Hannes Parth
Zusammenarbeit statt Verhinderungsrausch
Über die Seilbahn-Branche und eine vernünftige Koexistenz
mit dem Alpenverein
Notizen

Nach einigen Tagen in Italien genieße ich wieder die frische Bergluft und freue mich auf Wanderungen und Mountainbiketouren in unserer herrlichen Bergwelt. Mit E-Bike, um mangelnde Kondition auszugleichen, um Puls- und Herzfrequenz zu schonen und dem fortgeschrittenen Alter entsprechend zu regulieren.

Gerne kehre ich dazu in einer der vielen Alpenvereinshütten ein, von denen viele mit mountainbikegerechten Wegen zu erreichen sind. Ich habe eine starke persönliche Bindung zu diesen Hütten.

So bewirtschaftete meine Großmutter väterlicherseits mehrere Jahre als noch unverheiratete Frau auf dem Weg zum Großglockner sowohl die Stüdlhütte als auch die Adlersruhe, die damals noch Erzherzog-Johann-Hütte hieß. Der Herr Stüdl hat sie, eine Frau aus einer kinderreichen Galtürer Familie wohl im Hotel Royal in Lana in Südtirol kennengelernt und engagiert.

Das Geld, das sie damals verdiente, hat dann kurz vor dem geplanten Kauf eines Hotels die Geldentwertung zunichte gemacht. Und meine Vorfahren mütterlicherseits waren alle Bergführer, haben dann die Schutzhütten in der Silvretta bewirtschaftet und sind dadurch zu Wohlstand gekommen.

Da erreicht mich der mediale Hilferuf des Alpenvereines um Unterstützung durch die öffentliche Hand zur Aufrechterhaltung der Schutzhütten, dieser sowohl für den Tourismus als auch für die einheimische Bevölkerung zweifellos wichtigen alpinen Infrastruktur.

Während die österreichischen Seilbahnen heuer ihr 100-jähriges Bestehen bei der österreichischen Seilbahntagung gebührend gefeiert haben, haben die insgesamt 223 Schutzhütten, die der Alpenverein in ganz Österreich betreibt, zum Teil weit mehr als 100 Jahre auf dem Buckel.

Das stolze Alter der beliebten Ausflugsziele lässt es schon erahnen: Bei vielen Bauten im Hochgebirge stehen in den kommenden Jahren Sanierungen an. Jährlich schließen in den Alpen drei bis vier Schutzhütten, weil explodierende Sanierungskosten, auftauender Permafrost und strenge Auflagen den Betrieb und die Suche nach Pächtern, die sich die mühsame Arbeit nicht mehr antun wollen, erschweren. Beim Wegfall der Hütten müssen auch einzelne Wege gesperrt oder aufgelassen werden.

Der Hilferuf des Alpenvereins blieb nicht ungehört und so stellt die Bundesregierung für die Jahre 2026 und 2027 jeweils 7,72 Millionen Euro für die alpine Infrastruktur zur Verfügung. Das sind jährlich um vier Millionen Euro mehr als bisher.

Leider hat es die Tourismuswirtschaft verabsäumt, die vielfältigen Leistungen, die sie für die Aufrechterhaltung der alpinen Landschaft und deren Infrastruktur tätigt, einer breiten Öffentlichkeit aufzuzeigen und auch dem Alpenverein bewusst zu machen, wie groß der Beitrag der Seilbahnwirtschaft für den Besuch vieler Hütten ist, wodurch diese von den Sorgen und Nöten eher abgelegener Ausflugsziele verschont bleiben.

So werden viele Wege und Trails, auch zu den Hütten, von Seilbahngesellschaften und Tourismusverbänden errichtet und betrieben und tragen so zu einer höheren Frequenz der Schutzhütten bei. Daneben ist es vielen Menschen schlichtweg unmöglich, weite Wegstrecken und große Höhenunterschiede aus eigener Kraft zu überwinden und sie benutzen dann gerne Seilbahnen, um die Hütten leichter zu erreichen.

Die von mir sehr geschätzte Marianne Hengl, eine unermüdliche Kämpferin für eine bessere Lebensqualität für Menschen mit Behinderung, hat mit ihrem Fernsehformat Gipfel-Sieg: Der Wille versetzt Berge, einen wertvollen Beitrag zur Bedeutung der Seilbahnen für behinderte Menschen geleistet.

Vor diesem Hintergrund täte der Alpenverein gut daran, den Schulterschluss mit dem Tourismus zu suchen und bei Ausbauplänen mehr Augenmaß zu zeigen und nicht auf jede noch so kleine Erweiterung mit unqualifizierten Einsprüchen zu reagieren.

So haben etwa Initiativen der Alpenvereine den Bau der Seilbahn auf den Piz Val Gronda um viele Jahre verzögert, weil eine Überschwemmung des Tourengebietes bei der Heidelberger Hütte durch Skifahrer befürchtet wurde.
Nach der Erschließung ersparen sich nun viele Alpinisten den mühsamen Aufstieg zur Hütte über den 14 km langen Weg und nehmen dafür die Seilbahn. Eine Invasion von Skifahrern ist aber ausgeblieben und das Tourengebiet um die Hütte blieb für die Alpinisten reserviert.

Eine gemeinsame Aktion der Seilbahngesellschaft und des Hüttenwirts hat aber dazu beigetragen, einigen geübten Skifahrern und auch Mountainbikern bei der Fahrt zur Hütte ein einmaliges Naturerlebnis zu bieten und dem Hüttenwirt dadurch einen willkommenen Zusatzumsatz zu verschaffen. Ein gutes Beispiel, wie Tourismus und Alpinismus gegenseitig voneinander profitieren.

Mehr solcher Beispiele wären nicht nur erwünscht, sondern notwendig.

Fotorechte: Silvrettabahnen / Stefan Kuerzi 

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Hannes Parth

Hannes Parth, geb. 1956, war 36 Jahre lang für die Silvrettaseilbahn AG in Ischgl tätig, bereits im Jahr 1987 wurde er zum Vorstand gewählt. In der Ära Parth wurden über 40 Bahnen mit einem Investitionsvolumen von 707 Mio. € errichtet. Im Ranking der weltbesten Seilbahnunternehmen mischt das Unternehmen heute an vorderster Stelle mit.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Werner Rüf

    So ist es! Der Charakter der alpinen Kulturlandschaft ist ein gewachsenes Zusammenspiel im Gleichgewicht zwischen Landwirtschaft und Tourismus jeweils in verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Alle nützen die Infrastruktur. Erhebt ein Teil davon den Finger gegenüber dem Anderen, gerät das System ins Wanken.

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