Helmuth Schönauer
Dixi-Klo im Hotelzimmer
Stichpunkt
Gegen Klimawandel hilft in Tirol nur eins: Baggern, baggern, baggern.
1.
Der Tourismus produziert nicht nur sonst viel Scheiße, sondern manchmal auch echte. Diese flapsige Bemerkung eines freiwilligen Helfers fiel im Zusammenhang mit dem Unwetter, das im hinteren Ötztal eine Vermurung zur Folge hatte, die gewaltige Schäden anrichtete. Es grenzt an ein Wunder, dass niemand verletzt wurde.
Die ortsansässigen Katastrophendienste begannen auch gleich mit dem Freilegen und den notwendigen Instandsetzungen. Alles, wie gehabt, könnte man sagen. Aber dieses Mal war eben auch das Klärwerk betroffen. Es steht für einige Zeit außer Betrieb und das könnte noch länger dauern. Da es sich um einen Katastrophenfall handelt, werden die Abwässer wohl eine Zeitlang ungeklärt in die Ötztaler Ache eingeleitet. Das verdünnt sich schon, da sieht man nichts mehr, sagt der Bürgermeister in Tirol-heute und blickt auf seine prall gefüllte Ache.

2.
Ab hier beginnen freilich die Anlieger unterhalb der Einleitung zu sinnieren. Wie kann es sein, dass eine Gemeinde, die sich stolz als Tourismushochburg mit den Nächtigungszahlen einer Stadt präsentiert, kein Katastrophen-Backup hat?Wenn es sich um einen Industrie oder Handwerksbetrieb handeln würde, der ohne Klärwerk produzieren wollte, würde er sofort stillgelegt.
Oder hat die Gemeinde ein geheimes Backup. Indem sie Dixie-Klos in den Hotelzimmern aufstellt, bis die Soße abgeschwommen ist? Oder empfiehlt man den Gästen, das freie Gelände für die Notdurft zu verwenden, immerhin gilt die Gemeindefläche als eine der größten Österreichs? Oder schickt man die Touris wie üblich auf den Gletscher, wo sie, wie üblich, ihr Geschäft verrichten können?
Gerüchtehalber sollen schon ganze Urlauberfamilien mit ihren Kleinkindern entlang der Ache unterwegs sein, um Gagga zu schauen. Tatsächlich schwimmen diverse Exkremente elegant in der natürlichen Art von Fischen zu Tal.
3.
Die Klärwerkskatastrophe sollte auch Anlass sein, an den drohenden Overtourismus zu denken. Noch immer berichtet das Touristische Tagblatt (TT) beinahe wöchentlich von einem geplanten neuen Hotel. Zeitgleich zur Vermurung in Sölden etwa fürs Unterland: Neues Hotelprojekt / Übernachtung für 99 Euro: Investoren planen ein Motel mit 300 Betten in Oberndorf. Gemeinderat befürwortet das Projekt. [TT 02/08/26] Wetten, dass bei der Bewilligung niemand die Frage gestellt hat, wie diese Bettenfüllmasse anreist und wie man ihre Fäkalien in Krisenzeiten entsorgt?
Solange der Landesrat für Tourismus bei jeder Gelegenheit verkündet, er kenne noch genug weiße Flecken, die ein Hotel vertragen würden, ist noch kein resilientes Krisenmanagement für die anstehenden Klimakapriolen in Sicht.
Im Gegenteil: Die Landesregierung bohrt tapfer am Fernpasstunnel, damit die Touristen schneller in den Hotels auf jenes Klo können, das dann ihre Ausscheidungs-Trophäen ungeklärt in die Ache spült.
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