben höflich, denken aber sofort darüber nach, wie sie ihrerseits das Buch wieder loswerden könnten.

Gendern
Achtzig Prozent einschlägig befragter Personen geben an, dass sie das Gendern als lästig, störend und missionarisch empfinden. Daher wird es im privaten Bereich längst als bewusste Verunglimpfung der Gendermarotte in Gestalt besonders blödsinniger Floskeln angewendet.
Im Buchhandel und in Büchereien ist Gendern tabu. Das Publikum fragt mittlerweile genervt das Fachpersonal, ob das ins Auge gefasste Buch wohl ja nicht gegendert sei. Einige Büchereien in Bayern, Salzburg und Tirol schicken gegenderte Bücher bereits als unvermittelbar an den Verlag zurück, sofern dieser nicht ausdrücklich das Publikum vor dem Gendern gewarnt hat.
Umfang
Sporadisch sind die dicken Bücher noch im Angebot und wenden sich an Leute mit der Kindheit aus den 1950er Jahren, als es galt, alles Dickmachende auf dem Teller aufzuessen oder im Buch fertig zu lesen.
Mittlerweile hilft die Faustregel, dass ein Buch Trash ist, wenn es nicht fähig ist, auf etwa hundert Seiten etwas auszudrücken. Dieser Umfang verlangt ohnehin noch den Lese-Aufwand von zwei bis drei Stunden. Mehr ist niemand mehr bereit, für einen einzelnen Gedankengang zu investieren.
Stipendien als Auslöser für Bücher
Oft wird einem ein Buch vorgelegt, das eigentlich gar nicht für die Leser bestimmt ist. Es handelt sich dabei um sogenannte preisgekrönte Texte, die ursprünglich für eine Jury konzipiert worden sind zwecks Erlangung eines Preises oder eines Stipendiums.
Diese Texte sind für ein breites Publikum völlig uninteressant und befriedigen nur das Branding eines Autors oder Verlages. Wer sich dennoch einen gepushten Hype kaufen will, soll es ruhig tun, er sollte aber nicht enttäuscht sein, wenn er statt eines Buches eine Befriedigungsschrift für eine germanistische Jury erwirbt.
Buch-Generika
Etwa 80 Prozent der sogenannten Neuerscheinungen sind Abschriften bereits vorhandener Bücher. In der Apotheke würde man von Generika sprechen.
Diese abgekupferten Bücher haben durchaus Heilkraft, wenn man um die darin enthaltenen Substanzen Bescheid weiß. Ähnlich wie man sich an Medikamente gewöhnen kann, gewöhnt man sich gerne an Genres oder Stilrichtungen, die von Dutzendware bestens bedient wird.
Wer sich auf solch Altbewährtes einlässt, sollte damit rechnen, dass er eine von KI unterstützte Massenware bekommt. Die großräumig aufgetischten Krimis etwa stehen längst unter dem Verdacht, mit KI produziert worden zu sein.
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