Helmut Schiestl
Augenreisen
Dokumentation über Peter Prantstetter
Filmbesprechung
Tiroler Dokumentarfilmregisseur Daniel Pöhacker zeigt in seinem schönen, einfühlsamen Filmporträt eine interessante Künstlerpersönlichkeit. Peter Prantstetter, 1925 geboren und 2021, also noch vor Fertigstellung des Films verstorben.
Bei der Entstehung des Films war Prantstetter schon jenseits der neunzig, aber dennoch agil und vor allem: immer noch malerisch und zeichnerisch! Selten, dass in einem Film über einen Maler die beiden Künste – die Film- und die Malkunst – sich so gut ergänzen!
Der Film kommt dabei fast als Lichtmalerei über die Leinwand. Einmal sind es die Hände des Künstlers beim Malen und Zeichnen, dann wieder die von ihm gestalteten Fenster in der gotischen Kirche von Heiligkreuz bei Hall.
Erstmals hat der Regisseur, wie er hernach bei einem Gespräch erzählte, auch eine Drohne für die Aufnahmen verwendet, was die Fenster noch viel besser ins Bild kommen lässt. Dann sind es wieder Gegenstände und ihre physische Veränderung, die der Künstler gesammelt hat, wie etwa alte Nägel oder alte Aufzeichnungsbücher, wie man sie früher wohl für die Buchhaltung verwendet hat. In solchen Heften und Büchern fixierte der Künstler seine Ideen und Aufzeichnungen, und auch jedes Bild, das er gemalt oder gezeichnet hat, wird hier im Mikroformat festgehalten.
Augenreisen heißt der Film auch deshalb, weil der Prantstetter immer nur sehr ungern verreiste, dies lieber nur mit den Augen unternahm und sich so eine Wahrnehmungsschärfe für das Kleine und Unscheinbare bewahrte.
Interessant auch sein Briefwechsel mit dem Schriftsteller Peter Handke, der von Prandstetters Kunst sehr angetan ist, wie man den Briefen entnehmen kann. Interessant aber auch die Entstehungsgeschichte des Films. Daniel Pöhacker hat ihn ja noch zu Lebzeiten des Künstlers begonnen. Als dieser dann verstorben war, ruhte das Projekt erstmals wie ein Kokon, ehe es dann durch Prantstetters Frau, die Künstlerin Ilse Abka-Prandstetter, die eine Ausstellung mit Werken ihres Mannes veranstalten wollte, sozusagen wieder flügge wurde.
Damit gelang es, den Film etwa durch Gespräche mit Weggefährten des Künstlers wie eben mit seiner Frau oder dem Künstler Michael Ziegler zu einem schönen filmischen Künstlerporträt zu ergänzen, das sich in die bisherigen Dokumentationen Daniel Pöhackers einfügt: etwa über Peter Willburger, Artur Nikodem oder über Pöhackers Vater, den Bildhauer Franz Pöhacker.

AT 2026
REGIE: Daniel Pöhacker
BUCH: Daniel Pöhacker
Kamera: Daniel Pöhacker
Dauer
53min
Fassung: deutsche Originalfassung
Gelaufen im Leokino / Innsbruck
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Sehr informative Filmbesprechung. Danke.