Hannes Hofinger
Zeus und Hera
erfinden das Christentum.
Göttersage
Zeus und Gattin Hera sitzen im Olymp bei einer Tasse Metaxa und grübeln über die Menschheit nach.
Sag mal, Hera, findest du nicht auch, dass diese Menschen immer laxer in ihrer Verehrung von uns Göttern werden?
Ja, du sagst es. Die Opfergaben werden auch immer mickriger und was das Schlimmste ist: Sie haben einfach keinen Respekt mehr vor uns, geschweige denn Angst.
Wir sollten der Bande wieder einmal zeigen, wo Hephaistos den Hammer hängen hat oder?
Ja, deine Blitze schrecken sie auch nicht mehr auf.
Hast du eine Idee?
Nach der dritten Flasche Metaxa steht Zeus plötzlich auf, wankt mit wackelndem Kopf durch die heiligen Hallen.
Plötzlich schreit er: Heureka.
Hera schreckt hoch: Was ist los?
Ich weiß, wie wir die Gfraster wieder katholisch, äh, zeusgläubig machen.
Und? Sag schon.
Also, ich stelle mir das so vor: Wir schicken unseren Sohn zu ihnen, der soll ihnen wieder den rechten Glauben beibringen.
Aber warum sollten die vor unserem Sohn Respekt haben? Die nehmen ihn doch noch weniger ernst als uns.
Daran habe ich natürlich gedacht. Ich schicke ihn nicht als Gott, sondern ich sorge dafür, dass sie der Meinung sind, er sei einer von ihnen. Dann kann er ganz anders auftreten.
Und wie soll dies geschehen?
Ich schnappe mir den Burschen und beame ihn in den Leib einer hübschen Jungfrau und die wird ihn dann auf die Welt bringen.
Du hast zu viel getrunken!
Weib, mäßige dich! Ich bin auch klug im Rausche. Die Menschen werden seinen Worten lauschen und er kann – zuerst unterschwellig – meine Botschaft unter die Leute bringen. Nämlich, dass ich, Zeus, ihr einziger Gott bin.
Und was ist dann mit ihm? Ist er nicht dein Sohn?
Ich brauch ihn nicht mehr. Ich überlasse ihn ihnen, sie sollen tun mit ihm, was ihnen gefällt. Kreuzigen ist derzeit ziemlich in Mode bei ihnen.
Bist du verrückt?
Sprich nicht so mit Zeus, dem Gott der Götter.
Verzeih mir, aber gerade das liebst du doch so an mir.
Im Bett, liebe Hera. Nur im Bett. Nicht wenn ich rede.
Du willst ihnen also unseren Sohn überlassen. Wahrscheinlich werden sie ihn umbringen. Aber wozu?
Du verstehst die Menschen nicht. Zuerst bringen sie ihn um, weil er ihnen den Spiegel vorhält. Dann hole ich meinen armen Jungen zurück auf den Olymp. Darüber sind sie komplett verwirrt und bekommen Angst, ob er nicht doch ein Gott war, sodass sie das schlechte Gewissen quält und sie einen Sündenbock suchen und jene verfolgen, die das Kreuz aufgestellt haben, die sie dann als Gottesmörder bezeichnen. Sie selbst aber knien bis zum Ende ihrer Tage mit schlotternden Knien vor meinem Altar.
Du willst also unseren toten Buben in Herrlichkeit zu uns zurückkommen lassen? Und das unter dem Jubel des Volkes.
Nein, nein. Ich hol ihn einfach in der Nacht zurück. Am Morgen sehen dann ein paar Betschwestern, dass das Grab leer ist. Und weil das Grab leer ist, werden sie glauben, dass unser Sohn ein Gott ist, weil er lebendig in den Olymp aufgefahren ist?
Ach was, so ein Märchen glauben die doch nie!
Du hast keine Ahnung von den Menschen. Die glauben alles. Wirklich alles. Ich weiß das. Ich habe sie ja selber gemacht. Nach meinem Ebenbild.
Hera lacht ungläubig und verlässt die Halle.
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erfrischend, diese sichtweise auf die katholische religion!