Hans Augustin
Wenn jede Frau eine Pistole bekäme.
Notizen
Der Zorn ist mächtig, berechtigt, nachvollziehbar und dennoch aussichtslos. Die Ermordung von Frauen – unter dem Schlagwort: Femizid – ist in den letzten Jahren nicht nur ein gesellschaftspolitischer, sondern auch ein journalistischer Begriff geworden, und die Wut über die Hilflosigkeit ist spürbar.
Die Aufforderung von Frauen, Männer sollten sich zu diesem Thema äußern, ist so hilflos wie sinnlos, denn alles, was ein Mann dazu äußert ist falsch. Verständnis zu zeigen, gilt als Verniedlichung, als Entschuldigung. Allein die Erwähnung, dass Männer bisweilen über Jahre auf subtile Weise entmännlicht werden, ihrer Würde beraubt, gedemütigt werden, gilt bereits als Legitimation für die Tat.
Man kennt die Verhältnisse, die Bedingungen nicht, in welchem Zeitraum Hass und Ablehnung entstanden, gewachsen sind, bis zu diesem Tag, an dem diese Tat erfolgt.
In einem online-newsletter aus der Schweiz gibt es zu diesem Thema, von einer Journalistin formuliert, die Aussagen älterer Menschen, dass sie hoffen, dass ihr Partner bald sterben möge, weil er pflegebedürftig oder gewalttätig sei.
In sozialen Netzwerken äußern sich Mütter in die Kamera, dass sie – aus unterschiedlichsten Gründen, aber hautsächlich aus Überforderung, – lieber keine Kinder bekommen hätten. Dass Kinder, als letzter Ausweg einer für Frauen aussichtslosen Situation, nach der Geburt getötet werden. In diesen Aussagen wird oft eine lange und harte Geschichte sichtbar, die viel mit der Welt zu tun hat, in der wir leben.
Sie, die Journalistin, würde sich manchmal wünschen, eine Schusswaffe zu tragen, um den ständigen Gefahren, in der sich eine Frau befindet, entsprechend zu begegnen. Diese Aussage zielt auf eine große Anzahl von Frauen ab. Es ist gefährlich – als Mann – diese Behauptung in Frage zu stellen. Und sie benennt die Gefahren in Form von begaffen, betatschen, bedrohen, Erniedrigungen und Beleidigungen hinzunehmen, um dann noch verprügelt und vergewaltigt zu werden.
Wie kompliziert ihr Wunsch ist, schreibt die Journalistin, zeigt sich daran, dass sich manchmal die Feministin mit der Faschistin auf dem Schießplatz trifft. Für die schwarze Feministin Roxane Gay ist ihre Schusswaffe ein Mittel zur Selbstermächtigung, für US-Heimatschutzministerin Kristi Noem ist sie die Hauptzutat einer Drohkulisse gegen die verhassten Einwanderer.
Es gibt in Indien eine Frauenbewegung mit der Bezeichnung Gulabi Gang, deren Mitglieder Jagd auf gewalttätige Männer machen und diese mit Bambusstöcken bestrafen.Sie sind dafür bekannt, bei häuslicher Gewalt einzuschreiten, wenn die Behörden untätig bleiben. In leuchtend pinke Saris gekleidet und mit Bambusstöcken bewaffnet, wird eingegriffen, um Frauen vor Gewalt und Ungerechtigkeit zu schützen. Diese Frauen nehmen das Gesetz selbst in die Hand.
Über das direkte Eingreifen hinaus konzentriert sich die Gruppe auf Empowerment: durch Ausbildung und Bildung unterstützen sie Frauen dabei, finanziell unabhängig zu werden und das Selbstvertrauen zu finden, für sich selbst einzustehen.
Vielleicht müssen sich Männer, muss sich die Gesellschaft an das Bild bewaffneter Frauen gewöhnen. Nicht nur Männer wie Trump legitimieren dieses Anliegen. Was bleibt dann aber noch von einem Blickkontakt in einer Bar, wenn in der Handtasche die Pistole lauert?
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Natürlich Trump.Er darf einfach nicht fehlen. Er legitimiert die Bewaffnung von Frauen, die „das Gesetz in die eigene Hand“ nehmen. In Indien. Ohne Trump geht nichts mehr bei den „Euro-Intellektuellen“, den Comediens, den grün-linken Kommentatoren usw. Er ist nun –nach Haider – deren „Gott-sei-bei-uns“.
mütter und väter auch aus anderen kulturkreisen müssen ihre kinder von anfang an zur gewaltlosigkeit erziehen, dann werden wir uns auch flirts ohne negative folgen leisten können. ein frommer wunsch?