Helmuth Schönauer
Kein ESC!
Den Schützen sind wir sehr dankbar.
Stichpunkt
Eine aus dem Bauch heraus geführte ORF-Befragung am Tag der Entscheidung ergibt, dass zwei Drittel glücklich sind, dass dieser ESC-Kelch (Songcontest) an Innsbruck vorübergegangen ist.
1.
Menschen, die von den Schützen nicht viel mehr wissen, als dass sie in Loden verpackte Wertefloskeln sind, fallen sich dieser Tage in Innsbruck in die Arme. Ich bin den Schützen so dankbar, dass sie durch geschicktes Lobbying und der Androhung, den Landesüblichen Empfang zu verweigern, den ESC doch noch abwehren konnten!
Tatsächlich haben die Schützen schon seit Jahren ein großes Event an jenem Wochenende geplant, an dem der Europäische-Song-Contest hätte stattfinden sollen.
2.
An dieser Stelle lohnt sich ein Blick auf die Innsbrucker Stadtoberhäupter, die noch einmal sagenhaftes Glück gehabt haben, dass ihre Einladung zum Großkrawall ausgeschlagen wurde. Der gegenwärtige Innsbrucker Gemeinderat wurde ja in dieser Konstellation gewählt, um die Zerstrittenheit des vorigen abzuschütteln. Aufgabe einer Stadtregierung ist es nämlich, die Stadt friedlich und unauffällig zu verwalten und sich auf kommunale Grunddienstleistungen zu beschränken.
Alles andere, etwa die ideologischen und politischen Nuancierungen, müssen auf Bundesebene geklärt werden. Das Land dient dabei als folkloristische Vermittlerin zwischen Bund und Gemeinden.
3.
Kurzer Rückblick: Aus purem Übermut heraus, weil der Gemeinderat wieder halbwegs zur Ruhe gekommen ist, beginnen die drei Innsbrucker Ober-Köpfe plötzlich zu sticheln und ein Monster in die Stadt einzuladen.
Bürgermeister Anzi fühlt sich an seine Zeit als Almwirt erinnert und denkt an ein großes Hüttenfest mit internationaler Showeinlage. Der Vize Willi verkauft sich an die schrille Radfahrerszene und verspricht ihr für ein paar Meter zusätzlichen Strampelpfad die Show-Hölle auf Erden. Und die zweite Vizin Liesi wittert die Chance, während des Events ein paar Kindergartenbetreuungsplätze zu schaffen, damit die Kinder der angereisten Show-People gut betreut sind.
Alle drei denken überdimensioniert, kurzum berauscht und überfordert. Über ihnen schwebt jener Größenwahnsinn, in dem nach Benko-Manier die Kulturlosigkeit mit beiden Händen herumgeschaufelt wird, koste es was es wolle. Warum nicht gleich den Prozess, der gegen die Immobilien-Unschuldsvermutung im Herbst geführt wird, von Innsbruck aus als europäischen Gerichts-Contest (EJC = European Justice Contest) ausrichten?
4. Was lernen wir daraus?
a)
Die Größenwahnsinnigen haben offensichtlich das Tursky-Desaster nicht mitbekommen, der abgestürzt ist, weil er groß mit dem Flughafenausbau landen wollte. Plötzlich ist der Flughafen schon wieder im Gespräch, da er während zweier Wochen täglich bis zu 400 Flüge zu absolvieren hätte, damit man die Showmasse aus allen Europäischen Ländern einfliegen kann.
Hier sollte man von den Südtirolern lernen, die ihre Premium-Gäste am Innsbrucker Flughafen bei uns Todeln landen lassen, damit der Bozner Flughafen bei der eigenen Bevölkerung nicht unnötig in Misskredit gerät.
b)
Plötzlich ist auch die schrille CEO-Stimme aus der Tourismuswerbung zu hören, die ein paar Wachstumsfloskeln ins Publikum schleudert, ohne zu begreifen, dass das Land voll ist und niemand ein Wachstum dieser Art will.
Wenn die Nordtiroler Hoteliers so tüchtig wären wie die Südtirolerischen, kämen sie aufgrund besserer Wertschöpfung mit zwanzig Prozent weniger Touristen aus. Das wäre eine spürbare Erleichterung für die vom Overtourismus niedergetrampelten Bewohner, bei denen die Akzeptanz manchmal kurz vor dem berüchtigten Kipppunkt steht.
c)
Mit dem Geld, das offensichtlich zum Hinauswerfen vorhanden gewesen wäre, könnte man jetzt schleunigst jene Anliegen angehen, für die die Regierung gewählt worden ist. Also ruhig und geräuschlos regieren.
d)
Die von der ESC-Absage enttäuschten Frauen könnten sofort als Gewehrträgerinnen bei den Schützen aufgenommen werden. ESC und Schützenwesen haben die gleiche kulturelle Strahlkraft. Nämlich keine. Dafür könnte man ein leichtes Gendern ins Spiel bringen, statt im Loden steckten dann die Marschierenden in der Lodin.
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