Helmut Schiestl
Die Innsbrucker Promenadenkonzerte
sind eröffnet.
Das Sinfonische Blasorchester Tirol
konzertierte
unter der Leitung des Intendanten.
Besprechung
Schon seit einigen Jahren brilliert das Sinfonische Blasorchester Tirol unter den Spitzenensembles der Tiroler Blasmusikszene, kommen seine Mitglieder doch auch aus verschiedenen Landesteilen und finden sich immer wieder zu interessanten Konzertprojekten zusammen. Sein Leiter, Bernhard Schlögl, hat das Orchester wohl deshalb auch gleich als Eröffnungskonzert seiner schon seit einigen Jahren von ihm als künstlerischer Leiter betreuten Innsbrucker Promenadenkonzerte engagiert.
Und es war ein fulminanter Auftakt eben dieser wohl immer gut besuchten und den Innsbrucker Kultursommer mitprägenden Konzertreihe.

Es hat alles gestimmt an diesem Abend, sowohl die Programmauswahl als auch das Wetter! Und meine Befürchtung, dass eventuell durch die zeitgleich stattfindende Sieger-Abschlussparty eines Hindernislaufes vor dem Landestheater wummernde Diskobässe das Konzert beeinträchtigen würden, lösten sich in Luft auf. Dankbarerweise hat da wohl doch das städtische Kulturamt oder wer auch immer dafür Verantwortlicher ein Machtwort gesprochen und so konnte dem Konzertgenuss nichts mehr im Wege stehen.
Begonnen wurde mit der gefälligen, von Albert Schwarzmann arrangierten Ouvertüre zur Hochzeit des Figaro von Wolfgang Amadeus Mozart, die gleich einmal das Theresianische Flair der Hofburg zum Mitschwingen brachte.
Darauf folgte die von John Boyd arrangierte, sehr stimmungsvolle Ouvertüre für Harmoniemusik von Felix Mendelssohn-Bartholdy, die einmal mehr vermittelte, was Blasmusik alles kann oder können würde – fernab von falscher Zünftigkeit und hohlem Pathos.
Nach Mendelssohn kam der Teufel ins Spiel. Vom Dirigenten Bernhard Schlögl wurde das Publikum in interessanter Erklärung über die Macht des Bösen und seinen Zauber hingeführt zu dem von Alexander Kosmicki für Blasmusik komponierten Danse satanique, einem langsam sich entwickelnden und sich bald in großer Dynamik und auch Bedrohlichkeit kulminierenden Konzertstück, das wohl kaum jemanden unberührt ließ.
Dem Bösen musste dann natürlich das Gute folgen. Das tat es in Form der von Kevin Houben komponierten mit Teilen von Gustav Mahlers Auferstehungssinfonie … wie soll man sagen, aufgepeppten Resurrection. Naja, für mich nicht gerade das beste Stück des Abends. Da schon lieber Mahler pur! Aber es fand seinen Applaus.
Nach der Pause und einem vom Orchestermitglied Benedikt Eller komponierten Marsch Uniti, der kurz das Andreas-Hofer-Lied anklingen, es aber dann auch gleich wieder (glücklicherweise?) verschwinden ließ und sich mehr um das Vereinigte Europa kümmerte, folgte eine charmante Ouvertüre von Jacques Offenbach zur Opéra-bouffe Barbe Bleue, die mit ihrem typisch offenbach‘schen Charme zu überzeugen wusste. Eine Operette übrigens, die sich nach den Worten des Dirigenten übrigens auch gut in unserer heutigen Zeit verorten ließe.
Weiter ging es mit einem wenig bekannten deutschen Komponisten aus dem Umfeld des schon erwähnten Felix Mendelssohn-Bartholdy namens Ferdinand David, dessen Concertino für Posaune und Orchester in Es-Dur der junge Posaunist Jakob Ettinger fulminant interpretierte. Das Werk changiert zwischen Esprit und für die Romanik typischer Melancholie. Es wurde von Bernhard Schlögl auch als Höhepunkt des Konzertes angekündigt, und das war es wohl auch, schon der Länge nach, aber vor allem auch im Hinblick auf die kompositorische Qualität.

Kein Blasmusikkonzert darf heute wohl ohne ein Filmmusik-Medley auskommen. Und so fand zuletzt denn auch John Williams Suite aus dem Film Far and Away, der in Irland und später in den USA spielt und eine Auswanderergeschichte mit Tom Cruise und Nicole Kidman in den Hauptrollen erzählt, Eingang ins Konzert, wobei die Stimmung in den irischen Highlands tatsächlich aus der Musik sehr gut herauszuhören war. Da dürften wohl bei vielen im Publikum Urlaubsträume oder Urlaubserinnerungen aufgekommen sein.
Beendet wurde das Konzert nach starkem und wohlverdientem Applaus als Zugabe mit einer ganz leisen Komposition nur für Marimba, wohl einem gut und geschickt ausgewählten Gute-Nacht-Stück für das dankbare Publikum.
Fotorechte: schoepfblog
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