Hannes Hofinger
Elfriede & Peter
Nobelpreisträger
Nachtrag
E.: Lieber Peter!
Mir wurde versprochen, daß ich auf jeden Fall gewinne und nicht falle, reingefallen!, etwas Geduld, bitte, da kommt schon Freude auf, die mein Herz fast auffrißt, erst zaghaft, dann wie eine Flut rauscht es herein. Das Wasser schießt in mein Stallhäuschen mit dem Plumpsklo daneben, auf dessen Schild das Wort HIER steht, dort fließt es natürlich nicht hin, wo wir es bauchen könnten. Endlich ein Wasserklo, wie fein! Dafür ist jetzt das Haus weg, dort, wo Haus war, ist jetzt Loch. Das Wasser, das nun in unsre Zimmer rinnt, braucht keinen Waffenschein, um uns allein auf dieser menschenumhüllenden Erde (so wie die Seele den Körper umkleidet, bei mir aus reiner Bio-Wolle) den Rest zu geben.
P.: Liebe Elfriede!
All die Buswartezeit schon waren aus dem Dorf, oder aus einem einzigen Garten dort, Töne und Stimmen wie eben nur bei einem Fest an die Landstraße gedrungen, und ich hatte gedacht: „Zu früh für ein Fest, jedenfalls für mich. Verschont mich mit euren Maifesten. Mein Fest, das Rachefest, im Rachelicht, es soll warten, bis zum Abend, bis in die Nacht!
E.: Lieber Peter!
Vernünftigen Lösungen verschließen wir uns nicht, sagen Sie?, und erkennen eine vernünftige Lösung gar nicht, auch nicht, wenn sie Ihnen schon ins Auge springt? Sie haben da ja eine schöne Fassade für mein Guthaben gebaut, vielen Dank! Das haben Sie gut gemacht. Die trübe Quelle, aus der es kommt, sieht man gar nicht mehr, jetzt nur aufpassen, daß nicht auch andre dort ihre Wohnung hineinbauen wollen!
P.: Liebe Elfriede!
Nicht wenige derer, die mir tagsüber begegnet waren, hatten sich eingefunden, in anderer Gestalt, und trotzdem dieselben: der Sänger und Taxifahrer, der Richter und Schalmeienbläser. Und mir kam der Gedanke, ja, die Erkenntnis, daß ich es all die Zeit mit keinem einzigen bösen oder schlechten Menschen zu tun gehabt hatte, und das nicht bloß an diesem einen Tag, sondern schon seit Monaten, seit Jahren! War ich überhaupt je mit einem Bösewicht, mit jemand Grundschlechtem in Person zusammengeraten? Nicht in Person, nie in Fleisch und Blut.
Was sollte das jetzt?
Das waren Auszüge aus Unter Tieren von Elfriede Jelinek und aus Das zweite Schwert von Peter Handke. Texte von zwei Nobelpreisträgern. Bei beiden geriet ich an die Grenzen meiner Intelligenz. Ich habe sie ganz einfach nicht verstanden. Was wollen sie mir sagen? Dass Frau Jelinek ein Plumpsklo aber kein Haus hat? Und dass Peter Handke irgendwo auf dem Weg zu einem G´schnasfest verkommen ist?
Keine Ahnung. Und ich habe es aufgegeben. Ich sehe nicht ein, dass ich einen unverständlichen Text so lange lesen muss, bis sich mir irgendetwas erschließt.
Aber was mir aufgefallen ist, ist Folgendes: Wenn ich die sinnlose Aneinanderreihung von Textausschnitten lese, dann verstehe ich zwar nichts vom Inhalt, aber die Texte beinhalten einen gewissen Rhythmus, ein leises Singsang. Ich stelle mir vor, ich könnte diese Texte in Italienisch oder Französisch hören, dann würde ich vermutlich eine Melodie erkennen. So, wie es mir früher bei den Chansons der Edith Piaf gegangen ist. Kein Wort verstanden, aber es war schön.
