Helmuth Schönauer
Die Managementler
Das MCI feierte Geburtstag.
Stichpunkt
Gottseidank gibt es kein Haus zum MCI-Geburtstag.
Wenn in einem Tiroler Betrieb eine Person nach dem Wochenende neue Saiten aufziehen will, also irgendwie spinnt, sagen die Untergebenen gleich: Ah, du warst am Wochenende bei den Managementlern! Mit diesem Witz wird auf die Tatsache abgezielt, dass im Laufe ihres Berufslebens mittlerweile fast jede arbeitende Person mit Aufstiegskarriere einen Kurs beim Managementcenter Innsbruck (MCI) absolviert hat.
Interessant ist, dass der Volksmund nicht von Managern spricht, die das Institut ausspuckt, sondern von Managementlern, was ein wenig nach gschafteln klingt. Und tatsächlich wird den Absolventen oft ein Tick zur Besserwisserei und ein seltsames Wording nachgesagt.
Dieser Tage hat das MCI seinen 30. Geburtstag hinter sich gebracht und dabei wurde ausführlich die große Fleischwunde des Wissens herumgetragen: Wir haben kein eigenes Gebäude! Und in der Tat kann man nicht richtig feiern, wenn man kein eigenes Gebäude hat, das fängt schon damit an, dass man keine tragfähige Wand hat, an der man Gründungstafeln und marmorne Jubiläumsgrüße aufhängen könnte.
Und auch dem lehrenden Personal merkte man es an, wie frustriert es ist, dass es vom Land Tirol nicht voll genommen wird mit einer echten Bildungsanlage, in der man zu feierlichen Anlässen auch eine Führung anbieten kann.
Als Geburtstagsgrüße jener Fans des MCI, die davon viel Innovationsgelüste und dynamische Zukunftsimpulse empfangen haben, sei wieder einmal auf die größte Stärke des MCI hingewiesen.
In Zeiten, wo alle Institutionen Bunker bauen, weil sie sich in ihren Prunkbauten nicht mehr sicher fühlen, wo man sich von klassischen Waffen abwendet und auf KI, Sabotage und subversive Vernetzung setzt, in diesen Zeiten muss sich auch die Bildung allmählich auf das einstellen, was die einen Kriegswirtschaft und die anderen resilienter Überlebenskampf nennen.
Ein Gebäude ist für diese Trends unter Garantie das falsche Signal. Denn bis heutzutage etwas gebaut ist, ist das Vorhandene schon verfallen, heißt es beispielsweise in manchen Kommentaren zur Infrastruktur.

Darin liegt die Stärke des MCI:
Weil es nicht Gebäude-terrestrisch agiert und somit eingesperrt ist, kann es sich überallhin entfalten. Nicht umsonst entstehen heute noch die wesentlichen Erfindungen in Garagen und Spontan-Hubs und nicht in einer letztlich immer veralteten Hülle.
Dazu kommt noch die Qualität des Publikums. Alle Inskribierten haben zu Hause im Betrieb ein Gebäude, das auf deren Bedürfnisse angelegt ist. Das MCI besuchen sie zur Optimierung dieser realen Verhältnisse. Die einzigen, die keine Repräsentationsräume haben, sind die Dozierenden. Aber diesen könnte man nahelegen, es mit der eigenen Wirkmächtigkeit zu versuchen.
Wenn das, was gelehrt wird, zur Optimierung der wirtschaftlichen Verhältnisse dient, warum geht der denkende und lehrende Apparat nicht in die eigene Vorleistung und baut sich mit dem Wissensvorsprung, den er angeblich ja hat, selbst ein Gebäude?
Da müsste dann alles beachtet werden, Finanzierung, Hardware, EU-Recht, Konsumentenschutz, Produktakzeptanz. Aber einfach sich hinstellen und vor dem Landhaus plärren, dass man noch immer kein Haus hat, ist nicht gerade innovativ.
Man sollte es positiv sehen: Wenn das Land ständig durchrechnet, ob sich ein Gebäude in veränderten Zeiten ausgeht, tut es ja ohnehin schon genug für die Bildung. Es ist zudem ein Irrtum zu glauben, Regierungen seien für Bildung zuständig. Diese müssen gefälligst die Bildungsmacher selbst organisieren und dabei die Regierung auf ihre Seite ziehen. So wie ja auch die Kreisverkehre und Tunnel allenthalben von den Kreisverkehrs- und Tunnelmachern initiiert, durchgerechnet und propagiert werden, ehe die Regierung dann aus Eigennutz zustimmt.
Wenn man sich letztlich überlegt, wer aller schon am MCI etwas absolviert hat, dann lässt sich durchaus zufrieden feststellen: Es wird offensichtlich genug gedacht im Land, mehr wäre wahrscheinlich kontraproduktiv.
Gratulation. Mit 30 Jahren darf man auch im echten Leben das erste Mal so richtig zufrieden sein.
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