Günther Aigner
Technische Beschneiung in Österreich
Wasserbedarf, Energieverbrauch und
CO2-Emissionen
Analyse

Eine neue Studie (01, siehe Quellenverzeichnis) von Forschern der Universität Innsbruck und der Hochschule München bringt anhand folgender Fragestellungen harte Daten und Fakten in eine jahrzehntelang von Annahmen und Emotionen dominierte Diskussion: Wie viel Wasser und elektrischen Strom benötigt die technische Beschneiung? Und wie viel CO2 emittiert sie?

Die Frage nach den Emissionen ist deshalb brisant, weil die Beschneiung die zentrale Anpassungsstrategie des Skitourismus an die Klimaerwärmung darstellt. Somit steht der Vorwurf im Raum, dass der Klimawandel durch die Emissionen aus der Beschneiung erst recht angeheizt werden würde. Die Abbildung 1 veranschaulicht die Erwärmung der Winter am Hohen Sonnblick über die letzten 140 Jahre (02). Die Trendlinie zeigt eine Erwärmung um 1,7 Grad Celsius pro 100 Jahre an (siehe dazu im Chart die Formel der linearen Regression) – das sind in 140 Jahren etwa 2,4 Grad. Der damit einhergehende Anstieg der Schneegrenze (06) und die Verkürzung der Winter werden von den Skigebieten durch die Beschneiung kompensiert.


Abb. 1: Die Abweichungen der Wintertemperaturen am Hohen Sonnblick vom 140-jährigen Mittel von 1886/87 bis 2025/26. Daten: GeoSphere Austria (HISTALP) (01). Grafik: ZUKUNFT SKISPORT

Obwohl die Beschneiung sowohl in der Wissenschaft als auch in den Medien Gegenstand kontroverser Debatten ist, gab es bislang weltweit keine einzige auf Umfragen unter Skigebieten basierende Studie zu deren Ressourcenverbrauch und CO2-Emissionen. Also fassten wir (Robert Steiger, Marius Mayer und Günther Aigner) den Entschluss, das zu ändern. Wir entwickelten einen Fragebogen, kontaktierten alle österreichischen Skigebiete und erhielten von 30 Skigebieten Daten in ausreichender Qualität. Diese Stichprobe repräsentiert 17,8 Millionen Skifahrertage (Skier Visits bzw. Erstzutritte) und damit etwa 34 % des österreichischen Skitourismusvolumens.


Ergebnisse aus der Hochrechnung für alle österreichischen Skigebiete

• Der Wasserumsatz pro Saison beträgt rund 51 Millionen m³. Das sind etwa 1.000 Liter pro Skifahrertag und 2.900 m³ pro Hektar Pistenfläche.
• Der Strombedarf pro Saison beträgt etwa 280 GWh. Das sind rund 5,5 kWh pro Skifahrertag und 16.000 kWh pro Hektar Pistenfläche.
• Österreichweit sind etwa 44.000 Schneeerzeuger im Einsatz.
• Die CO₂-Emissionen hängen weitgehend vom Energiemix ab. Unter der Annahme eines wasserkraftbasierten Strommixes von 24 Tonnen CO2 pro 1 GWh betragen die Emissionen der Beschneiung 130 Gramm CO2 pro Skifahrertag.


Ergebnisse aus dem Sample

• 82 % der Pistenkilometer der Skigebiete im Sample werden technisch beschneit.
• Das Verhältnis von Propellermaschinen (klassische Schneekanonen) zu Lanzen beträgt im Sample 48:52. Unter dieser Annahme würden in Österreich 21.100 Stück Propellermaschinen und 22.900 Stück Lanzen in Dienst stehen.
• Die durchschnittliche Laufzeit pro Schneeerzeuger und Saison betrug bei den Skigebieten im Sample 171 Stunden – das ist etwa eine Woche pro Jahr.
• 99,9 % der produzierten Schneemenge werden von Skigebieten erzeugt, die mit ihrem Stromanbieter einen Vertrag über den ausschließlichen Bezug von Strom aus erneuerbaren Quellen (Ökostromvertrag) abgeschlossen haben.


