Helmuth Schönauer
Schelli und Schrammi
Der Staatssekretär produziert
Bürokratie-Schlacke.
Stichpunkt
Pünktlich zum Weltspartag schaltet der staatliche Träumer von Entbürokratisierung eine Seite frei, auf der man Sparvorschläge machen soll.
1.
Lange hat man den Staatssekretär für Verschlankung der Verwaltung dafür ausgelacht, dass er in Wahrheit bloß seine Dienstlimousine vergrößert hat. Nach einer kreativen Pause, in der es um „Schelli“ und seine Entbürokratisierung auffallend ruhig geworden ist, kommt jetzt die Wunderwaffe gegen Filz, Verhaberung und Korruption: Die Melde-Homepage.
Ganz amtsdeutsch heißt es dazu im öffentlich-rechtlichen ORF: Entbürokratisierung: Vorschläge per Website erbeten
Die Bundesregierung sammelt Vorschläge, wie man den Staat schlanker machen könnte. Ab sofort ist es für Bürgerinnen und Bürger möglich, auf seda.gv.at, der Website der bei der im Außenministerium neu eingerichteten Stelle für Entbürokratisierungs- und Deregulierungsanliegen (SEDA), Ideen einzureichen. [red, ORF.at/Agenturen 28/10/2025]
2.
Unter politischen Beobachtern löst die Entbürokratisierungs-Hompage in der Hauptsache drei Reaktionen aus.
a)
Die Nörgler machen sofort auf Alarmstimmung. Da wird doch nicht schon wieder eine unsägliche Homepage unterwegs sein wie seinerzeit bei der Digital-Ministerin Schrammi, die von ihrem Wahlkreis St. Johann in Tirol aus ein Austria-Amazon installieren wollte. Das Gelächter über diese dilettantische Internet-Börse bricht heute noch aus.
b)
Die Neugierigen machen sofort eine Probeanmeldung auf seda.gv.at und geraten in eine Art Frage-Antwortspiel.
Nach einer kurzen Bestätigung, dass man kein Roboter ist, gerät man auf das Formular, das frappant an einen Fragebogen erinnert, wie er im Tourismus, bei Bildungsveranstaltungen oder Onlineshops üblich ist.
So fragen Wellness-Hotels oft nervig danach, ob man mit deren Maßnahmen zum Klimaschutz zufrieden gewesen sei. Bildungsveranstalter fragen ungeniert, ob der Referent wohl verständlich gesprochen habe und lokale Onlineshops fragen, ob die bestellte Kleidergröße der Realität nach dem Auspacken entspricht.
Überspitzt könnte man formulieren, dass sich die Denke des Staatssekretärs auf die Formulargestalter übertragen hat, wonach man Österreich als touristischen Betrieb führen sollte, und schon sind alle in euphorischer Urlaubsstimmung.

c)
Die gebrannten Kinder im Umgang mit dem Staat werden vor allem bei den Abfragen stutzig, die die Homepage begleiten. Ehe man nämlich beim Probelauf auf das Feld Vorschläge gerät, muss man sich noch ein wenig politisch outen und Kästchen ankreuzen.
o – Als wer macht man den Vorschlag überhaupt?
o – Ist man befugt, einen solchen Vorschlag zu machen, der über den eigenen Wirkungskreis hinausgeht?
o – Und was, wenn man das Übel in der Parzellierung der Interessen sieht, und nicht weiß, wem man seine Vorschläge anvertrauen soll?
Angenommen, man schätzt sich irgendwo zwischen Privatperson und Ex-Beamter ein, dann gilt es, das Formular so weitschweifig auszufüllen, dass nicht die Steuerfahndung oder die Sozialbetrugsabteilung auf einen aufmerksam werden. Jeder der mit Steuerberatung, kulturellen oder sozialen Ansuchen zu tun hat, wird es sich daher zweimal überlegen, etwas Persönliches preiszugeben. Man spricht nämlich nur unter Zwang mit dem Staat.
3.
Die ganze Entbürokratisierungsaktion mündet schließlich in ein freies Feld, das sich letztlich als die größte Herausforderung herausstellt. Wenn man nämlich der Faustregel der Verwaltung folgt, wonach Demokratie automatisch Bürokratie nach sich zieht, weil jede Stimme und Äußerung dokumentiert werden muss, so ahnt man, dass der Staatssekretär gar nichts Konkretes vorhaben kann, solange er es selbst nicht weiß.
So bleibt die Formulierung von der Entschlackung der Bürokratie immer nur vage. Und man kann jetzt schon Wetten abschließen, dass die Aktion nur zur weiteren Produktion von Schlacke führen wird.
4.
Mit einem Fragebogen wird nichts zu holen sein. Die Homepage zur Entbürokratisierung dient im besten Fall diversen Berufsgruppen als Übungsfläche zum Erstellen hauseigener Vorschläge. Vielleicht wäre das überhaupt der bessere Weg zur Entbürokratisierung. Die Betriebe verschlanken sich selbst und schicken dem Staat leere Zettel, wo sie früher brav Meldung machen mussten. Dann würde vielleicht der ganze Staatssekretär mitsamt seinem Dienstwagen überflüssig.
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