Helmuth Schönauer
Barrierefrei
zum Nationalsozialismus
Stichpunkt

Den Populisten wird regelmäßig vorgeworfen, dass sie die Sachen so lange vereinfachen, bis sie falsch sind.
Deshalb gilt auch TikTok als besonders gefährliches Medium, weil es die Sachen so einfach darstellt. Gleichzeitig gibt es eine auf den Unis vorgetragene Theorie, dass man die Dinge vereinfachen darf, wenn man Inklusion dazu sagt.

Der ORF als erster Ausprobierer dieser These hat daher auf den blauen Seiten einen Kanal in einfacher Sprache eingerichtet. Der Innsbrucker Haymon Verlag ergänzt den ORF und ist mit Hilfe öffentlicher Gelder auf dem besten Weg, zu einem Leichtsprachen-Verlag zu werden. Seine verbreiteten Texte können höchstens noch im Sinne von DADA als kunstvoller Nonsens gelesen werden.

Der neueste Verlagsstreich heißt: National-Sozialismus in Österreich in leichter Sprache.

 

Dabei werden die Sätze so lange vereinfacht, bis der letzte Sinn aus ihnen verschwunden ist. Vermutlich eignet sich diese Methode auch dazu, die offensichtlich noch immer latent werkelnden Nazis unter den Österreichern zu entkernen, zu entnazifizieren und dadurch ungefährlich zu machen.

Zu Beginn des Buches wird diese Methode erklärt.

Aber Obacht: Wer dieses Konzept nicht versteht, ist wahrscheinlich zu einfach gestrickt und ein Populist.


Original-Gebrauchsanweisung:

Was steht in dem Buch?
In dem Buch geht es um Geschichte.
Und es geht um ihre Folgen für heute.

Geschichte ist:
Wenn wir heute erzählen, was früher passiert ist.

In dem Buch geht es um:
Das größte Verbrechen unserer Geschichte.
Es geht um den National-Sozialismus.
Eine Zeit, die für viele Menschen schrecklich war.

Das Buch erzählt in Leichter Sprache:
Was passierte zu dieser Zeit in Österreich?
Welche Folgen hat diese Zeit bis heute?

Das Buch hat 8 Kapitel:
Jedes Kapitel hat ein Thema und eine eigene Farbe.
Am Ende des Buches ist ein Wörter-Buch.
Es erklärt schwere Wörter.
Die schweren Wörter sind im Text fett markiert.
Bei der ersten Verwendung im Kapitel.

Wie lese ich das Buch?
Das Buch handelt von zutiefst unmenschlichen Verbrechen.
Deshalb wollen wir die Leser*innen hinweisen:

Der Text kann belastend sein.

Diese Tipps können beim Lesen helfen:
• Pausen beim Lesen machen.
• Mit vertrauten Personen über das Buch sprechen.
• Das Buch mit anderen gemeinsam lesen.

Warum sind manche Wörter unter Anführungs-Zeichen?
In dem Buch gibt es Wörter unter Anführungs-Zeichen.
Zum Beispiel: Das Wort „Rasse“.
Die Nazis haben solche Wörter verwendet.
Sie zeigen das Gedanken-Gut der Nazis.
Es gibt aber keine „Rassen“ bei Menschen.
Deshalb steht das Wort unter Anführungs-Zeichen.
Das Gedanken-Gut der Nazis war falsch und grausam.
Es ist heute verboten.

Warum haben manche Wörter einen Stern?
Manche Wörter in dem Buch haben einen Stern.
Zum Beispiel: „Österreicher*innen“ oder „Gegner*innen“.
Der Stern soll zeigen:
Es geht dabei um Menschen aller Geschlechter.
Es gibt nicht nur Frauen und Männer.
Der Stern steht für Vielfalt.

Ende der Gebrauchsanweisung

Vielleicht fühlt sich eine Behörde angesprochen, um kurz über das Projekt zu schauen, ob nicht Wiederbetätigung vorliegt.

Auch jede Partei mit Sozialismus in der DNA sollte sich auf den Schlips getreten fühlen, wenn ständig vom National-Sozialismus die Rede ist.

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Helmuth Schönauer

Helmuth Schönauer (* 23. September 1953 in Innsbruck) ist Schriftsteller und Bibliothekar an der Universität Innsbruck. In seinen Romanen beschreibt er das Alltagsgeschehen skurriler Randfiguren auf dem Weg nach oben. Als beinahe lückenloser Rezensent der Tiroler Gegenwartsliteratur ist er Vertreter der "low lectured edition". Im sechsbändigen Tagebuch eines Bibliothekars sind knapp 5000 Rezensionen aus den Jahren 1982–2018 zu einem durchgehenden Fließtext zusammengefasst, der chronologisch nach Erscheinungsweise der rezensierten Bücher geordnet ist. Dadurch ergibt sich eine zeitgenössische Geschichtsschreibung anhand von Lektüre. Schönauer ist Mitglied der Grazer Autorinnen Autorenversammlung.

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