Einflussfaktoren auf die Intensität der Beschneiung

Wovon hängt es ab, wie viel beschneit wird? Unter allen Einflussfaktoren auf den Ressourcenverbrauch der Beschneiung scheint die Größe des Skigebiets dominierend zu sein. Je größer ein Skigebiet, desto höher sind Wasser- und Energieeinsatz pro Hektar Pistenfläche. Dies liegt vermutlich daran, dass größere Skigebiete finanziell besser aufgestellt sind und sich eine üppigere Beschneiung leisten können. Hingegen spielt die Höhenlage der Skigebiete überraschenderweise keine entscheidende Rolle: Pro Hektar Pistenfläche wird auf höher gelegenen Skigebieten im Mittel ähnlich viel beschneit wie in tiefer gelegenen.


Diskussion der Ergebnisse

Die CO2-Emissionen der Beschneiung von 130 Gramm pro Skifahrertag entsprechen einer Autofahrt von etwa 0,9 km mit einem Benzin- oder Diesel-Pkw (03). Daraus wird ersichtlich, dass die CO2-Emissionen aus der Beschneiung im Vergleich zur Reisetätigkeit der Gäste hin zu den Skigebieten (und wieder zurück) sehr gering ausfallen.

Der Strombedarf der Beschneiung wurde in der wissenschaftlichen Diskussion für Österreich bislang in einer Spanne von 355 bis 950 GWh vermutet (04). Die von uns berechneten 280 GWh liegen deutlich darunter. Geht man davon aus, dass ein durchschnittliches Elektroauto etwa 22 kWh pro 100 km verbraucht (05), reicht der für die Schneeproduktion eines Skifahrerbesuchs benötigte Strom für eine Fahrt von 25 km.

Der Wasserumsatz der Beschneiung scheint höher zu sein als bisher vermutet wurde. In diesem Zusammenhang darf allerdings nicht vergessen werden, dass das Wasser für die Beschneiung lokal entnommen und beim gesamten Prozess weder verbraucht noch verschmutzt wird – in Österreich sind Zusätze in das Schneiwasser gesetzlich verboten. Der Wasserumsatz der Beschneiung gleicht damit einer Kreislaufwirtschaft.


Nutzen der Studie für die Gesellschaft bzw. Handlungsempfehlungen

Die Ergebnisse unserer Studie sollen den Skigebieten als Branchen-Benchmark und als Richtschnur für zukünftige Ressourceneinsparungen dienen. Dem öffentlichen und wissenschaftlichen Diskurs wollen wir ein Fundament aus soliden Daten liefern, den Behörden und Gesetzgebern belastbare Fakten.

Mit unserem Paper wollten wir eine umstrittene Debatte zur Klimawandelanpassung neu kalibrieren und objektivieren. Wir haben versucht, den Boden der Diskussion von Annahmen, Modellen sowie groben Schätzungen zu befreien und durch einen groß angelegten, auf einer Befragung von Skigebieten basierenden Datensatz zu verstärken.

Die Beschneiung ist längst alternativlos geworden. Wir müssen davon ausgehen, dass es in den nächsten Jahren und Jahrzehnten keinen prosperierenden Skitourismus ohne Beschneiung geben wird. Vor diesem Hintergrund regen wir an, unsere Ergebnisse als Beitrag zu einem möglichst ökologischen und nachhaltigen Skitourismus zu lesen.


Quellen
(01) Aigner, G., Mayer, M., & Steiger, R. (2026) Snowmaking in Austria: Resource consumption and greenhouse gas emissions. Journal of Sustainable Tourism. https://doi.org/10.1080/09669582.2026.2656746
(02) GeoSphere Austria (2026) Monthly data homogenized series CSV Export. Link: https://www.zamg.ac.at/histalp/dataset/station/csv.php
(03) Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMK) (2025) Monitoringbericht zu den CO2-Emissionen neu zugelassener Pkw in Österreich im Jahr 2023. Wien. Die Flotte neu zugelassener Benzin- und Diesel-Pkw erreichte im Mittel CO2-Emissionen von 140,6 g/km. https://www.bmimi.gv.at/themen/mobilitaet/co2_monitoring/pkw.html
(04) Pröbstl-Haider, U., Lund-Durlacher, D., Olefs, M., Prettenthaler, F. (Hrsg.) (2020) Tourismus und Klimawandel. Österreichischer Special Report Tourismus und Klimawandel (SR 19), Springer Verlag Berlin, Heidelberg, S. 115. https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-662-61522-5
(05) Stadtwerke Konstanz (2025) Wie viel Strom verbraucht ein E-Auto? https://www.stadtwerke-konstanz.de/parken-laden/aktuelles/wie-viel-strom-verbraucht-ein-e-auto/
(06) Schelling, S., Koehler, J., Baumhoer, C., Krause, C., Aigner, G., Vydra, C., Kuenzer, C., & Dietz, A. (2026) Ski Areas and Snow Reliability Decline in the European Alps Under Increasing Global Warming—A Remote Sensing Perspective. Remote Sensing. 18(3):491. DOI: 10.3390/rs18030491

