Helmut Schiestl
Spielweisen
Was Blasmusik sein kann.
Über die Ausstellung im Tirol-Panorama
anlässlich eines Konzertes
auf Original Blasinstrumenten
am Montag, 16.02.2026, 19.00 Uhr
Eine Ausstellung im Tirol Panorama-Museum zeigt noch bis Sommer heurigen Jahres die Geschichte der Tiroler Blasmusik. Anlass dazu ist das hundertjährige Bestehen des Tiroler Blasmusikverbandes. Dieser wurde 1925 interessanterweise nicht in Innsbruck, sondern in Schwaz gegründet, was wieder einmal beweist, dass diese kleine Stadt im Unterinntal schon immer eine kulturelle Bedeutung hatte.
Der Musik-Kurator des Tiroler Landesmuseums Franz Gratl hat nun eine Ausstellung zusammengestellt, die den Werdegang dieser für Tirol nicht wegzudenkenden Institution dokumentiert. In Schaukästen finden sich Instrumente, Notenmaterial, Trachten und in Audiostationen Kurzpräsentationen von Musikantinnen und Musikanten, die über ihren Zugang zur Musik erzählen. Letzteres fand ich sehr interessant und lockert die sonst doch eher sehr spröde Ausstellung etwas auf.

So erzählt etwa die Soloklarinettistin des Tiroler Sinfonieorchesters über ihren Werdegang bei der Musikkapelle ihres Heimatortes Söll, in der schon ihr Vater Kapellmeister war und der sie immer noch angehört, allerdings als Trompeterin. Und auch eine ältere Musikantin erzählt darüber, wie sie früher noch eine der wenigen Musikantinnen war, und immer noch in der Musikkapelle Saggen mitspielt.
Mittlerweile bestehen ja nicht nur hierzulande die meisten Kapellen oft bis zur Hälfte aus Musikantinnen. Während es inzwischen auch einen Marketender gibt, eine Funktion, die darin besteht, den Zuhörern und Zuhörerinnen Schnaps zu verkaufen und somit etwas Geld in die Vereinskasse zu bringen, eine Funktion, die früher nur jungen Frauen vorbehalten war, die so zugleich als fotogener Aufputz vor den Kapellen einhermarschierten.
Die Fotos der Musikkapellen sind oft sehr ungünstig durch die Ausstellungsarchitektur platziert, sodass man sie oft gar nicht gut betrachten kann. Darüber hinaus steht auf Texttafeln zum Teil Interessantes aus der Geschichte der Blasmusik, die ja immer die Geschichte der Herrschenden mit ihrem Spiel klanglich begleitete. Nicht zu vergessen dabei natürlich auch die NS-Zeit, in der die Musikkapellen bei den diversen Naziaufmärschen dabei waren, so wie sie gleich nach dem Krieg wieder für die damals noch im Land weilende Französische Besatzung und deren Feierlichkeiten zur Stelle sein mussten, später dann beim rasch florierenden Tourismus eine bunte Staffage abgaben und mit ihren Konzerten und Auslandsreisen das Bild des Tirolers in der Welt als fest in seinem Brauchtum verankert festlegten.
Nur selten gab es dabei wohl Widerständiges, dass sich etwa einer oder mehrere Musikanten geweigert hätten, für einen Herrscher oder einen Diktator aufzuspielen, zumindest kommt das in der Ausstellung nicht vor. Obwohl es auch Arbeitermusikvereine gab, die dann meist für die sozialdemokratische Seite spielten.
Leider sind gerade bei den ausgewählten Musikbeispielen, die in der Audio-Box zu hören sind, nur Märsche, für die die Tiroler Blasmusikszene weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist, man denke nur etwa an Sepp Tanzer, aber keine modernen Stücke, die von einzelnen Kapellen in Tirol immer wieder einmal aufgeführt werden. Es gab sogar mehrmals Kooperationen zwischen der Swarovski-Musik Wattens mit den Tiroler Klangspuren, die auch auf CD aufgezeichnet sind.
Auch die Haller Speckbacher-Stadtmusik wagte sich in den siebziger Jahren an eine Uraufführung des mittlerweile verstorbenen Tiroler Komponisten Paul Engel. Und selbst der wohl inzwischen bekannteste Tiroler Komponist, der 2001 verstorbene Werner Pirchner, hatte keine Berührungsängste mit der Blasmusik und komponierte für sie einige Stücke, die leider viel zu selten aufgeführt werden.
Alles das kommt in der Ausstellung leider nicht vor, wie auch die inzwischen weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Innsbrucker Promenadenkonzerte, die alljährlich im Juli in der Hofburg veranstaltet werden und ein großes Angebot an internationalen Spitzenorchestern präsentieren, in der Ausstellung keine Erwähnung finden.

Das Traditionelle hat erwartungsgemäß(?) Übergewicht bei der Ausstellung. Interessant auch: die am Eingang der Ausstellung zu erwerbende Festschrift des Blasmusikverbandes hat nur einen kleinen historischen Teil und informiert dafür im größeren über den Mitgliederstand aller Musikkapellen des Landes, während der Südtiroler Blasmusikverband einen mehrere hundert Seiten dicken Band präsentiert, der über die Geschichte der Blasmusik dort und seine politischen Verstrickungen informiert, was vielleicht auch der dortigen historischen Komplexität etwa in der faschistischen Ära geschuldet sein mag.
Eine interessante Ergänzung zur Ausstellung mag dabei vielleicht das Rahmenprogramm sein, das aus Vorträgen und Diskussionen zum Thema Blasmusik in der Zeitgeschichte und wohl auch in der Gegenwart besteht, Näheres dazu unter dem Link https://www.tiroler-landesmuseen.at/ausstellung/spielweisen/
Nächste Veranstaltung:
Gesprächskonzert
Tirol Panorama & Kaiserjägermuseum
Montag, 16.2.2026 | 19 Uhr
„Dämmerschoppen 1872“
Ländliche Blasmusik auf historischen Instrumenten mit den Strebitzern aus Oberösterreich
Das oberösterreichische Ensemble „Die Strebitzer“ bietet etwas weltweit wohl Einmaliges: Das Ensemble ist spezialisiert auf ländliche Blasmusik der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und spielt auf Instrumenten dieser Zeit. So vermitteln die Strebitzer ein authentisches Klangbild, das sich sehr von dem der aktuellen Blasmusik unterscheidet – und sie vermitteln diese Musik stets auf unterhaltsame Weise.
In diesem Gesprächskonzert tauchen wir in die Welt der dörflichen Musikpflege des 19. Jahrhunderts ein – und darüber gibt es wahrlich viel zu erzählen, auch manch Anekdotisches.
Fotorechte: Helmut Schiestl
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