Helmut Schiestl
„Rose“
von Markus Schleinzer und Alexander Brom
Filmbesprechung
Vom dreißigjährigen Krieg wissen wir sehr wenig, außer vielleicht noch die eine oder andere Kennzahl, so etwa, dass er 1618 begann und 1648 mit dem Westfälischen Frieden endete. Und das vielleicht auch: dass er die Religion zur Ursache hatte und sich bald einmal zu einem Territorialkrieg zwischen den damaligen europäischen Mächten, den katholischen Habsburgern, den ebenfalls katholischen Franzosen und dem protestantischen Norden entwickelte.
Im Film Rose ist das alles aber nicht wirklich ein Thema. Wir sehen nur eine ungerechte oder besser gesagt: eine selbstgerechte Gesellschaft, die es sich in den damaligen Verhältnissen leidlich eingerichtet hatte, um mit einer aufoktroyierten Ordnung leben zu können.
Da wird einer jungen Frau bei einer der vielen Kriegsschlachten der Mann genommen, sie hätte etwas zum Überleben gebraucht, das ihr nach damaliger Ordnung aber nicht zustand. Kurz: Als alleinstehende Frau gab es keine Chance für sie in der festgefügten patriarchalen Ordnung. Mann hatte sie keinen mehr und ein Erbe musste sie sich erst durch Vorgabe falscher Tatsachen erschwindeln.
Also schlüpfte sie in eine Hose und kämpfte sich als Mann durch ihre Not, versuchte sich sozusagen mit einer – heute würde man sagen – gefakten Identität ein neues Leben aufzubauen. Sie übernimmt einen verlassenen Hof, kämpft um die Rechte der Nutzung eines vorbeifließenden Baches mit einem Großbauern und muss dafür dessen älteste Tochter Suzanna ehelichen.
Als diese schließlich von einem anderen Mann schwanger wird, glaubt sich Rose erst einmal in Sicherheit. Aber die Ereignisse nehmen ihren Lauf, und durch einen Unfall beim Imkern wird ihr wahres Geschlecht aufgedeckt.
Ihr wird wegen Vortäuschung einer falschen Identität und eines falschen Geschlechts der Prozess gemacht und sie wird hingerichtet, ebenso ihre Partnerin Suzanna. Gleichgeschlechtliche Liebe, wenngleich sie im Film nie gezeigt, ja nicht einmal angedeutet wird, war damals strengstens verboten und wurde mit dem Tode bestraft. Aber auch dies ist nicht das zentale Thema des Films. Es geht vielmehr darum, eine Frau zu zeigen, die, um zu überleben, in eine männliche Rolle – in eine Hose also – schlüpft. Es ging ihm um dieses Überleben, wie Regisseur Markus Schleinzer bei der Premiere des Films im Leokino erklärte.
Ich empfinde den Film als sehr gelungen, vor allem durch die Darstellung der wunderbaren Sandra Hüller in der Rolle der Rose, wofür sie in Berlin den silbernen Bären erhielt. Auch die Darstellerin der Suzanna, Caro Braun, fand ich sehr überzeugend. Übrigens spielt auch der Tiroler Schauspieler Rainer Egger eine kleine Rolle in dem Film, er war auch bei der Premiere des Films anwesend.
In schwarz-weiß gedreht gelingt es, das Kolorit einer für uns heute wohl Lichtjahre entfernten Zeit einzufangen. Auch eine angenehme Erzählstimme, die die Geschichte mit einer manchmal an ein Theaterstück gemahnenden Sprache vermittelt, macht den Film zu einem rundum geglückten Kinoereignis.

Rose
DE, AT 2026
REGIE: Markus Schleinzer
BUCH: Markus Schleinzer, Alexander Brom
Kamera: Gerald Kerkletz
Darsteller:innen: Sandra Hüller, Caro Braun, Marisa Growaldt, Godehard Giese
Dauer: 94min
Fassung: deutsche Originalfassung
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