Die Studie im Original: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/09669582.2026.2656746

Fotorechte: TechnoAlpin


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Günther Aigner

Günther Aigner (*1977 in Kitzbühel) zählt zu den führenden Experten zur Zukunft von Skifahren und Skitourismus. Nach einem Wirtschafts- und Sportstudium an den Universitäten Innsbruck (UIBK) und New Orleans (UNO, USA) hat er das Wintermarketing von Kitzbühel (Tirol) geleitet. 2021 ist er an die UIBK zurückgekehrt und forscht seither als „PhD candidate“ (Doktorat „Management“) am Innsbruck Doctoral College – Tourism and Leisure in Mountain Regions. Die UIBK wird global auf Platz 23 in der Tourismusforschung gerankt und ist innerhalb der EU auf Platz 1. Sein Unternehmen ZUKUNFT SKISPORT berät Skigebiete, alpine Destinationen sowie Hardware- (z. B. Seilbahnsysteme) und Softwarehersteller (z. B. Zutrittssysteme) und arbeitet als Bindeglied zwischen dem akademisch-wissenschaftlichen Denkraum und den alpintouristischen Praktikern. Als Keynote Speaker hält Aigner Vorträge im In- und Ausland. Er gestaltet als Experte den öffentlich-medialen Diskurs zum Skifahren mit und arbeitet als Gastlektor an Hochschulen in Europa und Asien. Günther ist Mitglied des Studienausschusses VII des Weltseilbahnverbandes O. I. T. A. F.

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Günther Aigner

    P.S.: Zur Frage von Werner Schandor, ob uns das Wasser ausgeht. Ich bin weder Zukunftsforscher noch Atmosphärenphysiker. Aber ich beschäftige mich gerne mit statistischen Daten zum Klima. Der Jahresniederschlag in Österreichs alpinen Regionen ist in den vergangenen etwa 140 Jahren stabil geblieben. Zwar hat sich die Lufttemperatur markant erhöht, aber am Jahresniederschlag hat sich nichts verändert. Derzeit deutet (noch) nichts auf zukünftige Wasserknappheit hin. Aber wie gesagt: wenn wir von der Zukunft sprechen wollen, muss dies durch Atmosphärenphysiker erfolgen. lg Günther

  2. Günther Aigner

    Sehr geehrter Herr Schandor!
    Lieber Werner!
    Danke für deinen Kommentar. Der Wassereinsatz der Beschneiung ist tatsächlich enorm. Die große Streitfrage dazu ist wohl, ob es ein Wasserumsatz ist oder ein Wasserverbrauch. Ob es sich größtenteils um Oberflächenwasser handelt, das in Fülle vorhanden ist, oder um Quellwasser, das eher limitiert ist. Die Berechnung zur erhöhten Albedo durch den Maschinenschnee gibt es und diese wurden von Wissenschaftlern heftig diskutiert. Da in Foren die Verlinkung oft schwierig ist: Google den Diskurs aus dem Jahr 2017, es gibt zwei gute ORF-Artikel dazu: Beschneiung Albedo ORF 2017 Prettenthaler.
    lg Günther

  3. Werner Schandor

    Sehr geehrter Herr Aigner,
    ein spannender Beitrag. Der Wasserverbrauch („etwa 1.000 Liter pro Skifahrertag“) kommt mir enorm vor. Besteht die Gefahr, dass uns das Wasser dafür irgendwann ausgeht?
    Und eine zweite Frage: Gibt es auch Berechnungen, ob die Beschneiungsbänder durch den Albedo-Effekt positive Auswirkungen auf das Klima haben? Oder ist das zu vernachlässigen?
    Schöne Grüße, Werner Schandor

  4. Günther Aigner

    Sehr geehrte Damen und Herren!
    Liebe Leser!
    Vielleicht finden wir hier im Forum die Gelegenheit, ein wenig über die Ergebnisse der Studie diskutieren zu können.
    Schöne Grüße
    Günther Aigner

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