Helmut Schiestl
Kirk Jones
I Swear - Verflucht normal
Filmbesprechung
Menschen mit Tourette-Syndrom – eine Nervenerkrankung, die sich durch unkontrollierte Zuckungen und Bewegungen und oft auch durch Schreien und das Ausstoßen von unflätigen Wörtern äußert – waren bereits in einigen Filmen zu sehen: manchmal eher als komische Randerscheinungen – nicht so beeindruckend dargestellt jedenfalls wie in diesem Film, der auf einer realen Geschichte basiert, und daher wichtig ist zur Aufklärung über ein seltenes Phänomen.
Der vom Schauspieler Robert Aramayo dargestellte Schotte John Davidson hat es mittlerweile geschafft, mit seiner Krankheit eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen und dafür sogar am Ende des Films einen Orden der Englischen Königin zu erhalten.
Was für einen Leidensdruck muss jemand ertragen, den ständig nicht nur nervöse Zuckungen, sondern eben auch Schimpf-Anfälle mit Obszönitäten heimsuchen, die er nicht und nicht steuern kann. Mit der Zeit gelingt es John doch noch, ein für ihn verständnisvolles Umfeld zu finden, etwa in einer Krankenschwester, die die Mutter eines Freundes ist, und die sich seiner annimmt.
Sie ist selbst mit einer Krebsdiagnose, die ihr nur mehr eine kurze Lebensdauer einräumt, nicht gerade auf die Butterseite des Lebens gefallen. Dennoch schafft sie es, John eine Förderin auf seinem Lebensweg zu sein und ihm Selbstvertrauen zu geben.
Johns Leben ist allerdings immer wieder von Rückschlägen begleitet: einmal wird er von Zuhältern zusammengeschlagen, weil er ihre Prostituierte unabsichtlich aufgrund seiner Krankheit beschimpft hat. Von anderen wird er ausgelacht und nicht für voll genommen.
Das typische Leben eines Außenseiters in einer Kleinstadt also, das kaum bewältigbar ist, aber am Ende dann doch gut oder zumindest besser zu werden verspricht, gibt ihm doch der Hausmeister des Gemeindezentrums erstmals eine Anstellung und so eine berufliche Chance. Denn es ist nicht so einfach für einen Menschen mit Tourette-Syndrom einen Job zu finden.
Kurz gesagt: I swear ist ein Film, der ohne Sozialkitsch oder Behindertenromantik auskommt.
Was mir und wohl auch anderen im Kino schon sauer aufstieß: Die Lachanfälle des Publikums bei den ersten von John ausgestoßenen Obszönitäten, wie wenn man nicht gewusst hätte, dass es dabei ja gerade um eine Krankheit geht und nicht einfach nur eine Komödie abläuft, bei der Kraftausdrücke ein Stilmittel sind. In einem Programmkino hätte man da vielleicht doch etwas mehr Zurückhaltung erwartet.
Das trübte aber am Ende nicht den Benefit über einen sehr sensibel und eindrucksvoll gemachten Film über ein wichtiges Thema.

I Swear – Verflucht normal. GB 2025
REGIE: Kirk Jones
BUCH: Kirk Jones
Kamera: James Blann
Darsteller: Robert Aramayo, Maxine Peake, Peter Mullan
Dauer: 121min
Fassung: englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
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Ergänzend noch: Der Film läuft nur mehr heute Dienstag um 20.10 Uhr und morgen Mittwoch um 17.45 Uhr im Leokino 1! Nächste Woche leider nicht mehr!