Helmut Schiestl
Margit Jordan, eine starke Frau.
Würdigung

Kürzlich ist die Tiroler Autorin Margit Jordan, die zusammen mit ihrem 2020 verstorbenen Ehemann Roland Jordan viele Jahre die Geschicke des Innsbrucker Turmbundes geleitet hat, gestorben. Sie war durch ihre Präsenz eine Art Seele des Turmbundes, immer bereit für neue Ideen und Anregungen, kritische Leserin ihr vorgelegter Texte und selbst Lyrikerin.

Vergangenen Samstag wurde ihr in einer berührenden Feierstunde in der Saggener Pfarrkirche gedacht, in dem Stadtteil, in dem sie zusammen mit ihrem Mann Roland lange Zeit gelebt hat. Eingerahmt von live gespielten Klavierstücken Robert Schumanns würdigten einzelne jüngere und ältere Mitglieder des Turmbundes ihr Wirken, trugen Gedichte der Verstorbenen vor und bedankten sich für ihren unermüdlichen Einsatz für den Turmbund.

Vor 75 Jahren von Hermann Kuprian und Heinrich von Schullern gegründet entwickelte sich der Turmbund von einer ursprünglich an eher konservativer Dichtkunst orientierten Zusammenkunft von Autoren in den späten 1980-er und 1990-er Jahren zu einer offenen und auch neuen Strömungen der Literatur aufgeschlossenen Literaturgesellschaft, die etwa in den letzten Jahren durch neue Veranstaltungsformate wie Open-Mic (wurde korrigiert) oder Jour fixe bei einem jüngeren Publikum anzudocken versucht.

Sozusagen als Geburtshelfer für noch unbekannte Talente bietet der Turmbund auch Schreibseminare an. Kulturfahrten und Austausch mit befreundeten Autorenvereinigungen runden das Aktionsfeld ab. Der Name des Vereins geht übrigens auf den Innsbrucker Stadtturm zurück, in dessen Türmerstube sich das erste Klublokal befand, und in dem seit ein paar Jahren wieder Lesungen stattfinden. 

Auch ich selbst konnte vor wenigen Jahren eine Lesung in der Türmerstube bestreiten. Da die Aufnahmekapazität des Lokals eher klein ist, muss man sich für den Besuch einer Veranstaltung vorher beim Turmbund anmelden.

Nochmals zurück zu Margit Jordan. Geboren in Habichen im Ötztal als Tochter eines Bahnbeamten kam sie später nach Wörgl, wohin ihr Vater befördert worden war, ehe sie selbst in Innsbruck Fuß fasste. Dort lernte sie ihren Mann Roland kennen, dem sie zwei Töchter gebar, Isolde und Silvia. Isolde erlernte von ihrem Vater das Zitherspiel  und erlangte später durch Konzertauftritte überregionale Bekanntheit.

Die Lyrik von Margit Jordan wurde im schoepfblog erst vergangenen Dienstag von Helmuth Schönauer anhand ihres in der Turmbund-Reihe erschienen Lyrikbandes fenstertage besprochen. Die Autorin arbeitet darin mit Bildern, die sie aus dem sie umgebenden Alltag entnimmt. Sie lässt sie aufleuchten zu Gleichnissen einer bedrohten Welt. 

Bei der Abschiedsfeier wurden, wie schon erwähnt, einige dieser Gedichte von der Schauspielerin Birgit Melcher und dem jetzigen Leiter des Turmbundes, Josef Beneder, beeindruckend vorgetragen. Gerade bei der Lyrik ist ja eine perfekte Deklamation sehr wichtig.

Zum Schluss vielleicht noch mein persönlicher Eindruck von der Verabschiedungsfeier: Sie war ohne viel Pathos, das Religiöse wurde diskret im Hintergrund gehalten, nur am Ende erfolgte ein Segen und ein Gebet für die Verstorbene. Sonst hatte die Lyrik das Wort. Und die persönlichen Erinnerungen an eine starke Frau.

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Helmut Schiestl

Geboren 1954 in Hall in Tirol. Bis 2019 beschäftigt an der Universität Innsbruck. Zuletzt am Innsbrucker Zeitungsarchiv des Instituts für Germanistik. Zahlreiche Publikationen und Veröffentlichungen in Tiroler Literaturzeitschriften und Anthologien sowie im ORF. Bücher: "Hirnkrebs", 1991 Tiroler Autorinnen- und Autoren-Kooperative. "Der Lotusblütenesser", 1992, Edition Himmelmeer. "Porträt des Schriftstellers als armer Wurstel", 2001 Edition Skarabäus.

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Michael Voldrich

    Open-Mic (Mikrophon, englisch), nicht Open-Mike heißt das neueste Veranstaltungsformat des Turmbunds (auch in der Kulturbäckerei in der Dreiheiligenstraße wird ein Eventformat schon seit längerem so benannt), initiiert und moderiert von Johanna Korell.
    – Das nur als kleine Korrektur von einem Mike wie mir 🙂

  2. Michael Voldrich

    Lieber Helmut, ich finde dein Portrait der Margit Jordan sehr stimmig.
    Deine Erwähnung (Robert) Schumann’scher Musik(auswahl) bei der Trauerfeier,von Insidern erkannt, zeigt die bewundernswerte Nähe von Margits überaus musisch begabten und versierten Nachkommen wie Isolde Jordan bzw. von Schwiegersohn Harald Oberlechner und Enkel Valentin Jordan zu Margit Jordan und ihrer Feinfühligkeit und Verletzlichkeit, wie sie unverwechselbar Schumanns romantische Innerlichkeit zu charakterisieren imstande ist und wohl auch Margits Musikgeschmack und Lebensgrundstimmungen von ihr sehr adäquat ausdrückt.
    Margit musste man nicht zuletzt aufgrund ihres zuvorkommenden und einladenden Wesens einfach gern haben.
    Und sogar der oft sarkastisch formulierende Thomas Bernhard, der andererseits ein Liebhaber von Schumanns Klangwelt war, hätte Margit sicherlich sehr gemocht und geschätzt, da ihm alles Unverfälschte am Leben und Wirken eines Menschen stets ein Wert und Anliegen war.

  3. Georg Payr

    Lieber Helmut, womöglich gebar Margit Jordan nicht nur ihrem Mann zwei Töchter, sondern auch sich selbst. Wollen wir’s hoffen.

  4. c. h. huber

    ja, lieber helli, auch ich fand die verabschiedung margit jordans als durchaus ihr entsprechend – sie hätte ihr gefallen. margit war auch eine meiner geburtshelferInnen als autorin, auch eine freundin in späteren jahren. ich werde sie nie vergessen.

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