Helmuth Schönauer
Aufstand aus der Sonnenliege heraus.
Stichpunkt
Resolutionen der IG Autorinnen und Autoren sind in Wirklichkeit Gedichte – schön und zwecklos.
1. Wurzeln der Resolutionen
Als sogenannter engagierter Schriftsteller hat man auch im Sommer aus der Sonnenliege heraus zu tun. In regelmäßigen Abständen gilt es, eine Resolution zu unterschreiben.
Wie die meisten Segmente der Literatur ist auch das Begehr- und Protestwesen längst ins Netz abgewandert. Mit dem Handy lassen sich mittlerweile wie bei bargeldlosem Verkehr Botschaften des Widerstands transferieren. Eine besonders angenehme Art des Protests hat sich bei der IG Autorinnen Autoren eingeschlichen.
Seit sie in Österreich als sogenannte Standesvertretung zugelassen ist, die vor allem Buchpreisbindung, Rechtschreibung und sauberes Gendern im Auge hat, fühlt sie sich auch bei Tarifgestaltung, Kündigungsschutz und Subventionsangelegenheiten zuständig. Zumindest auf dem Papier oder dem Smartphone. Dabei hat die IG ein Ritual entwickelt, wonach niemand nein sagen kann, etwas zu unterschreiben.

Die Jahrgänge der 1950er Jahre sind nämlich in den 1980ern in die IG eingetreten, weil in Österreich durch ein neues Mediengesetz eine Prozesslawine über die Schreibenden hereingebrochen war. Bis zum kleinsten Zwergdichter hinunter gab es Klagen, Gerichtsverfahren und auch Verurteilungen, wenn die Fiktion der Realität zu nahe kam.
Erstaunlicherweise wurden trotz IG-Solidarität vor allem jene verurteilt, die mit einer religiösen Staffelei am Rücken unterwegs waren und in ihren Werken etwa einen Frosch kreuzigten, am Kruzifix die Hauptfigur mit einer herausgestreckten Zunge ausstatteten oder den Porträts von Heiligen demente Gesichtszüge angedeihen ließen.
(Herbert Achternbuschs Film Das Gespenst ist bis heute in Österreich verboten.)
Selbst ausgewiesene Karikaturisten mussten den Wahrheitsbeweis antreten, wenn ihnen jemand aus der feudal-katholischen Szene üble Nachrede unterstellte. Besonders unglücklich wirkten dabei die Südtiroler Karikaturisten, die nach einem italienischen Gesetz aus der Faschistenzeit bei Verurteilung ihre Zeichnungen noch einmal publizieren mussten, dieses mal aber mit dem Vermerk ungültig.
An diese Hochzeit der IG wird also jeder Schriftsteller erinnert, wenn er eine Resolution zur Unterzeichnung vorgelegt bekommt. Und aus melancholisch dankbaren Gründen unterzeichnet so mancher etwas, was der mittlerweile greise Geschäftsführer der IG noch immer mit Feuer und Flamme zur Unterzeichnung vorlegt.
2. Kulturausdünnung
In diesem Sommer nehmen etwa die Resolutionen gegen Budgetkürzung bei Kultur, Ausdünnung von Kulturplänen und Personalkürzung tapfer den Kampf gegen die Regierenden auf allen Ebenen auf. Diese werden durch die Bank für Banausen gehalten zum Unterschied von Schriftstellern, die ex kathedra immer die Wahrheit auf jenem Löffel haben, mit dem sie das Sommereis aus dem Becher kratzen.
Manchmal wird diese Petitionitis, die man durchaus als spezielle Form der Lyrik ansehen kann, selbst den dankbarsten IG-Veteranen zu viel und sie verweigern die Unterzeichnung.
Etwa wenn eine Resolution gegen die Kulturausdünnung beim ORF unterzeichnet werden soll. Da fürchten plötzlich die paar Monopol-Schatzis, die sich die Sendetermine seit Jahrzehnten unter den Nagel gerissen und sich darin einzementiert haben, um Kürzung ihrer Auftritte. Meist handelt es sich um greise Dichterveteranen und ihre akustischen Stellvertreter, die als Kammerschauspielende bei Hörspielen auftreten oder gar bei der Sonntagssendung Du holde Kunst, die als Feldmesse barocken Kitsches seit Jahrzehnten unverändert gesendet wird.
3. Unerwünschte Gegenfrage
Eine Anfrage, die ich seit Jahrzehnten an den IG-Vorstand stelle, wenn ich was unterschreiben soll, lautet simpel:
Dürfen Dichter streiken?
Die IG sagt nein. Und in der Tat entstünde in Österreich ein riesiges Kulturloch, wenn die Dichtenden nicht permanent allen auf die Nerven gingen.
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Hab chatGPT gebeten eine Besprechung in deinem Stil zu verfassen. unheimlich… Das Flüchtige festgehalten: Eine Besprechung der Anthologie „Liebe im Transit“
In der Anthologie „Liebe im Transit“, herausgegeben von Tex Rubinowitz, wird die Frage aufgeworfen: Was geschieht, wenn Liebe nicht als grandioses Versprechen, sondern als flüchtiger Augenblick erzählt wird? Mit fünfzehn Erzählungen von verschiedenen Autorinnen und Autoren widmet sich dieser Band genau dem Wesen der temporären Begegnungen. Das verbindende Element ist der Transit selbst – Bahnhöfe, Reisen, Zwischenräume, die oftmals nur flüchtige Momente umfassen, aber dennoch tiefgreifende Spuren hinterlassen können.
Die Stärke des Buches manifestiert sich in seiner bemerkenswerten Vielfalt. Unterschiedliche literarische Stimmen und Erzählhaltungen bieten stets neue Perspektiven auf die Themen Nähe, Sehnsucht, Anziehung und Verlust. Die Texte schwanken zwischen humorvollen und leichten Tönen und melancholischen, nachdenklichen Passagen und demonstrieren eindrücklich, dass Liebe sich selten planen lässt. Sie blüht dort auf, wo Menschen sich in einem zufälligen Moment begegnen – im Vorübergehen, während des Reisens oder in den Übergängen des Lebens.
Der Begriff des Transits wird dabei nicht nur räumlich interpretiert. Auch innere Übergänge werden thematisiert: Aufbrüche, Abschiede, Veränderungen und die Suche nach einem Platz im Puzzle des Lebens. Diese Verknüpfung von äußerer Mobilität und innerem Wandel verleiht der Anthologie eine thematische Geschlossenheit, obwohl die einzelnen Beiträge stilistisch stark divergieren.
Die Präsenz sowohl etablierter als auch jüngerer Schriftsteller:innen bereichert die Lektüre und sorgt für Abwechslung. Es ist unumgänglich, dass nicht jede Erzählung alle Leser:innen gleich anspricht – das ist das Wesen einer Anthologie. Doch gerade die unterschiedlichen Tonlagen schaffen den besonderen Reiz des Bandes und laden ein, persönliche Lieblingsstücke zu entdecken.
Letztlich ist „Liebe im Transit“ keine Ansammlung klassischer Liebesgeschichten, die in einem vorhersehbaren Happy End culminieren. Vielmehr schlägt das Buch einen Bogen über die vielschichtigen Facetten menschlicher Begegnungen und hält uns vor Augen, dass die flüchtigen Augenblicke oft die tiefsten Eindrücke hinterlassen. Für Liebhaber:innen literarischer Kurzprosa, die sich an der Entdeckung verschiedener Stile erfreuen, präsentiert sich hier eine facettenreiche Anthologie, die das Thema Liebe mit leichter Hand, Witz und tiefgehender Nachdenklichkeit umkreist.