Günther Aigner
Klimawandel in den Alpen
Über die erstaunliche „Explosion“ der Sonnenscheindauer
Statistische Daten seit 1887
Analyse
Seit dem letzten Höhepunkt der Kleinen Eiszeit rund um das Jahr 1850 hat sich das Klima in Österreich markant erwärmt. Vor allem im Hochgebirge haben sich in diesen 175 Jahren gewaltige Veränderungen ergeben, welche durch den Rückzug der Gletscher sichtbar werden.
In diesem Artikel wollen wir Messdaten des berühmten Observatoriums am Hohen Sonnblick interpretieren, auf welchem seit 1887 täglich atmosphärenphysikalische Messungen vorgenommen werden. Die GeoSphere Austria (vormals: ZAMG) bietet zu den Sonnblick-Messwerten homogenisierte Reihen aus den HISTALP-Datensätzen an.
Diese gehören zu den weltweit längsten und hochwertigsten Datenreihen. Sie sind homogenisiert – das heißt, die älteren, historischen Zeitabschnitte sind nach Standort, Instrumentierung und anderen wichtigen Kriterien an den aktuellen Zustand der Messstationen angepasst. Daher können im Zuge klimatologischer Analysen die Messwerte der Gegenwart mit den historischen Abschnitten der Messreihen verglichen werden.
Jahresmitteltemperaturen
In Abbildung 1 sehen wir die Entwicklung der Jahresmitteltemperaturen. Dabei ist in den einzelnen Säulen des Charts nicht die tatsächliche mittlere Jahrestemperatur abgebildet, sondern ihre Abweichung vom langjährigen Temperaturmittel der Jahre 1887 bis 2024, welches minus 5,7 Grad Celsius beträgt.
Deutlich erkennbar ist der gewaltige Temperaturanstieg der vergangenen 138 Jahre. Besonders kühl waren noch die Einzeljahre 1909 und 1919, welche um 1,9 bzw. 1,8 Grad Celsius kühler waren als das langjährige Mittel. Ganz hinten im Chart finden wir das mit Abstand wärmste Jahr 2024, das um erstaunliche 2,9 Grad Celsius zu mild ausgefallen ist.
Die grüne Kurve zeigt das gleitende 30-jährige Mittel. Es beschreibt eine Erwärmung um 2,1 Grad Celsius seit Beginn der Messreihe. Bei genauer Betrachtung erfolgt der Anstieg in zwei Wellen: In einer ersten Welle steigt das 30-jährige Mittel bis in die 1930er-Jahre an, macht dann eine Pause und klettert seit den 1970er-Jahren weiter stark nach oben.
Abb. 1: Die Abweichungen der Jahresmitteltemperaturen am Hohen Sonnblick (3.106 m) vom langjährigen Mittel von 1887 bis 2024. Daten: GeoSphere Austria (HISTALP). Grafik: Günther Aigner – ZUKUNFT SKISPORT.
Sonnenscheindauer
In Abbildung 2 sehen wir die Entwicklung der Sonnenscheindauer am Hohen Sonnblick. In den einzelnen Säulen des Charts ist die Summe der Sonnenstunden pro Kalenderjahr eingetragen.
Die Sonnenscheindauer hat in den vergangenen 138 Jahren stark zugenommen. Das Jahr 1912 war mit nur 1.276 Sonnenstunden noch sehr trüb, während das Jahr 2003 mit seinem Jahrhundertsommer auf 2.164 Sonnenstunden kam.
Die grüne Kurve zeigt das gleitende 30-jährige Mittel. Es liegt aktuell (1764 h) 214 Stunden höher als in den ersten 30 Jahren der Messreihe (1550 h). Das bedeutet einen Anstieg der Sonnenscheindauer um 12,1 Prozent. Bei genauer Betrachtung sehen wir auch bei der Zunahme der Sonnenscheindauer zwei Wellen: In einer ersten Welle steigt das 30-jährige Mittel bis in die 1930er-Jahre an, macht dann eine Pause und klettert seit den 1970er-Jahren wiederum kräftig nach oben.
Abb. 2: Die Entwicklung der Sonnenscheindauer in Stunden pro Jahr am Hohen Sonnblick (3.106 m) von 1887 bis 2024. Daten: GeoSphere Austria (HISTALP). Grafik: Günther Aigner – ZUKUNFT SKISPORT.
Zusammenschau
In Abbildung 3 sehen wir die Zusammenschau von Jahresmitteltemperaturen und Sonnenscheindauer, jeweils mit ihren gleitenden 30-jährigen Mittelwerten. Beide Kurven sind aktuell an ihrem Zenit (Jahresmitteltemperaturen) oder ganz knapp dran (Sonnenscheindauer). Noch nie seit Aufzeichnungsbeginn war es am Hohen Sonnblick so warm wie heute – und noch nie war es so sonnig.
Abb. 3: Die Zusammenschau der Jahresmitteltemperaturen (rote Kurve) und der Sonnenscheindauer pro Jahr (orange Kurve) von 1887 bis 2024, jeweils gleitende 30-jährige Mittelwerte. Daten: GeoSphere Austria (HISTALP). Grafik: Günther Aigner – ZUKUNFT SKISPORT.
Die Abbildung 4 zeigt die gleiche Zusammenschau von Sonnenscheindauer und Jahresmitteltemperatur für die 55-Jahr-Periode ab 1970 und verwendet dafür die gleitenden 20-jährigen Mittelwerte.
Abb. 4: Die Zusammenschau der Jahresmitteltemperaturen (rote Kurve) und der Sonnenscheindauer pro Jahr (orange Kurve) von 1970 bis 2024, jeweils gleitende 20-jährige Mittelwerte. Daten: GeoSphere Austria (HISTALP). Grafik: Günther Aigner – ZUKUNFT SKISPORT.
Beide Charts zeigen eine erstaunliche Korrelation von Jahresmitteltemperatur und Sonnenscheindauer. Die Frage einer möglichen Kausalität muss von Atmosphärenphysikern kommentiert und beantwortet werden. In der öffentlichen Diskussion ist die markante Zunahme der Sonnenscheindauer kein prominentes Thema – diese ist auf die Veränderung der Temperaturen und des Niederschlages fokussiert.
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Sehr geehrte Damen und Herren!
Vielleicht schaffen wir es, hier eine konstruktive Diskussion zu starten. Vielleicht lesen auch Atmosphärenphysiker mit und könnten die Daten für uns interpretieren.
lg Günther Aigner