Hannes Hofinger
Zu blöd für Jelinek
Kurzanalyse

Ich sehe im Fernsehen Auszüge aus der Uraufführung Elfriede Jelineks Unter Tieren und wundere mich über die wunderbaren Lobeshymnen.

Da ich mir Salzburg logischerweise nicht leisten kann (und will), habe ich mir das Buch Unter Tieren, erschienen im Residenz Verlag, um 24 Euro erworben. Das habe ich fürchterlich bereut.

Mehrmals habe ich es versucht. Ich habe mich bemüht. Ich schwöre es. Aber es ging nicht.

Meine Meinung zu dem Text variierte zwischen: Die ist zu hoch für mich. Das verstehe ich einfach nicht. Ich bin nicht des Nobelpreisbuchlesens würdig. Und andererseits fragte ich mich: Wie tickt diese Dame eigentlich?

Nach den hymnischen Lobpreisungen versuche ich es jetzt noch einmal. Vielleicht komme ich jetzt irgendwie rein in ihren depperten, nobelpreisgewürdigten Schreibstil.

Da befällt mich ein fürchterlicher Gedanke: Vielleicht jubeln die hehren Gäste deshalb, weil das Stück aus ist und die warme Platte in der Goldenen Gams kalt wird und die Kritiker deshalb, weil sie es auch nicht verstanden haben und dies nie im Leben zugeben dürfen?

Kann nicht sein. Was schreibe ich denn da!

Man soll ja von den Besten lernen. Aber wenn dann auch mich, wie es mir mit der Jelinek ergangen ist, niemand mehr versteht? Was dann?

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Hannes Hofinger

Hannes Hofinger (* 21. Dezember 1947 in St. Johann in Tirol) ist ein österreichischer Schriftsteller, Bibliothekar und Verleger. Hannes Hofinger ist Chronist und Heimatforscher und verlegt vor allem Kleinodien aus der Umgebung von St. Johann in Tirol.

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Georg Payr

    Ach, Herr Dr. Stöckl!
    „Diese Dame“ (man spürt regelrecht den Unwillen, sie als Schriftstellerin zu bezeichnen, deshalb die Zuflucht zum leicht ironisierenden – verachtungsvoll ironisierenden – „diese Dame“) hat den Nobelpreis bekommen, weil sie derart großartige (vor allem sprachlich großartige) Literatur schreibt/geschrieben hat, dass einem (mir halt und noch ein, zwei anderen) vor Hingerissenheit nichts anderes übrigbleibt, als hingerissen zu sein (blödsinniges Doppelspiel…). „Die Klavierspielerin“ etwa – wer sonst bringt es zuwege, so zu schreiben wie die Jelinek? Dieses Spielen mit Sprache, mit Werbeslogans, mit Gemeinplätzen, mit Tiefsinnigkeiten, mit verballhornten Zitaten aus der Weltliteratur, fantastisch.
    Männer tun sich schwer mit den Jelinek-Inhalten, weil sie uns oft ans Mark gehen.
    Mit freundlichen Grüßen usw.

  2. friedrich hahn

    kann allem nur beipflichten. diese frau kann sich offenbar alles leisten.

  3. c. h. huber

    falsch, was sie sagen, herr stöckl! auch wenn ich zugebe, das „unter tieren“ auch zum teil nicht verstanden zu haben – oder eigentlich mir nicht die mühe gemacht habe, es fertig zu lesen. wirklich sehr fordernd, da gebe ich ihnen und auch hannes hofinger recht. das muss man wahrscheinlich auf der bühne sehen, um das meiste zu kapieren. doch wenn ich denke, wie viele texte von männlichen nobelpreisträgern man/ich nicht versteht/verstehe, dann darf die jelinek auch schwierige texte schreiben, ohne schubladisiert zu werden. wobei eine frau und links zu sein ja generell keine schande ist.

  4. Dr. Gernot Stöckl

    Richtig! Bei dieser Dame sage ich immer nur nein danke, die tue ich mir sicher nicht an! Den Nobelpreis hat sie nur deshalb bekommen, weil sie eine linksdrehende Frau ist.

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