Diese meine bahnbrechende Erkenntnis könnte die Arbeit des Nobelpreiskomitees wesentlich erleichtern.
Man nehme eine KI. Eine intelligente! Diese durchstöbert mit Lichtgeschwindigkeit alle aktuellen Bücher und sucht jene Texte, welche unverständlich sind und einen Rhythmus beinhalten, welcher den Texten obgenannter Nobelpreisträger entspricht, und schon ist der neue Preisträger entlarvt, äh, gefunden.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass nächstes Jahr der Nobelpreis für Literatur unserem Kindergarten zugesprochen würde. Für den Text: Ich geh mit meiner Laterne und die Laterne, die geht neben mir.
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ich sag nur soviel: kein mensch muss lesen, schon gar nicht texte von nobelpreisträgern. diese hier sorgen aber jedenfalls für amusement. aber grundsätzlich geht mir das jelinek- und handke-bashing längst auf die nerven. müsste das also auch nicht lesen, vor allem wenn alles aus dem zusammenhang gerissen wurde, lieber hannes, nichts für ungut. aber schön, wenn sie zu texten von ronald weinberger und fans führen – bin selbst einer, ein weiblicher.
Ja, Herr Hofinger, da haben Sie völlig recht. Der Text des Kindergartenliedes hat wahrlich einen Nobelpreis verdient. Und warum? Weil man den Sinn des Inhaltes nach 1 x lesen versteht. Aber Literatur Nobelpreise werden anscheinend so sehr für um die Ecke Denkende vergeben, sodass der Literatur Nobelpreis schon fast beim Medizin Nobelpreis aneckt.
Der Hofinger’sche Satz „Ich sehe nicht ein, dass ich einen unverständlichen Text so lange lesen muss, bis sich mir irgendetwas erschließt“ entfaltete in mir zwei gedankliche Erek-, äh, Reaktionen: Zum einen ein ‚Sehe ich genauso!‘. Zum anderen: ‚So Manches kann halt doch, trotz echter oder bloß scheinbarer Verständlichkeit, erschlossen werden. Mit Hilfe des Humors.
Mein vermutlich unverständliches Gesülze benötigt eine Erklärung. Mir kam nämlich, beim Lesen und Verinnerlichen des Eigennamen HANNES HOFINGER, allerlei Erschließliches und Ersprießliches in den Sinn. Etwa, dass dieser immerhin zwei Frauen-Namen beinhaltet: eine ANNE und eine INGE. Sicherlich haben sich diese beiden Damen (ob es anerkennend oder spöttisch gemeint gewesen wäre, spielt keine Rolle) nie das Sprichwort ‚Wie die Nase des Mannes, so sein JoHANNES‘ zugeraunt. Das hätte sich schließlich nicht geziemt.
Beim Namen HANNES HOFINGER erschließt sich mir freilich noch Weiteres: Die jeweils ersten beiden Buchstaben entbehren nicht einer gewissen Flottheit: Das HA und HO erinnert mich an das HÜ und HOTT meiner Kindheit – und dass im Nachnamen der oder die FINGER vorkommen, sowie der HOF (hält er ab und zu HOF, der Herr?), als auch ein IN bzw. ein ER, sodann ein AN und ein ES im Vornamen… Jo, wer hätte gedacht, wie inhaltsschwer der Name des guten Mannes ist!
Seien Sie ruhig beeindruckt oder bezweidruckt, was ich da alles erschlossen habe. Was ich nunmehr erwarte, ist ein Preis. Muss nicht unbedingt der Nobelpreis sein, das wäre mir zu nobel. Ihre Anerkennung genügt.
Auch in Ihrem Namen versteckt sich manch Unerwartetes. Im Vornamen entdecke ich einen Arnold, was mich irgendwie an stählerne Muskeln erinnert, und im Nachnamen verbergen sich rege Weiber und Wein, was auf einen lockeren Lebenswandel hindeuten könnte.
Mit der Sprache hat das wahrscheinlich nichts zu tun. Bei Elfi haben sich die Typographen durchgesetzt, sie hat den Preis für die Formatierung bekommen.