Helmuth Schönauer
Fürs Rodeln zu blöd
Stichpunkt
1.
Am Igler Eiskanal und am Landestheater hört man durchgehend den Spruch: Da ist etwas blöd gelaufen. Man möchte meinen, im Land der Alpine Coaster und Exost Loops sei es ein Leichtes, öffentliches Geld in die Hand zu nehmen und einen gekühlten Betonschlauch als Rodelbahn über das Gelände zu legen. Aber halb Europa lacht inzwischen über den Eiskanal in Igls, der offensichtlich jene Sportarten abwirft, für die einst das Geld in penetranter Lobby-Arbeit zusammengetragen worden ist.
Fakt ist, dass die Rodelszene nicht imstande ist, sich selbst einen Kanal zu bauen, in dem internationale Rodel-Rennen austragen werden können. Die Politik ist ausnahmsweise nicht schuld am Desaster, außer dass sie für etwas Diffuses ungeprüft Geld zur Verfügung gestellt hat. Denn sämtliche Sportarten sind mittlerweile in ein kompliziertes internationales Regelwerk verflochten, was es regionalen Politikern unmöglich macht, darüber zu entscheiden, ob etwas regelkonform, sinnvoll oder gefaked ist.
Üblicherweise stellen sich Lobbyisten und Präsidenten einer Sportart vor den Budgettöpfen an, schwafeln was von Jugendförderung, Patriotismus und Umweg-Rentabilität, und schon spuckt der Fördertopf Geld aus. Dass Projekte auch in den Sand oder ins Eis gesetzt werden können, nimmt die Politik achselzuckend in Kauf. Das ist dann eben Sport, wenn etwas nicht so ausgeht, wie man es sich erwartet hätte.

2.
Den gleichen Absatz kann man übrigens verwenden, wenn man das Tiroler Landestheater beschreiben soll, das mittlerweile die Stücke hinter dem Vorhang verschwinden lässt, statt vor ihm auf die Bühne zu bringen. Auch hier könnte die Überschrift lauten: Zu blöd, um Theater zu spielen.
Das Geld versemmelt die Intendanz mittlerweile für Mediation, psychologische Gutachten und Familienaufstellung in der Garderobe. Ein Insiderclub der Dramaturgie hat das Chaos-Ruder übernommen und die Politik steht belämmert an den Zapfhähnen der Förderungen, die noch immer mit vollem Strahl fließen.
Von den politischen Entscheidern weiß wie beim Rodeln niemand, wie Theater funktioniert. Man lässt sich mit hehren Begriffen über den Fördertisch ziehen, Bildung, Tradition, Kulturerbe, Umweg-Rentabilität und Jugendförderung sind fixe Vokabeln der Einweg-Kommunikation von den fürs Theater Kostümierten hin zu den für die Politik Kostümierten.
3.
Während man noch den Kopf schüttelt über Spezialgebiete des Sports und der Kultur, wobei die politischen Akteure in Tirol ziemlich überfordert sind, tut sich schon die nächste Front auf, die wieder ordentlich Steuergeld als Munition brauchen wird. Die Fankultur des FC Wacker ist offensichtlich Amok gelaufen. Während die Mannschaft am Aufstieg in die oberste Fußballliga arbeitet, zerlegen die Rowdys bereits professionell die Stadien bei Auswärtsspielen, so wie neulich im Vorarlberger Altach.
Und schon stehen die Szene-Kenner wieder vor den Fördertöpfen und verlangen Geld für Streetworker, Jugendpsychologen und Gewaltprävention. Zu blöd zum Fußballspielen, möchte man meinen, aber die erwarteten Geldflüsse sind ernst gemeint.
Es wird höchste Zeit, dass die öffentliche Hand rabiat die Förderungen bei Sport, Theater und Fankultur zurückfährt, zumal die Geförderten oft selbst nicht genau wissen, wie ihre Regelwerke funktionieren.
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