Helmut Schiestl
Die Bläserphilharmonie Mozarteum Salzburg
unter der Leitung von
Christian Thielemann
bei den Innsbrucker Promenadenkonzerten
Besprechung
Wieder ein tolles Ensemble, wieder ein Blasorchester, bestehend aus Studentinnen und Studenten der Musikuniversität Mozarteum Salzburg, alle in bester Form, und zum ersten Mal mit einem Stardirigenten am Pult: dem bekannten deutschen Dirigenten Christian Thielemann. Dieser wird ab Herbst das Hochschulorchester leiten und hat hier schon einmal ein Einstandskonzert gegeben, bei dem vor allem die Opern- und Klassik-Liebhaber auf ihre Rechnung gekommen sein dürften.

Intendant Bernhard Schlögl mit Christian Thielemann vor der Hofburg
So begann Thielemann mit Richard Strauss, der im Konzert dann noch öfter zu hören sein sollte. Zuerst mit der Festfanfare für die Wiener Philharmoniker, einem mitreißenden Stück mit großem Trompetensatz, gefolgt von seiner eher selten gespielten Ouvertüre für großes Orchester, die in ihrer ganzen kompositorischen Breite alle Register zog, ohne für ein konkretes Musikdrama komponiert worden zu sein.
Konkret Dramatisches kam dann bei James Barnes voll zutage. In seiner 3. Sinfonie für Blasorchester hat er im 3. Satz seiner bereits als Kleinkind verstorbenen Tochter ein sehr berührendes Denkmal gesetzt. Eine zarte, traurig-schöne Musik, die mit den Schlägen der Uhr des nahegelegenen Doms und dem Flug der Mauersegler über den Burghof ein beeindruckendes Stimmungsbild erzeugte.
Ich habe dieses Stück schon vor ein paar Jahren einmal bei den Promenadenkonzerten gehört, und es hat mich damals schon sehr berührt und mich neugierig gemacht, einmal die ganze Sinfonie zu hören.

Christian Thielemann dirigiert die Bläserphilharmonie Mozarteum Salzburg
Weiter ging es mit einer von Albert Schwarzmann arrangierten und für Euphonium eingerichteten Arie aus der Strauss-Oper Die Frau ohne Schatten. Ein lyrisch dahinfließendes Stück aus einer doch sehr bekannten Oper, das sich auch in dieser Instrumental-Version sehr gut anhörte.
Anton Bruckners Scherzo aus seiner 4. Sinfonie, arrangiert von Theodor Burkali, hat mich eigentlich am meisten fasziniert an diesem Abend, da ich kaum merkte, dass es nur von einem Blasorchester gespielt wurde. So stark sind darin die Bläsersätze verankert, dass man eben den Geigenklang kaum vermisst, wozu natürlich gesagt werden muss, dass es in der Bläserphilharmonie doch einige Bassgeigen gibt, wie der Moderator in seiner Vorstellung der Register des Orchesters und seiner Geschichte erwähnt hat.
Richard Wagners wieder von Albert Schwarzmann arrangierter Trauermarsch aus seiner Oper Götterdämmerung ließ dann nach der Pause wieder alle Register in Höchstform auflaufen. Bayreuth, auf deren Wagner-Festspiele in der Moderation auch hingewiesen wurde, klang da wohl durch mit allen Facetten großer bläsermusikalischer Ausdruckskunst. Und obwohl Wagner für viele wegen seiner historischen Belastung verpönt ist, so finde ich gerade seine Melodienbögen, seine starke Dramatik auch abseits seines heldenhaften Gestus doch immer wieder sehr beeindruckend. Hätte er später gelebt, er wäre wohl ein erstklassiger Filmkomponist geworden, wenngleich vielleicht nur für seine von ihm selbst geschriebenen Drehbücher!

Der ausverkaufte Innenhof der Kaiserlichen Hofburg in der Abenddämmerung
Till Eulenspiegels lustige Streiche, ebenfalls arrangiert von Albert Schwarzmann, ein Schelmenstück wieder von Richard Strauss, immer wieder gern gespielt und wohl auch gern vom Publikum gehört, in dem vor allem die Klarinettenregister voll zum Tragen kommen, und in dem der Strauss’sche Schalk in der Figur des Narren aus dem Dreißigjährigen Krieg immer wieder aufblitzt. Komponiert bereits 1895, also schon in der frühen Schaffenszeit des Komponisten, rundete das fröhliche Stück das Programm eines sehr versierten und die Grenzen seines Könnens immer wieder neu auslotenden und erweiternden Orchesters ab.
Nicht ohne dem Publikum noch zwei Zugaben auf seinen Heimweg mitzugeben: den sehr bekannten Schönfeldmarsch, den der Dirigent weniger dirigierte als mit minimalen Bewegungen mittanzte, und ein schönes, sanftes, für Blasorchester instrumentiertes Lied, mit dem die Zuhörerinnen und Zuhörer in die laue Sommernacht entlassen wurden.
Fotorechte: privat
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