Helmut Schiestl
Das Balkan Paradise Orchestra
bei den Innsbrucker Promenadenkonzerten
Und:
Die Kelag Big Band
unter Hans Lassnig-Walder mit der Sängerin
Sandra Pires
Zwei Besprechungen

Ein völlig anderes und ungewohntes Konzert der Innsbrucker Promenadenkonzerte besuchte ich am Donnerstag, den 23. Juli. Das aus Barcelona stammende Balkan Paradise Orchestra, bestehend aus zehn Musikerinnen, konnte den Innenhof der Hofburg mit ihren Rhythmen ordentlich zum Schwingen bringen.

Eigenkompositionen der Band wechselten mit feurigen Arrangements der rumänischen Roma-Band Taraf de Haïdouk ab. Das alles in fein austarierter Mischung, welche die Stimmung im Innenhof geradezu zum Kochen brachte.

Leute tanzten, was für das Publikum der Promenadenkonzerte doch eher untypisch ist, sich aber für deren Leiter Bernhard Schlögl als Ausdruck einer gelungenen Programmierung erwies, sind damit doch neue Publikumsschichten für diese beliebte Konzertreihe angesprochen worden und wohl auch für die Zukunft zu gewinnen.

Man konnte beobachten, wie sich einige der Konzertbesucherinnen und Besucher geradezu die Seele aus dem Leib tanzten. Und das tat wohl allen gut an diesem lauen Sommerabend.

Interessant ist auch, wie sich das Ensemble, das sich laut Programmheft 2015 in den Straßen Barcelonas formierte, mit Live-Acts die Herzen des Publikums eroberte. Man fragt sich: Spanien und der Balkan sind ja nicht gerade benachbarte Länder oder Gebiete. Aber das Feuer der Rhythmen ist doch sehr ähnlich, sind beides doch südliche Länder, und manche Stücke sang die Band ja auch auf Spanisch. Und ich nehme auch an, dass das Ensemble doch immer wieder Reisen in den Balkan macht, um sich von den dortigen Musikern immer wieder inspirieren zu lassen und neue Ideen zu holen.

Vielleicht noch ein ganz persönlicher Eindruck: eine gute Freundin von mir, mit der ich das Konzert besucht habe, und die ich schon über zwanzig Jahre lang kenne, habe ich noch nie so tanzen gesehen wie an diesem Abend. Da kann ich nur mehr sagen: Chapeau! Wenn es – wie bei diesem Konzert – Musikerinnen so gelingt, Leute in Stimmung zu bringen, die sich sonst nur sehr schwer aus der Ruhe bringen lassen!


Die Kelag Big Band mit Sandra Pires

Groove aus Kärnten konnte man am vergangenen Samstag beim 22. Konzert der Innsbrucker Promenadenkonzerte hören. Eine Bigband, die vom Kärntner Energiekonzern KELAG gesponsert wird und sich zu einem anerkannten und gefragten Jazz-Ensemble entwickelt hat.

Die Kärntner können also nicht nur singen, sondern eben auch schönen und groovigen Jazz machen. Und zu ihrem Innsbrucker Auftritt haben sie sich die schon sehr bekannte auf Osttimor geborene, aber schon längere Zeit in Österreich lebende Sängerin Sandra Pires engagiert und mit ihr einen schönen Konzertabend gestaltet.

Interessant schien mir dabei, wie die Sängerin zwische
n ihrer Muttersprache Portugiesisch und Deutsch switchte. Auf Englisch sang sie im ersten Teil des Konzerts Arrangements bekannter Jazz-Nummern wie etwa Goldfinger von John Barry oder Ain’t Nobody von David Wolinsky, und im zweiten Teil portugiesische Songs, und da durfte dann natürlich auch der bekannte portugiesische Fado nicht fehlen! 

Die Ankündigungen der Stücke moderierte sie mit leicht Kärntnerisch angehauchten Deutsch. Sehr charmant!

Waren beim Konzert des Balkan-Paradise-Orchestra mehr oder weniger alle Frauen gleichzeitig auf der Bühne präsent mit ihren tänzerischen Acts, mit denen sie ihre Musik sozusagen framten, so war es hier beim Konzert der KELAG Big Band die Präsenz von Sandra Pires, die die ganze Aufmerksamkeit des Publikums nicht nur durch ihre Lieder, sondern auch durch ihre erotische Ausstrahlung in luftigem Kleid und nicht zuletzt natürlich auch durch ihre tänzerische Performance auf sich zog.

Kurz: War das erste Konzert durch Frauenpower geprägt, jede Musikerin war Teil des Gesamtgeschehens auf der Bühne, so war es hier beim Konzert am Samstag großartige Gesangskunst, weiblicher Eros, hinterlegt mit jazzigem Sound, starken Trompeten- und Posaunen-Chören und Gitarrenbeat.

Beides für mich große Abende der heurigen Promenadenkonzerte, die diese Woche mit noch einigen interessanten Ensembles, heute etwa mit der Royal Band of the Belgian Airforce und am Mittwoch dann mit dem Auftritt von Federspiel, in die Zielgerade des heurigen Konzertreigens einbiegen.

Fotorechte: Amir Kaufmann

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Helmut Schiestl

Geboren 1954 in Hall in Tirol. Bis 2019 beschäftigt an der Universität Innsbruck. Zuletzt am Innsbrucker Zeitungsarchiv des Instituts für Germanistik. Zahlreiche Publikationen und Veröffentlichungen in Tiroler Literaturzeitschriften und Anthologien sowie im ORF. Bücher: "Hirnkrebs", 1991 Tiroler Autorinnen- und Autoren-Kooperative. "Der Lotusblütenesser", 1992, Edition Himmelmeer. "Porträt des Schriftstellers als armer Wurstel", 2001 Edition Skarabäus.

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